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    Laut WHO leiden etwa 30 Prozent aller Frauen nach den Wechseljahren unter Osteoporose. Die Mikroarchitektur des Knochengewebes verändert sich infolge der Hormonumstellung; der Knochen wird insgesamt brüchiger. © adimas/stock.adobe.com

     

Knochenstabilität nach den Wechseljahren: Welcher Sport hilft am besten gegen Osteoporose?

Stuttgart, März 2021 – Mit Sport können Frauen nach den Wechseljahren einem Mineralverlust im Knochen entgegenwirken. Doch welche Sportarten sind am ehesten geeignet, um einer Osteoporose vorzubeugen? Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe um Professor Dr. Wolfgang Kemmler von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat vorliegende Studien in einer systematischen Übersicht und Meta-Analyse zusammengefasst. Der Beitrag ist 2020 in der Fachzeitschrift „Osteologie“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) erschienen und wurde vom Editor-in-Chief Professor Dr. med. Franz Jakob und Co-Editors zur besten Arbeit des vergangenen Jahres gewählt. Die Autoren wurden kürzlich im Rahmen des virtuellen Fachkongresses OSTEOLOGIE 2021 mit dem Thieme Osteologie Preis ausgezeichnet.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden etwa 30 Prozent aller Frauen nach den Wechseljahren unter Osteoporose. Infolge der Hormonumstellung kommt es zu einem Östrogenmangel und der Mineralgehalt der Knochen sinkt. Die Mikroarchitektur des Knochengewebes verändert sich; der Knochen wird insgesamt brüchiger. Körperliches Training stellt eine wichtige vorbeugende Maßnahme dar, weil es den Stoffwechsel im Knochen anregt. Außerdem hilft körperliche Fitness, Stürze im Alter und damit verbundene Verletzungen zu vermeiden.

Die Antwort auf die Frage, welches Training sich am besten eignet, ist unter Expertinnen und Experten jedoch umstritten. Das jetzt mit dem Thieme Osteologie Preis ausgezeichnete Autorenteam hat Studien gesichtet, die sich mit dem optimalen Trainingsplan für Frauen nach den Wechseljahren befasst hatten. Insgesamt 75 wissenschaftliche Arbeiten, die bis März 2019 erschienen sind, sind in ihre prämierte Übersichtsarbeit eingeflossen.

Die meisten der Studien befassten sich mit einer sogenannten „gewichtstragenden aeroben“ Belastung. Gemeint sind damit vor allem Walken und Joggen. Beide Sportarten tragen dazu bei, die körperliche Ausdauer zu trainieren. Durch die aufrechte Haltung werden gleichzeitig die Knochen belastet. Ein anderes bereits gut untersuchtes Bewegungskonzept ist das „dynamische Krafttraining“. Hierbei sollen vor allem die Muskeln gestärkt werden, die die Knochen stützen und die Gelenke bewegen. Sprünge, High-Impact Aerobic oder Hüpfen haben den positiven Effekt, den Knochenstoffwechsel durch regelmäßige Erschütterungen anzuregen. Alle drei Konzepte wurden in wissenschaftlichen Arbeiten sowohl für sich als auch in Kombination untersucht. Eine weitere bereits erforschte Alternative ist Tai Chi. Die langsamen, meditativen Bewegungen des „Schattenboxens“ verbessern vor allem den Gleichgewichtssinn. Dadurch lassen sich Stürze und damit Knochenbrüche im Alter verhindern.

„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich alle Bewegungskonzepte, die in den Studien untersucht wurden, positiv auf die Knochendichte ausgewirkt haben“, erklären Erstautorin Mahdieh Shojaa und ihre Kollegen. So dokumentierten die Arbeiten insgesamt eine Zunahme der Knochendichte in der Lendenwirbelsäule und im Oberschenkelhals, die am stärksten durch Knochenbrüche gefährdet sind. Die Preisträger geben die Effektstärke, wie in Meta-Analysen üblich, als standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD) an. Der Gesamteffekt lag für die Lendenwirbelsäule bei 0,37 SMD und für den Oberschenkelhals bei 0,33 SMD, was einem mittleren Nutzen entspricht. Am besten für die Wirbelsäule geeignet scheint eine Kombination aus Ausdauer- und Kraftsport mit einem (leichten) Sprung-Training zu sein (SMD 0,71). Der Oberschenkelhals profitierte am ehesten von einem reinen Krafttraining (SMD 0,68). Doch auch jede Trainingsart für sich hatte einen positiven Effekt, Tai Chi eingeschlossen. Für Frauen nach den Wechseljahren bedeutet dies, dass grundsätzlich jeglicher Sport – mit Ausnahme exzessiver Ausdauerbeanspruchung – dem Knochenabbau entgegenwirken kann.

„Die Arbeit der Arbeitsgruppe um Professor Wolfgang Kemmler leistet einen wichtigen evidenzbasierten Beitrag zur nicht-medikamentösen Behandlung und möglichen Prävention von Osteoporose. Mit Blick auf die anstehende Einführung eines Disease-Management-Programms zeigen die Ergebnisse den Stellenwert von Bewegungskonzepten im Rahmen einer umfassenden Therapie“, begründet die Jury ihre Entscheidung.

Die Preisträger

Die Auszeichnung wird zu gleichen Teilen an die Erstautorin und ihre Co-Autoren vergeben. Humanbiologin Mahdieh Shojaa, die Sportwissenschaftler PD Dr. Simon von Stengel und Professor Dr. Wolfgang Kemmler sind am Institut für Medizinische Physik und Mikrogewebetechnik der FAU tätig. Ebenso Dr. Daniel Schoene, der darüber hinaus an der Abteilung für Geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart arbeitet. Mathematiker Professor Dr. rer. nat. Matthias Kohl wiederum forscht an der Fakultät Medical and Life Sciences, Institute of Precision Medicine, an der Hochschule Furtwangen.

Ausgezeichnete Arbeit

M. Shojaa, S. von Stengel, D. Schoene, M. Kohl, W. Kemmler:
Effekte verschiedener Trainingsformen auf den Knochenmineralgehalt postmenopausaler Frauen: Eine systematische Übersicht und Meta-Analyse
Osteologie 2020; 29 (3); S. 179–193

Die Auszeichnung

Der Thieme Preis Osteologie wird für den besten Beitrag des Vorjahres in der Fachzeitschrift „Osteologie“ vergeben. Ziel der mit 1000 Euro dotierten Auszeichnung ist es, die wissenschaftliche Forschung und den osteologischen Austausch zu würdigen und zu fördern. Als Organ des Dachverbandes Osteologie (DVO), der Deutschen Gesellschaft für Osteologie (DGO) und der Orthopädischen Gesellschaft für Osteologie (OGO) ist die „Osteologie“ eine wichtige medizinische Plattform für den Fachbereich Osteologie.

 
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