• Porträt Dr. Gunther Hempel © Dr. Katarina Werneburg/Universität Leipzig

    Dr. Gunther Hempel ist Facharzt für Anästhesiologie und als Lehrbeauftragter an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Leipziger Universitätsklinikum tätig. © Dr. Katarina Werneburg/Universität Leipzig

     

Thieme Teaching Award 2020 für Leipziger Mediziner

Stuttgart/Leipzig – Im Laufe ihrer Ausbildung erlernen Mediziner eine Reihe praktischer Fähigkeiten, die sie zunächst an Simulatoren üben. Dazu gehört auch die Intubation. Das richtige Einführen des Schlauches in die Luftröhre eines Patienten verlangt Übung – um Verletzungen zu vermeiden und die Beatmung des Betroffenen sicherzustellen. Medizintechnikunternehmen bieten Geräte an, die den Anwendern eine sehr genaue Rückmeldung dazu geben, was sie gerade tun. Eine Studie zeigt jedoch, dass Studierende, die erstmals per Simulator intubieren, mit einem detaillierten maschinellen Feedback überfordert sind. Außerdem verbessert es nicht den Lernerfolg. Dr. med. Gunther Hempel hat die Studie durchgeführt. Er ist Facharzt für Anästhesiologie und Lehrbeauftragter an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Leipziger Universitätsklinikum. Für seine Arbeit erhält er den diesjährigen Thieme Teaching Award. Die Thieme Gruppe stiftet die mit insgesamt 2500 Euro dotierte Auszeichnung bereits zum 16. Mal. Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) würdigt das Stuttgarter Unternehmen besondere Arbeiten auf dem Gebiet der Lehre, Fort- und Weiterbildung in Anästhesiologie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin.

Für die Untersuchung wurden knapp 300 Medizinstudierende des vierten Studienjahres in zwei Gruppen eingeteilt. Beide nutzten den gleichen High-Fidelty-Simulator für ihre Übungen und erhielten Unterstützung durch einen Ausbilder. Die Interventionsgruppe erhielt überdies zusätzliches visuelles Feedback über die Monitoranzeige des Simulators. "Um den Lernerfolg der Studierenden zu bewerten und zu vergleichen, haben wir bestimmte Messwerte des Simulators ausgewertet", erklärt Hempel. Dazu gehörte der Druck auf die vordere Zahnreihe des Simulationskopfes, der korrekte Druckpunkt des Laryngoskopspatels sowie die richtige Tiefe für die Fixierung des Tubus. Die entsprechenden Ergebnisse wurden beim ersten Training, im Rahmen einer Prüfung sowie 20 Wochen nach dem ersten Intubationsversuch gemessen. Zudem wurden die Studierenden wiederholt zu ihrer erlebten kognitiven Belastung befragt.

"Unsere Auswertung zeigt, dass die Medizinstudierenden, die ohne zusätzliches maschinelles Feedback lernten, am Endpunkt der Untersuchung das Ansetzen des Laryngoskopspatels besser beherrschten als ihre Kommilitonen. Gleichzeitig zeigten die Teilnehmer, die der komplexeren Simulationssituation ausgesetzt waren, höhere Belastungswerte", fasst der Lehrbeauftragte die Ergebnisse zusammen. "Für uns stellt sich daher die Frage, ob ein einfacher Simulator für das Erlernen der Kernkompetenzen im vierten Studienjahr nicht besser geeignet ist als ein High-Fidelity-Simulator. Die zusätzlichen Informationen haben keinen Mehrwert für die Studierenden. Vielmehr zeigen sie sich überfordert, und das Erlernen der praktischen Fähigkeiten wird eher behindert als gefördert", so Hempel weiter. Zu einem späteren Zeitpunkt, etwa in der Weiterbildung, könne die detaillierte Rückmeldung des Geräts helfen, die bereits erlernten Fähigkeiten zu vertiefen.

"Die vorgelegte prospektive Studie 'Impact of Quantitative Feedback via High-FidelityAirway Management Training on Success Rate in Endotracheal Intubation in Undergraduate Medical Students–A Prospective Single-Center Study' hat bei einer simulierten Intubation den möglichen Lernerfolg für Studierende über unterschiedliche Rückkopplungen wissenschaftlich originell und methodisch sehr gut aufgearbeitet. Studierenden und Lehrenden werden damit weitere Hilfestellungen zu einer bestmöglichen Lehrmethode in der Durchführung der endotrachealen Intubation gegeben", erklärt der Vorsitzende der Jury und Präsident der Deutschen Akademie für Anästhesiologische Fortbildung (DAAF), Professor Dr. Hartmut Bürkle die Entscheidung.

G. Hempel et al.:
Impact of Quantitative Feedback via High-FidelityAirway Management Training on Success Rate in Endotracheal Intubation in Undergraduate Medical Students
A Prospective Single-Center Study
Journal of Cinical Medicine 2019; 8 (9)


https://doi.org/10.3390/jcm8091465

Über den Preis

Um den Thieme Teaching Award bewerben sich jedes Jahr Mitglieder der DGAI mit Arbeiten aus dem Gebiet der Lehre, Fort- und Weiterbildung in Anästhesiologie, Intensiv-, Notfall- und Schmerztherapie. Die Thieme Gruppe stiftet den Preis bereits zum 16. Mal.

 

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