Bücherlast gut schultern: Empfehlungen für den Schulranzenkauf

fzm, Stuttgart, Juli 2014 – Wenn der Termin der Einschulung näher rückt, gibt es für Kinder fast nichts Wichtigeres als den Kauf des Schulranzens. Während die Schulanfänger selbst vor allem darauf achten, wie der Schulranzen aussieht, dreht sich für die Eltern alles um die Sicherheit und Gesundheit ihrer Sprösslinge. Welche Anforderungen ein Schulranzen erfüllen muss und worauf man beim Kauf achten sollte, erläutert die Physiotherapeutin Cornelia Götz in der Fachzeitschrift „physiopraxis“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2014).

Eine häufig zitierte Faustregel besagt, dass das Gewicht des gepackten Schulranzens nicht mehr als zehn Prozent des Körpergewichts des Kindes betragen sollte. „Diese Regel ist jedoch über hundert Jahre alt und stammt vom Militär“, sagt Götz. Rekruten sollten so Märsche von über 20 Kilometern ermüdungsfrei bewältigen können. Dass diese Angaben nicht einfach auf Schulkinder und ihren meist recht kurzen Schulweg übertragen werden können, liegt auf der Hand. Götz verweist auf eine Initiative der Universität des Saarlands, „Kid-Check“, wonach gesunde und körperlich gut entwickelte Kinder einen Schulweg von 15 Minuten auch dann ohne muskuläre Ermüdung überstehen, wenn der Ranzen bis zu einem Drittel des Körpergewichts wiegt. Zwar gleichen sie das zusätzliche Gewicht durch eine leichte Vorwärtsneigung des Oberkörpers aus, die Rumpfmuskeln werden hierdurch aber offenbar nicht übermäßig belastet. Auf der anderen Seite wiegen sich Eltern von Kindern mit nur schwach ausgeprägter Rückenmuskulatur oder von adipösen Kindern möglicherweise in falscher Sicherheit, wenn sie die Zehn-Prozent-Regel einhalten. Denn diese Kinder waren in den Tests häufig schon mit einer Belastung von weniger als zehn Prozent ihres Körpergewichts überfordert.

Wichtiger als das Gewicht ist demnach, dass der Schulranzen die Bewegungsfreiheit des Kindes nicht einschränkt. Aus diesem Grund rät Dr. Oliver Ludwig, der wissenschaftliche Leiter von „Kid-Check“, auch von Ranzen-Trolleys dringend ab. Sie entlasten zwar Schultern und Rücken, zwingen die Schüler aber durch das Nachziehen zu einer ständigen Fehlrotation. Wichtige motorische Aktivitäten wie Rennen, Balancieren oder Treppensteigen würden durch den Trolley zudem weitgehend unterbunden oder stark erschwert, so Ludwig. Aus orthopädischer Sicht seien Trolleys daher unsinnig - auch wenn wissenschaftliche Studien zu langfristigen Effekten der Trolley-Nutzung bislang fehlten. Ebenso wenig weiß man bislang zur Nutzung von Schulrucksäcken. Die Hersteller werben damit, dass sie die positiven, ergonomischen Trageeigenschaften von Bergsportrucksäcken auf Schulrucksäcke übertragen hätten.

Egal welche Ranzenform man letztlich wählt - immer sollten Innenfächer es erlauben, schwere Bücher möglichst körpernah unterzubringen. Verstellbare Gurte sorgen dafür, dass das Gewicht des Ranzens nah am Körper bleibt. Auf Cornelia Götz´ Checkliste für den Schulranzenkauf stehen zudem - neben etlichen weiteren Punkten - breite Tragegurte und ein gepolstertes Rückenteil, das oberhalb des Beckenkamms aufliegt. Auch wenn sich Ermüdungserscheinungen erst nach längerem Tragen zeigen, gibt es einen Test der einen schnellen Eindruck von der Eignung des Ranzens gibt: Das Kind sollte mit gepacktem Ranzen im Einbeinstand ein stabiles Gleichgewicht halten können.

C. Götz
Der passende Schulranzen
physiopraxis 2014; 12 (5); S. 32-34