Risiko Thrombose: Internistische Patienten im Krankenhaus noch nicht optimal geschützt

fzm – In keinem anderen Land sind Patienten im Krankenhaus so gut vor Thrombosen geschützt wie in Deutschland. Dennoch sieht ein Experte in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) Optimierungsbedarf. Bei vielen internistischen Patienten würde zu häufig auf Heparinspritzen oder andere Schutzmaßnahmen verzichtet.

Wenn Patienten im Krankenhaus das Bett hüten müssen, können sich in den Beinvenen Blutgerinnsel bilden. Diese Thrombosen schädigen nicht nur die Beine, die aufgrund des behinderten Blutflusses dauerhaft anschwellen können. Wenn sich Gerinnsel von den Venenwänden lösen und über das Herz in die Lunge geschwemmt werden, kann es schnell zu einer lebensgefährlichen Lungenembolie kommen. "Venöse Thromboembolien sind eine häufige Komplikation während und nach einem Krankenhausaufenthalt und die volkswirtschaftlichen Schäden sind erheblich", erklärt Privatdozent Rainer Zotz von der Praxis für Hämostaseologie und Transfusionsmedizin in Düsseldorf.

Das Risiko ist lange bekannt, und auf chirurgischen Stationen wird Patienten täglich Heparin gespritzt. Die meisten Operierten tragen zusätzlich spezielle Kompressionsstrümpfe, die ebenfalls helfen, Thrombosen zu verhindern. Im letzten Jahr hatte eine internationale Studie (ENDORSE-Study, Lancet 2008; 371: 387-394) ergeben, dass die Mehrzahl der Patienten im Krankenhaus thrombosegefährdet sind. Dr. Zotz stellt jetzt in der DMW die Daten der deutschen Patienten vor: Auf chirurgischen Stationen benötigen sieben von zehn Patienten einen Thromboseschutz. Mehr als 90 Prozent der chirurgischen Patienten erhalten ihn hierzulande auch. Unter 32 Ländern belege Deutschland damit den Spitzenplatz, so Dr. Zotz.

Die Studie hatte aber auch ergeben, dass auf Stationen der Inneren Medizin vier von zehn Patienten einen Thromboseschutz benötigen. Aber nur etwa 70 Prozent dieser Patienten hatten ihn auch erhalten. Damit nimmt Deutschland zwar im internationalen Vergleich auch bei internistischen Patienten einen Spitzenplatz ein. Gleichzeitig habe die Studie aber auch gezeigt, dass drei von zehn Patienten auf internistischen Stationen nicht ausreichend vor Thromboembolien geschützt werden, kritisiert Dr. Zotz. Die Gründe vermutet der Experte zum einen darin, dass die Schutzwirkung von niedermolekularen Heparinen, eine aufgrund ihrer höheren Praktikabilität heute bevorzugte Variante der Heparine, erst in den letzten zehn Jahren zweifelsfrei belegt werden konnte. Zum anderen gebe es auf internistischen Stationen viele Patienten, die aufgrund von Leberschäden oder einem erhöhten Blutungsrisiko kein Heparin erhalten dürfen. Kompressionsstrümpfe würden auf internistischen Stationen jedoch nur sehr selten eingesetzt, beklagt Dr. Zotz. Neuere Alternativen wie eine intermittierende pneumatische Kompression oder eine Fußpumpe würden in Deutschland nahezu überhaupt nicht verwendet. Diese Geräte üben nur zeitweise einen äußeren Druck auf die Beinvenen aus und ahmen damit die Wirkung der Beinmuskeln beim Gehen nach. Sie werden von vielen Experten als besonders vorteilhaft eingestuft.

Dr. Zotz sieht Optimierungsbedarf auf internistischen Stationen. Er empfiehlt den Krankenhäusern Richtlinien für die systematische Einschätzung des individuellen Thrombose-Risikos einzuführen und Handlungsanweisungen zu entwickeln. Einige internistische Patienten sollten, wie das in der Chirurgie üblich ist, die Heparinbehandlung auch nach der Entlassung aus der Klinik noch einige Zeit fortsetzen, fordert Dr. Zotz. Aktuelle Studien hätten nämlich gezeigt dass viele internistische Patienten zuhause genauso gefährdet seien wie im Krankenhaus.

R. B. Zotz, D. Kauschat-Brüning, P. Bramlage, für die ENDORSE Studienleiter:
Thromboembolierisiko und -prophylaxe internistischer und chirurgischer Patienten im Krankenhaus: Deutsche Ergebnisse der internationalen ENDORSE-Studie (ENDORSE Deutschland).
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (43): S. 2163-216

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