Schwarzer Hautkrebs im Nagel oft übersehen

Stuttgart, Juli 2010 – Das maligne Melanom, der bösartige schwarze Hautkrebs, kann sich auch unter einem Finger- oder Fußnagel entwickeln. Obwohl meist gut sichtbar, wird er häufig zu spät erkannt, warnen zwei Expertinnen in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010).

In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 15 800 Menschen an einem malignen Melanom. Bis zu 3,5 Prozent der bösartigen Geschwülste befinden sich unter einem Nagel. Am häufigsten sind Daumen oder Großzehe betroffen, berichten Katharina Gauwerky und Professor Carola Berking, Dermatologinnen an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Trotz des auffälligen Orts wird der Tumor oft mit harmlosen Erkrankungen wie einem Bluterguss, einer Pilzerkrankung oder einer äußerlichen Verfärbung verwechselt. Selbst Hautärzte, die Melanome an anderen Hautstellen sicher diagnostizieren, irren sich den Erfahrungen von Professor Berking zufolge beim Nagelmelanom immer wieder.

Wenn das Melanom rechtzeitig entdeckt wird, sind die Heilungschancen gut. Im Anfangsstadium muss „nur“ das vordere Finger- oder Zehenglied entfernt werden. Aber bereits ab einer Tumorgröße von einem Millimeter – was nicht gleichbedeutend mit dem Ausmaß der Nagelveränderung ist – können Lymphknoten befallen sein. Dann sinken die Überlebenschancen. Professor Berking: Da der Krebs häufig zu spät entdeckt wird, betragen die 5-Jahres-Überlebensraten derzeit nur 40 bis 59 Prozent.

Für die Diagnose haben Dermatologen eine ABCDEF-Regel aufgestellt. “A” steht für das fünfte bis siebte Lebensjahrzehnt und für Afro-Amerikaner und Asiaten. Bei dunkelhäutigen Menschen, die ansonsten seltener an einem Melanom erkranken, ist laut Professor Berking jedes neunte Melanom unter dem Nagel lokalisiert. “B” bedeutet Band und Breite. Die Verfärbungen des Nagels sind beim Melanom streifenförmig und in der Regel breiter als drei Millimeter. “C” signalisiert “change”, sprich die Veränderung von Größe, Färbung und Form des Nagels, zu der es infolge des Krebswachstums kommt. “D” bezeichnet die Lage an einem “Digitus”, der medizinischen Bezeichnung für Zeh oder Finger. “E” oder Extension beschreibt die Neigung des Melanoms, über die Grenze des Nagels hinaus zu wachsen. Professor Berking: Nagelfalz und Nagelumgebung sind dann ebenfalls dunkel verfärbt. “F” weist auf ein häufiges Auftreten in der Familie hin. Im Gegensatz zu anderen Hautkrebsen spielen Sonnenstrahlen als Auslöser beim Nagelmelanom keine wesentliche Rolle, berichtet die Expertin: Der Fingernagel hat nur eine geringe Durchlässigkeit für das krebsauslösende UV-Licht.

K. J. Gauwerky, C. Berking:
Das maligne Melanom des Nagelorgans.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2010; 135 (28/29): S. 1431-1434

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