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    Die eigene Unterschrift bringen Parkinson-Patienten mitunter nur noch schwer zu Papier. © jd-photodesign – Fotolia.com

     

Schreibtraining für Patienten: Gute Handschrift trotz Parkinson

fzm, Stuttgart, Dezember 2016 – Parkinson-Patienten verlieren im Laufe der Erkrankung die Fähigkeit, leserlich zu schreiben. So bereiten ihnen bereits die eigene Unterschrift, das Anfertigen kurzer Notizen oder das Schreiben eines Einkaufszettels große Mühe. Ihre Handbewegungen werden immer kleiner, bis die Schrift winzig und auch für die Patienten selbst oft nicht mehr lesbar ist. „Die Hand verkrampft beim Schreiben zunehmend, wird steifer und unbeweglicher“, sagt die Münchener Ergotherapeutin Wiebke Sporrer. Um den Patienten zu helfen, ihre Handschrift zu erhalten oder wieder zurückzugewinnen, hat sie ein spezielles Schreibtraining, insbesondere zur Steigerung der Schriftgröße, entwickelt. In der Fachzeitschrift "ergopraxis" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2016) stellt sie die Methode vor.

Bei Parkinson handelt es sich um eine degenerative Erkrankung des Gehirns. Die Betroffenen leiden unter einem Mangel am Botenstoff Dopamin. Infolgedessen treten bei ihnen zahlreiche Störungen der normalen Körperbewegung auf: Die Hauptsymptome sind eine Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifheit sowie ein Muskelzittern im Ruhezustand. Die „Miniaturisierung“ der Schrift, Mikrografie genannt, ist eines der frühesten Anzeichen der Erkrankung.

Hier setzt das Schreibtraining von Wiebke Sporrer an. Die Patienten üben verschiedene Bewegungen, die beim Schreiben eine Rolle spielen; einzeln und in Kombination. „Schräg geneigte Auf- und Abstriche erfordern zum Beispiel rasche Handgelenksbewegungen, vertikale Striche das Vor- und Zurückziehen der Finger“, erläutert Sporrer. Beim Ziehen von Kreisen oder dem Schreiben bestimmter Buchstabenkombinationen würden diese Bewegungselemente dann verknüpft.

Wichtig sei dabei, dass den Patienten zurückgemeldet werde, ob sie die Bewegungen in der richtigen Größe ausführen. Als visuelle Hinweisreize, sogenannte Cues, dienen bei Sporrers Schreibtraining Linien auf unterschiedlich breit liniertem Papier. „Anhand der Linien kann der Patient unmittelbar erkennen, ob er die richtige Bewegungsamplitude erreicht und beibehält“, erklärt sie.

Im Rahmen ihrer Masterarbeit untersuchte die Ergotherapeutin, die an der Schön Klinik München Schwabing in der neurologischen Rehabilitation arbeitet, den Effekt des Cue-gestützten Schreibtrainings. Die Anwendung des Trainings, welches insbesondere auf eine Steigerung der Schriftgröße zielt, erfolgte in drei jeweils 30-minütigen Trainingseinheiten, die innerhalb einer Woche abgehalten wurden. Dabei zeigte sich, dass die Schriftgröße bereits unmittelbar nach dem Training deutlich – um bis zu 70 Prozent – zunahm. Dieser Effekt war auch eine Woche nach den Übungen noch sichtbar. Darüber hinaus hielten die Patienten ihren Stift lockerer und drückten ihn weniger fest auf das Papier.

Damit der Trainingserfolg nicht wieder nachlässt, ist jedoch kontinuierliches Üben notwendig. Deshalb leitet Wiebke Sporrer ihre Patienten außerdem zu einem feinmotorischen Eigenübungsprogramm an, mit dem sie die für die Schreibbewegungen erforderliche Hand-und Fingergelenksbeweglichkeit zu Hause in Eigenregie trainieren können. In manchen Fällen verlangsame sich das Schreibtempo der Betroffenen, weil sie sich allzu sehr auf die Bewegungsabläufe konzentrierten. Dennoch zieht Wiebke Sporrer insgesamt eine positive Bilanz: Die Patienten empfänden das ergotherapeutische Schreibtraining als sehr hilfreich – vor allem diejenigen, die die Veränderungen ihrer Schrift und ihrer Schreibfähigkeit zuvor als besonders belastend erlebt hatten.

W. Sporrer:
Groß und lesbar schreiben
Ergotherapeutisches Schreibtraining bei Morbus Parkinson
ergopraxis 2016; 9 (11/12); S. 34–37