Thieme Teaching Award für neuen Anästhesie-Workshop: Studenten und Ärzte lernen voneinander

Stuttgart, Mai 2009 – Fast ein Drittel der Krankenhäuser in Deutschland gibt an, offene Stellen im ärztlichen Dienst nicht besetzen zu können. Um Ärzte für Krankenhäuser zu gewinnen, verknüpft ein neuer Anästhesie-Workshop jetzt ärztliche Fortbildung mit studentischer Ausbildung. Laut Befragung unter teilnehmenden Studierenden gewinnt die klinische Tätigkeit mit derartigen Ausbildungsprojekten an Attraktivität. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) zeichnet dieses neuartige Projekt heute im Rahmen des Deutschen Anästhesiecongresses (DAC) in Leipzig mit dem Thieme Teaching Award aus. Die mit 5 000 Euro dotierte Auszeichnung stiftet die Thieme Verlagsgruppe, Stuttgart.

Mit Hilfe der Regionalanästhesie blockieren Ärzte vor einer Operation bestimmte Nerven, um etwa einen gebrochenen Arm oder ein Bein zu betäuben. Damit der Anästhesist das Betäubungsmittel am richtigen Ort verabreicht und keine Schäden verursacht, sind genaue anatomische Kenntnisse wichtig. Diese vermittelt das vorklinische Medizinstudium. „Studierende verfügen daher häufig über ein detaillierteres anatomisches Wissen als ausgebildete Ärzte. Letztere haben dafür wichtige praktische Erfahrung, die Studierenden noch fehlt“, so Preisträgerin Dr. med. Simone Liebl-Biereige, Oberärztin am HELIOS Klinikum Erfurt.

Darauf aufbauend entstand in enger Zusammenarbeit mit Dr. med. Rosemarie Fröber, Oberärztin der Anatomie, Privatdozent Dr. med. Winfried Meißner, Leiter der Schmerzambulanz, beide Universitätsklinikum Jena, und Dr. med. Martina Lange, Chefärztin am Waldkrankenhaus „Rudolf Elle“ in Eisenberg, der „Workshop für Regionalanästhesie zur gemeinsamen Ausbildung von Ärzten in Weiterbildung und Studenten der Humanmedizin“. Im ersten Teil des Kurses bewerten Studierende unter Anleitung von Spezialisten die verschiedenen, im klinischen Alltag praktizierten anästhesistischen Zugangswege durch Farbstoffinjektion. Anschließend legen sie die Nerven an Leichnamen von Körperspendern frei. Den ärztlichen Teilnehmern des Workshops zeigen Sie dabei, welche Gefäße und Strukturen an die zu blockierenden Nerven angrenzen. Im zweiten Teil des Kurses führen die Studenten unter Anleitung der Ärzte eine Nervenblockade am Patienten durch. „In diesem Workshop lernen Ärzte von Studenten und umgekehrt“, erklärt Liebl-Biereige. Die Nachfrage auf beiden Seiten ist sehr groß. Auch andere Kliniken planen Projekte für Spezialisten und Lernende zusammen mit der Anatomie, verrät Liebl-Biereige.

Die DGAI zeichnet das neuartige Ausbildungskonzept vor allem für seine Bedeutung und Nachhaltigkeit für die klinische Praxis aus. Entscheidend sind die Originalität der Arbeit und ihr methodischer Ansatz, so die Jury. Um den „Thieme-Teaching-Award“ bewerben sich Mitglieder der Fachgesellschaft mit Arbeiten auf dem Gebiet der Lehre, Fort- und Weiterbildung in Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin. Die Thieme Verlagsgruppe stiftet den Preis in diesem Jahr zum sechsten Mal.