Riesenzellarteriitis: Ultraschall erleichtert die Diagnose

fzm - Wenn Menschen über 50 Jahren neu an Kopfschmerzen erkranken und auf der Schläfe eine verdickte und druckempfindliche Ader sichtbar wird, ist rasches Handeln geboten. Es könnte eine sogenannte Riesenzellarteriitis vorliegen, die unbehandelt häufig zur Erblindung des Auges führt. Um die Diagnose zu sichern, entnehmen Ärzte bisher regelmäßig eine Gewebeprobe aus der erkrankten Schläfenarterie. Eine Ultraschalluntersuchung kann den meisten Patienten diese unangenehme Biopsie ersparen. Das belegt eine jetzt in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) veröffentlichte Studie.

Die Riesenzellarteriitis gehört zu den chronischen Entzündungen der Blutgefäße, auch Vaskulitis genannt. Sie ist, wie Dr. Frank Stammler von den Sana-Kliniken in Bad Wildbad im Schwarzwald ausführt, die häufigste Erkrankung dieser Art. Und sie ist ein Notfall, da oft eine Arterie, die das Auge mit Blut versorgt, mit erkrankt ist. Um eine Erblindung des Auges zu verhindern, müssen die Patienten schnell und hochdosiert mit Kortison behandelt werden. Um Menschen, die gar nicht an einer Riesenzellarteriitis leiden, die Risiken einer Kortisonbehandlung zu ersparen, wurde früher regelmäßig eine Biopsie durchgeführt. Doch auch sie kann, wenn die Gewebeprobe an der falschen Stelle entnommen wird, die Riesenzellarteriitis übersehen, warnt Dr. Stammler.

Seit einigen Jahren nutzen Ärzte vermehrt eine spezielle Ultraschalluntersuchung, die als Duplexsonografie bezeichnet wird. "Möglich geworden ist die risikoarme Diagnose der Arteriitis temporalis vor allem durch intensive Forschung und kontinuierlicher Weiterentwicklung der Ultraschallgeräte", sagt der Neurologe Professor Dr. med. Christian Arning von der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). Mit der Duplexsonografie werden nicht nur die charakteristischen Wandverdickungen des Blutgefäßes sichtbar. Auch die oft stark verlangsamte, manchmal sogar unterbrochene Blutströmung kann im Ultraschallbild farbig dargestellt werden. Wie beide Untersuchungen, Biopsie und Ultraschall, am besten kombiniert werden, ist seit langem ein Streitpunkt. Dr. Stammler schlägt jetzt ein Vorgehen vor, durch das in zwei von drei Fällen auf eine Biopsie verzichtet werden kann.

Die Mehrzahl der Patienten, die wegen des Verdachts auf eine Riesenzellarteriitis an die Klinik in Bad Wildbad überwiesen werden, haben eine leichte Form der Erkrankung, welche die Ärzte Polymyalgia rheumatica nennen. Die Patienten haben keine Kopfschmerzen, die Beschwerden sind auf Schultern oder andere Körperregionen begrenzt. Dennoch kann eine Riesenzellarteriitis vorliegen. Die Ergebnisse der Studie von Dr. Stammler zeigen jedoch, dass dies praktisch ausgeschlossen ist, wenn in der Ultraschalluntersuchung keine krankhaften Veränderungen in der Schläfenarterie sichtbar sind. Bei diesen Patienten könne deshalb auf eine Biopsie verzichtet werden, so der Experte. Die Polymyalgia rheumatica wird dann zwar ebenfalls mit Kortison behandelt. Die Dosis ist aber wesentlich geringer als bei einer Riesenzellarteriitis.

Auf der anderen Seite können die Beschwerden so eindeutig sein, dass eine Biopsie nicht mehr erforderlich ist, wenn auch in der Ultraschalluntersuchung eine Erkrankung der Arterie erkennbar ist. Auf diese beiden Gruppen entfallen in Bad Wildbad zwei Drittel aller Patienten. Ihnen blieb eine unangenehme Biopsie erspart.

F. Stammler:
Wertigkeit der farbkodierten Duplexsonographie in Abhängigkeit der klinischen Vortest-Wahrscheinlichkeit bei Riesenzellarteriitis.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (42): S. 2109-2115

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