Eine Faustregel für Sonnenanbeter

Stuttgart, Februar 2009 – Wir spüren die Wärme der Sonne auf der Haut, und ihr Licht lässt uns manchmal die Augen zusammenkneifen. Den ultravioletten Anteil ihrer Strahlen aber können wir nicht wahrnehmen. "Über ein solches Sinnesorgan verfügt der Mensch leider nicht", sagt der Berliner Dermatologe Professor Hans Meffert. Dabei wäre es durchaus sinnvoll, die UV-Menge, der wir ausgesetzt sind, einschätzen zu können. Denn sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig an ultravioletter Strahlung schadet. In der Fachzeitschrift "Aktuelle Dermatologie" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) stellt Meffert nun ein einfaches Verfahren vor, mit dem die UV-Intensität an jedem Ort der Erde schnell und ohne technische Hilfsmittel abgeschätzt werden kann. Alles, was dazu erforderlich ist, ist ein Vergleich der eigenen Körperlänge mit der Länge des eigenen Schattens.

Das von Meffert entwickelte Verfahren basiert wesentlich auf Messungen des Physikers L. Holloway, der den Zusammenhang zwischen UV-Stärke und Rötungsneigung einerseits und dem Sonnenwinkel andererseits untersuchte. Demnach haben Menschen mit dem in Nordeuropa weit verbreiteten, hellen Hauttyp II bei einem Sonnenhöhenwinkel von weniger als 45 Grad erst nach rund einer Stunde einen Sonnenbrand zu befürchten. Steht die Sonne dagegen höher am Himmel, ist schon früher mit einer Rötung zu rechnen. Dann muss vermehrt auf schützende Kleidung, auf UV-Schutz durch Sonnencreme oder auf einen Aufenthalt im Schatten geachtet werden.

Wie hoch die Sonne am Himmel steht, lässt sich am einfachsten abschätzen, indem man einen Blick auf den eigenen Schatten wirft: Entspricht seine Länge genau der Körperlänge, so beträgt der Sonnenhöhenwinkel 45 Grad. Der UV-Index, der auf einer Skala von null bis zehn die Strahlungsintensität der Sonne angibt, liegt dann bei knapp vier. Ist der Schatten um rund ein Drittel länger als die Körperlänge, sinkt der UV-Index bereits unter drei – und liegt damit in einem selbst für hellhäutige Menschen unbedenklichen Bereich. "Dieser Wert wird in Deutschland von Anfang Oktober bis Mitte März selbst in den Mittagsstunden nicht erreicht", betont Hans Meffert.

Der Vorteil der Schattenregel ist, dass der Zusammenhang zwischen der Schattenlänge und der UV-Intensität von Jahres- und Tageszeiten, aber auch vom geografischen Standort nahezu völlig unabhängig ist. Auch die gefürchtete Tropensonne brennt natürlich nicht stärker - sie steht nur ganzjährig so hoch am Himmel, dass mittags bei klarem Himmel stets UV-Indizes von sieben bis zehn erreicht werden. "Von 11.00 bis 15.00 Uhr sollte man sich in diesen Bereichen daher unbedingt im Haus aufhalten", so der Dermatologe. Aber auch in den Tropen gilt: wenn gegen Abend die Schatten länger werden, verliert die Sonne ihren Schrecken.

H. Meffert et al.:
Ein einfaches Verfahren zum Abschätzen des UV-Index.
Aktuelle Dermatologie 2009; 35 (1/2):
S. 25 - 28

Call to Action Icon
FZMedNews Bestellen Sie hier!