Reha mit Musik

Stuttgart, März 2009 – Musikinstrumente als Trainingsgeräte? Für Musiktherapeuten erfüllen die Klangkörper genau diesen Zweck. "Mithilfe von Musik kann der Rehabilitationsprozess bei verschiedenen Krankheiten unterstützt und der Therapieverlauf positiv beeinflusst werden", sagt der an der Neurologischen Reha-Klinik Beelitz-Heilstätten tätige Musiktherapeut Stefan Mainka. In der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten etwa, oder bei der Behandlung von Parkinson-Patienten könne die Musiktherapie daher einen wichtigen Platz einnehmen. In der Fachzeitschrift "physiopraxis" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) stellt Mainka einige Grundprinzipien vor, die auch Physiotherapeuten in ihre Behandlung einbauen können.

Jeder Mensch reagiert auf Rhythmus und Musik. Rhythmisch-betonte Musik wirkt auch bei musikalisch Ungeschulten als starker Anreiz für Bewegungen. Aber auch unscheinbare akustische Signale, wie etwa das regelmäßige Klicken eines Metronoms, verbessern die Bewegungsbereitschaft des motorischen Nervensystems. "Dabei verkürzen sich die Reaktionszeiten von Reflexen und willentlichen Bewegungen", erläutert Stefan Mainka. Die Bewegung werde quasi akustisch angebahnt.

Besonders deutlich ist diese Wirkung bei rhythmischen, sich wiederholenden Bewegungen wie etwa dem Gehen. Das macht sich die so genannte rhythmisch-akustische Stimulation (RAS) zunutze – eine Technik, die im Rahmen der neurologischen Musiktherapie für das musikgestützte Gangtraining eingesetzt wird. Metronomklicken oder Musik dienen hier dazu, die Gehfunktion des Patienten zu verbessern. Ihre Wirksamkeit hat die RAS bereits in mehreren Studien bewiesen – Stefan Mainka nennt als Beispiel eine Untersuchung aus Heidelberg, in der die Methode das Gangbild von Schlaganfallpatienten deutlich stärker verbesserte als eine physiotherapeutische Behandlung nach Bobath. Auch bei der Behandlung von Parkinson-Patienten, Menschen mit Schädel-Hirn-Trauma und bei infantiler Zerebralparese könne die rhythmisch-akustische Stimulation wirksam eingesetzt werden, so der Musiktherapeut.

Die enge Verknüpfung von Musik und Bewegung macht sich die Musiktherapie auch in anderer Hinsicht zunutze. Beim Therapeutischen Instrumentalspiel (TIMP) etwa werden Musikinstrumente im Wortsinn als Trainingsgeräte eingesetzt. Je nach Therapieschwerpunkt bekommt der Patient verschiedene Instrumente an die Hand, die er zum Klingen bringen soll. Er versucht dann beispielsweise, mit der von einem Schlaganfall betroffenen Hand eine Tonfolge auf dem Klavier zu spielen oder auf der Trommel einen Rhythmus zu klopfen. Wie der Autor erläutert, können mithilfe der Musik sowohl die Grob- als auch die Feinmotorik der gelähmten Extremität geschult werden. Über den Klang erhalten die Patienten eine unmittelbare Rückmeldung über ihre Bewegungen: Sie fühlen und sehen sie nicht nur, sondern hören sie auch und können sie so leichter korrigieren. Dieses akustische Feedback hilft dem Patienten, den zeitlichen und räumlichen Ablauf sowie die Intensität seiner Bewegungen zu steuern. "Diese Übungen sollten immer von live gespielter Musik begleitet sein", sagt Mainka. Denn wie bei der RAS koppelt der Patient seine eigenen Bewegungen an den vorgegebenen Takt der Musik.

Nach Ansicht von Stefan Mainka werden musiktherapeutische Methoden in der Physiotherapie noch zu wenig genutzt. "Dabei handelt es sich um gut evaluierte Methoden, die sich nach den Maßstäben der evidenzbasierten Medizin beschreiben und anwenden lassen", betont der erfahrene Musiktherapeut. Und nicht zuletzt motiviert die Freude an der Musik die Patienten auch dazu, bei der Therapie intensiv mitzuarbeiten.

S. Mainka:
Im Takt - Musiktherapie in der neurologischen Rehabilitation.
physiopraxis 2009; 7 (2): S. 30-33

Call to Action Icon
FZMedNews Bestellen Sie hier!