Vorstufen von Speiseröhrenkrebs werden zunehmend endoskopisch behandelt

fzm, Stuttgart, Oktober 2015 – Der Barrett-Ösophagus, die mögliche Folge eines langjährigen Sodbrennens, begünstigt die Entstehung von Speiseröhrenkrebs. Früher wurde frühzeitig zur Operation geraten. Heute kann die Behandlung meist während einer Speiseröhrenspiegelung erfolgen, wie ein Experte in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2015) berichtet.

Jeder fünfte Erwachsene in Deutschland leidet unter einer Refluxkrankheit. Der „Rückfluss“ von Magensaft in die Speiseröhre ist nicht nur mit einem schmerzhaften Sodbrennen verbunden. Die Säure kann auch chronischen Husten, Asthma und Kehlkopfentzündungen auslösen und die Zähne angreifen, berichtet Privatdozent Oliver Pech, Chefarzt am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg.

Die Behandlung besteht in der Einnahme von Medikamenten, die die Säureproduktion im Magen stoppen. Wenn sich die Beschwerden unter der Behandlung bessern, ist die Diagnose einer Refluxkrankheit gesichert, schreibt Dr. Pech. Die Medikamente beseitigen allerdings nicht die Ursache, und viele Patienten müssen langfristig mit Säureblockern behandelt werden. Mittels einer Endoskopie untersuchen Mediziner, ob die Refluxkrankheit zur Entwicklung eines Barrett-Ösophagus, einer Zellveränderung im unteren Bereich der Speiseröhre, geführt hat.

Aus einem Barrett-Ösophagus kann sich mit der Zeit eine Krebserkrankung entwickeln. Die erste Vorstufe ist eine niedriggradige intraepitheliale Neoplasie (LGIN). Da die LGIN noch keine echte Krebserkrankung ist, ist nur eine engmaschige Kontrolle, aber noch keine Behandlung erforderlich. Sie kann aber vorbeugend erfolgen. Ein relativ schonendes neues Verfahren ist die Radiofrequenzablation (RFA): Die LGIN-Läsionen werden dabei bei einer Endoskopie durch kurzeitige Überwärmung beseitigt. Das Risiko, dass sich aus dem LGIN eine hochgradige intraepitheliale Neoplasie (HGIN) oder ein Krebs entwickelt, wird laut Dr. Pech um ein Viertel gesenkt.

Eine HGIN macht eine chirurgische Entfernung erforderlich. Diese Behandlung ist heute ebenfalls über ein Endoskop möglich. Nach dem Heraustrennen der geschädigten Schleimhaut folgt im zweiten Schritt eine RFA, um einen Rückfall oder die Weiterentwicklung zum Krebs zu verhindern. Die RFA hat zu einer entscheidenden Verbesserung der endoskopischen Therapie geführt, schreibt Dr. Pech: Der Krebs werde in 96 Prozent vollständig entfernt. Bei gut 14 Prozent der Patienten kam es während einer Nachbeobachtung von 55 Monaten jedoch zu einem Rückfall.

Auch eine „echte“ Krebserkrankung kann heute manchmal endoskopisch behandelt werden. Dies ist laut Dr. Pech allerdings nur bei „low risk“-Tumoren möglich. Wenn der Krebs tiefer in den Bereich unterhalb der Schleimhaut vorgedrungen ist, muss operiert werden, da der Krebs dann schnell die Lymphknoten befällt. Der Versuch, diese Patienten durch eine endoskopische submukosale Dissektion ohne Operation zu behandeln, habe sich als zu riskant erwiesen. Die Chancen einer kompletten Entfernung des Tumors, sogenannte „R0-Resektionsrate“, lag in zwei Studien aus Deutschland nur bei 40 bis 50 Prozent, erklärt Dr. Pech.

O. Pech:
Refluxerkrankung und Barrett-Ösophagus
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2015; 140 (20); S.1533–1536