• Schüler im Klassenzimmer © Thieme Gruppe/ Stefan Oldenburg

    Die Zahl der jungen Menschen in den Therapieberufen sinkt. © Thieme Gruppe/ Stefan Oldenburg

     

Umfrage: Immer mehr Therapeuten kehren ihrem Beruf den Rücken zu

fzm, Stuttgart, Mai 2018 – Laut einer Umfrage steigen immer mehr Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden aus ihrem Beruf aus oder tragen sich mit dem Gedanken, es zu tun. Vor dem Hintergrund, dass schon heute viele Stellen unbesetzt sind und der Anteil der jungen Therapeuten sinkt, sind die Ergebnisse alarmierend, die aktuell in der Fachzeitschrift „ergopraxis“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2018) zu lesen sind.

 

Thomas Berger und Lea Zanner studieren beide an der Hochschule Fresenius in Idstein im Masterstudiengang Therapiewissenschaften. Gemeinsam mit der Leiterin des Studiengangs, Dr. phil. Sabine Hammer, und weiteren Studierenden initiierten sie die Umfrage unter Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden. Neben 28 persönlichen Interviews lieferte ihnen eine Online-Befragung mit insgesamt 984 Teilnehmern die nachfolgenden Ergebnisse.

Über alle Therapieberufe hinweg haben bereits 24 Prozent der Befragten ihren Beruf an den Nagel gehängt. 47 Prozent der Verbliebenen denken über einen Ausstieg nach. Diejenigen, die ihren Beruf aufgegeben haben, lassen sich in drei Gruppen unterteilen: 13 Prozent von ihnen bieten ihre Leistungen außerhalb der gesetzlichen Krankenkassen an. Das heißt, sie behandeln ausschließlich Privatpatienten oder arbeiten im Ausland. 21 Prozent gehen fachfremden Berufen nach und 66 Prozent zieht es in die Forschung und Lehre.

Elf Prozent der Befragten begründen ihre Berufsflucht damit, mit den Arbeitsinhalten unzufrieden zu sein. So lässt die zunehmende Bürokratisierung vor allem bei Therapeuten im Klinikbereich die Freude an ihrer Tätigkeit schwinden. 19 Prozent bemängeln fehlende Aufstiegs- und Entwicklungschancen. 32 Prozent gaben finanzielle Gründe für den Jobwechsel an. Auch diejenigen, die einen Ausstieg in Erwägung ziehen, tun dies vor allem aus finanziellen Gründen (62 Prozent).

„Die Studie kann nur Hinweise liefern, wie hoch die tatsächlichen Abwanderungszahlen sind“, erklären die Autoren. Die Ergebnisse zeigten jedoch deutlich, dass eine große Unzufriedenheit unter den Therapeuten herrscht. „Die Kombination aus geringer Bezahlung, schwacher Lobby und fehlender Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten ist für eine große Zahl der Berufsangehörigen auf Dauer nicht mehr tragbar“, so ihr Fazit.

T. Berger, L. Zanner, S Hammer:
Befragung zur Abwanderung aus den Therapieberufen – Alarmierende Ergebnisse
ergopraxis 2018; 11 (4); S. 12–13

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