Studie bescheinigt deutschen Krankenhäusern verbesserte Behandlungsqualität

fzm, Stuttgart, Februar 2014 – Auch wenn Krankenhäuser wegen Behandlungsfehlern immer wieder in die Kritik geraten und nach der Einführung pauschalierter Entgelte Einbrüche in der Patientensicherheit befürchtet wurden: Die Qualität der stationären Versorgung in Deutschland hat sich in den letzten Jahren insgesamt verbessert. Zu diesem Ergebnis gelangt jetzt eine Studie in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2014).

Seit 2003 werden Krankenhäuser nicht mehr nach den Liegezeiten der Patienten bezahlt. Grundlage der Vergütung sind jetzt diagnosebezogene Fallgruppen, auch Diagnosis Related Groups (DRG) genannt. Krankenhäuser sollten damit zum sparsamen Wirtschaften motiviert werden. Um etwaige Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen, wurde eine externe vergleichende Qualitätssicherung (EQS) eingeführt. Deren Daten hat Professor Jürgen Stausberg vom Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie (IBE) an der Ludwig-Maximilians-Universität München jetzt ausgewertet. Grundlage waren sogenannte „Kennzahlen“ zu den Behandlungsergebnissen, die die Krankenhäuser einmal im Jahr an die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) melden müssen. Sie umfassen den gesamten Ablauf der Behandlung von der Diagnose über die Therapie bis zu deren Ergebnissen.

Professor Stausberg ließ insgesamt 204 Kennzahlen aus 19 Leistungsbereichen von sechs ärztlichen Fachgruppen in seine Untersuchung einfließen und verglich dabei die Entwicklung in den Jahren 2004 bis 2008. Der Experte kommt insgesamt zu einem positiven Ergebnis: Bei 102 Kennzahlen habe es einen Trend zu einer Qualitätsverbesserung in deutschen Kliniken gegeben. Einen Trend zu einer Verschlechterung konnte Professor Stausberg nur bei 18 Kennzahlen erkennen. Sie war nur in einem Fall statistisch auffällig: In den Jahren 2004 bis 2006 war es zu einem Anstieg der Sterblichkeit von Patienten nach Bypass-Operationen gekommen. Dieser Trend war auch der BQS nicht verborgen geblieben. Die Fachgruppe Herzchirurgie war damals zu der Einschätzung gelangt, dass die Veränderungen Ausdruck einer Risikoerhöhung waren: Die Chirurgen hatten in den betroffenen Jahren insgesamt kränkere Patienten operiert als in den Jahren zuvor. Der negative Trend habe sich nach 2006 jedoch nicht weiter fortgesetzt, berichtet Professor Stausberg jetzt. In anderen Bereichen hat sich nach Einschätzung des Experten die Qualität der stationären Versorgung in den Jahren 2004 bis 2008 deutlich verbessert. Hinweise auf negative Folgen der DRG-Einführung für die Qualität der stationären Versorgung konnte der Experte nicht finden.

Die Ergebnisse stehen im Widerspruch zu einer Umfrage, die das Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen in Hannover unter Mitarbeitern niedersächsischer Krankenhäuser im Zeitraum von Ende 2007 bis Anfang 2009 durchgeführt hat: Dort hatten 37 Prozent der Mitarbeiter im Pflegedienst und 49 Prozent der Mitarbeiter im Ärztlichen Dienst die Meinung vertreten, dass sich die Patientenversorgung seit Einführung des DRG verschlechtert habe. Unter den zuweisenden Ärzten waren sogar 70 Prozent unzufrieden. Professor Stausberg vermutet, dass es sich um eine Überleitungsproblematik handelt, die mit der Zeit überwunden werde, wenn sich Ärzte und Pflegende in dem neuen System zurechtgefunden haben.

J. Stausberg und K. Berghof:
Qualität der stationären Versorgung in Deutschland. Eine Analyse der Entwicklung zwischen 2004 und 2008 aus Daten der externen vergleichenden Qualitätssicherung
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2014; 139 (5); S.181–186