Zerschellte Energiesparlampe: Quecksilberbelastung nach raschem Lüften gering

Stuttgart, Mai 2011 – Energiesparlampen enthalten Quecksilber, das beim Zerbrechen an die Luft abgegeben wird. Eine ernsthafte Gefährdung der Gesundheit besteht nach Ansicht von Arbeitsmedizinern aber nicht. Sie empfehlen in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2011) vorsorglich, den Raum gut und ausdauernd zu lüften.

Das Umweltbundesamt hatte gemeldet, dass nach dem Zerbrechen heißer Kompaktleuchtstofflampen die Quecksilber-Belastung kurzfristig auf das 20-fache über dem Richtwert von 0,35 Mikrogramm/Kubikmeter ansteigt. Noch höhere Konzentrationsspitzen von 50 bis 100 µg/m3 wurden vor einigen Jahren in einer US-Studie (Main Compact Fluorescent Lamp Study) gefunden. Und in einer kürzlich vorgestellten Masterarbeit an der Technischen Universität München wurden in Bodennähe direkt über der Bruchstelle sogar Quecksilberspitzen von über 100 µg/m3 gemessen, teilt Dr. rer. nat. Rudolf Schierl vom Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Klinikum der Universität München mit. Eine erhöhte Belastung hätten nicht nur kleine Kinder, die auf dem Boden spielen, sondern auch der Erwachsene, der die Scherben beseitigt, warnt der Diplomchemiker.

Er rät deshalb zur Vorsicht. Der Raum, in dem das Leuchtmittel zerschellt ist, sollte sofort und für längere Zeit gelüftet werden. Dr. Schierl: In der US-Studie sanken die Quecksilberkonzentrationen innerhalb der ersten Stunde unter den Richtwert ab, wenn in den ersten Minuten mit Lüftung und Aufräumen begonnen wurde.

Der Richtwert dient zur Beurteilung des potenziellen Gesundheitsrisikos bei lang anhaltender Innenraumbelastung. Das kurzfristige Einatmen führt zwar ebenfalls zu einem Anstieg der Quecksilberkonzentration im Blut. Sie liegt nach Einschätzung von Dr. Schierl jedoch deutlich unter dem HBM-I-Wert von 5 µg/l Vollblut. Diesen Richtwert hat die Kommission „Human-Biomonitoring” des Umweltbundesamtes als die Konzentration festgelegt, unter der nicht mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu rechnen ist.

Dr. Schierl stützt sich in seiner Einschätzung auf eine Studie aus Schweden. Dort hatten neun Probanden 15 Minuten lang mittlere Quecksilber-Luftkonzentrationen von 400 µg/m3 eingeatmet, während sie auf dem Fahrradergometer einer leichten körperlichen Belastung ausgesetzt waren. Dr. Schierl: Innerhalb der ersten Stunde kam es zu einem raschen, kurzzeitigen Anstieg der Quecksilberkonzentration zwischen 1,2 und 2,6 µg/l im Vollblut. Diese Werte lagen deutlich unter dem HBM-I-Wert.

Aus Sicht des Experten ist ein Arztbesuch zur Bestimmung der Quecksilberkonzentration “Biomonitoring” nach Bruch von Kompakt-Leuchtstofflampen nicht notwendig.

R. Schierl et al.:
Quecksilber-Biomonitoring nach Bruch von Energiesparlampen?
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2011; 136 (18):
S. 973-974

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