Sparsame Schutzmaßnahme: Saubere Hände vermeiden Infektionen auf Intensivstationen

fzm – Um das Infektionsrisiko auf Intensivstationen zu verringern, bedarf es nur in Ausnahmefällen einer aufwändigen Luftfilterung. Auch eine Besucherschleuse am Eingang ist nicht unbedingt notwendig. Selbst die besonderen Kittel des Personals verhindern die Übertragung von Klinikkeimen nur bedingt. Die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor nosokomialen Infektionen, wie Ärzte die Übertragung ansteckender Krankheiten in der Klinik nennen, ist die regelmäßige Desinfektion der Hände, erläutert ein Experte in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009).

Insgesamt 150 000 Euro spart das Uniklinikum Aachen im Jahr durch den Verzicht auf unnötige Schutzkleidung auf Intensivstationen, berichtet Professor Sebastian Lemmen, Leiter des dortigen Zentralbereichs für Krankenhaushygiene und Infektiologie. Spezielle Schutzkittel tragen Ärzte und Pflegekräfte dort nur bei Tätigkeiten, bei denen eine bakterielle Verunreinigung der Kleidung zu erwarten ist. Pflicht sind sie auch beim Betreten von Isolierzimmern. In diesen werden stark infektionsgefährdete Patienten untergebracht sowie solche, die sich bereits mit gefährlichen sogenannten multiresistenten Erregern angesteckt haben, gegen die viele Antibiotika wirkungslos sind.

Auf den routinemäßigen Wechsel der Schutzkleidung beim Betreten und beim Verlassen der Intensivstation wird ansonsten verzichtet. Es ist aus Sicht des Infektiologen Professor Lemmen auch nicht erforderlich, dass die Intensivstation durch einen Schleusenbereich vom restlichen Krankenhaus getrennt wird. Und kostspielige Anlagen zur Raumluftfilterung seien nur in Einzelzimmern erforderlich, in denen extrem immungeschwächte Patienten, etwa nach Knochenmarktransplantationen, untergebracht werden.

Die wichtigste Hygienemaßnahme ist aus Sicht des Hygieneexperten die Händedesinfektion. Denn die meisten Erreger werden über die Hände des Personals von einem Patienten auf den nächsten weiter gereicht. Eine Desinfektion ist auf Intensivstationen vor und nach jedem Patientenkontakt notwendig, fordert der Autor. Insbesondere beim Verbandwechsel, bei Tätigkeiten an den Beatmungsgeräten, beim Legen und Wechsel von Infusionen und beim Spritzen von Medikamenten ist laut Professor Lemmen extreme Vorsicht und damit auch eine Händedesinfektion vorher und nachher notwendig. Ebenso nach dem Kontakt mit Blut, Eiter, Urin oder Stuhl, die leicht Krankheitserreger übertragen können.

Leider werde die Händedesinfektion nicht immer eingehalten, beklagt der Infektiologe: Studien zeigen, dass nur 20 bis 50 Prozent des Personals die Regeln strikt beachten. Der Hygieneexperte rät deshalb den Kliniken, die Händedesinfektion zu überprüfen. Dies sei beispielsweise durch die Analyse des Verbrauchs an Desinfektionsmittel möglich. Auch die im letzten Jahr von der Bundesregierung gestartete "Aktion saubere Hände" sei sinnvoll.

Außerdem empfiehlt der Experte die Teilnahme am Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS). Die 1998 eingeführte Datenbank ermöglicht es den beteiligten Intensivstation sich mit anderen Stationen zu vergleichen und Schwachstellen zu ermitteln. Professor Lemmen: Seit Einführung von KISS konnte die Rate der wichtigsten Krankenhausinfektionen auf Intensivstationen um über 30 Prozent gesenkt werden.

S. Lemmen:
Hygienemaßnahmen auf der Intensivstation.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (41): S. 2064-2068

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