Thieme verleiht Thieme IUPAC-Preis an Professor Martin D. Burke für die effiziente Synthese niedermolekularer Verbindungen als „Molekulare Prothesen“

Stuttgart, Juli 2014 – Die Thieme Verlagsgruppe und die International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC) verleihen den diesjährigen Thieme IUPAC-Preis an Professor Martin D. Burke. Der Chemiker und Mediziner der Universität von Illinois, USA, erhält die Auszeichnung für seine Forschung, die sich auf die Synthese niedermolekularer Verbindungen konzentriert. Diese könnten proteinähnliche Funktionen übernehmen und wären so in der Lage, fehlende oder funktionsgestörte Proteine zu ersetzen, die Ursache verschiedener Krankheiten sind. Der Thieme IUPAC-Preis gehört zu den wichtigsten Preisen für Nachwuchsforscher und -forscherinnen in der organischen Chemie.

Mit seiner Forschungsarbeit hat Professor Burke die Synthese niedermolekularer Verbindungen, die die Rolle komplexer Proteine im menschlichen Organismus übernehmen können, vereinfacht. Diese „Molekularen Prothesen“ könnten zum Beispiel die medikamentöse Behandlung von Erkrankungen wie Migräne, Epilepsie oder Mukoviszidose unterstützen, bei denen Ionenkanalproteine funktionsgestört sind.

Martin D. Burke und sein Team haben zunächst Pionierarbeit bei der Kreuzkupplung von MIDA-Boronaten, einem Analogon der Boronsäure, geleistet. Dadurch wird die Synthese komplexer niedermolekularer Verbindungen einfacher, effizienter und vielfältiger einsetzbar. Mehr als 150 MIDA-Boronat-Bausteine sind so entstanden, die von pharmazeutischen Unternehmen und Forschergruppen auf der ganzen Welt genutzt werden. Das Team rund um Professor Burke hat kürzlich ein Gerät entwickelt, um niedermolekulare Verbindungen aus MIDA-Boronaten automatisiert herzustellen. Das Ziel ist es, die Entwicklung neuer Medikamente zu beschleunigen.

Der Verlagsleiter von Thieme Chemistry, Guido F. Herrmann, wird den mit 5.000 Euro dotierten Thieme IUPAC-Preis am 1. Juli 2014 im Rahmen der 20. Internationalen Konferenz der organischen Synthesechemie (ICOS-19) in Budapest, Ungarn, zusammen mit Vertretern der IUPAC an Martin D. Burke übergeben. Der Preis dient der Nachwuchsförderung in der Chemie und wird alle zwei Jahre an einen Synthese-Chemiker unter 40 Jahren verliehen. Die Auswahl der Kandidaten und des jeweiligen Gewinners trifft eine unabhängige Jury.

Nach seinem Abschluss in Chemie an der John Hopkins Universität wechselte Martin Burke 1998 als Howard Hughes Medical Institutes Graduate Fellow an die Harvard Universität, wo er unter Professor Stuart Schreiber 2003 in organischer Synthese promovierte. 2005 erwarb er außerdem als National Institutes of Health Fellow den Doktor der Medizin an der Harvard Medical School. Im gleichen Jahr wurde er Assistenz¬professor im Fachbereich Chemie an der Universität von Illinois in Urbana-Champaign. Inzwischen ist er Lehrstuhlinhaber am Howard Hughes Medical Institute , wo sich seit 2009 auch sein Labor befindet. Er wurde neben vielen weiteren Auszeichnungen vom Technology Review als "one of the world's 35 top innovators under age 35" geehrt.

Preisverleihung:
Termin: Dienstag, 1. Juli 2014
Ort: 20. Internationale Konferenz der organischen Synthesechemie (ICOS-20), Budapest, Ungarn