• Flaschen und Zigaretten © Fotolia – monropic

    Die Lungenkrebsmortalität bei Männern nimmt ab. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Frauen, die infolge des Tabakkonsums sterben. © Fotolia – monropic

     

Tod durch Alkohol und Zigaretten: Regionale Unterschiede in Deutschland

fzm, Stuttgart, Juni 2016 – Zum Weltdrogentag am 26. Juni: Trotz der gesundheitlichen Folgen ist der Konsum von Zigaretten und Alkohol gesellschaftlich akzeptiert. Werbeverbote und Abgaberegulierungen sowie Präventionsprogramme tun an dieser Stelle Not. Eine aktuelle Analyse der Todesursachenstatistik in der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2016) zeigt regionale und geschlechtsspezifische Unterschiede auf, die bei der Entwicklung passender Aufklärungsmaßnehmen helfen könnten: So nimmt bei Männern die Lungenkrebsmortalität immer mehr ab, während sie für Frauen ansteigt. Vor allem in Westdeutschland und in den Städten sterben immer mehr Frauen durch Lungenkrebs. Lag der Alkoholkonsum Ende der 90er Jahre im Osten Deutschlands deutlich höher, besteht hier heute kaum noch ein Unterschied.

In Bremerhaven kommen auf 100.000 Männer pro Jahr im Durchschnitt etwa 36 Todesfälle durch Lungenkrebs, im Kreis Freising in Bayern sind es nur etwa zehn. Auch bei den Frauen nimmt die Stadt im nördlichen Elbe-Weser-Dreieck die Spitzenposition ein: Auf 100.000 Frauen kommen in Bremerhaven etwa 13 Lungenkrebstodesfälle. In Hildburghausen in Thüringen sind es nur etwas mehr als zwei. Die meisten Alkohol-Opfer gibt es in Stralsund in Vorpommern: Jährlich sterben dort rund 42 von 100.000 Männern und 13 von 100.000 Frauen unter akuter Alkoholeinwirkung oder an chronischen Leber- oder Herzschäden. Den Gegenpol bildet hier bei den Männern der Kreis Coesfeld in Nordrhein-Westfalen mit knapp vier Todesfällen und bei den Frauen der Kreis Rhön-Grabfeld in Bayern. Hier liegt die Todesfallrate unter eins.

Diese regionalen Unterschiede haben Verena Vogt und Mitarbeiter vom Fachgebiet Management im Gesundheitswesen der Technischen Universität Berlin und der Ludwig-Maximilians-Universität München ermittelt. Als Grundlage der Analyse diente den Wissenschaftlern die Todesursachenstatistik der Statistischen Ämter der Bundesländer aus den Jahren 2000 bis 2008. In urbanen Regionen gebe es deutlich mehr Raucher als auf dem Land. Und bei Frauen seien die Unterschiede deutlich ausgeprägter als bei Männern, erklären die Wissenschaftler. Insgesamt steigt bei Frauen die Zahl der Lungenkrebstodesfälle, während sie bei Männern sinkt.

Hinsichtlich des Alkoholkonsums konnten die Forscher folgende Entwicklung beobachten: Im Jahr 1998 wurde in Ostdeutschland wesentlich mehr getrunken als im Westen – der Pro-Kopf-Konsum von reinem Alkohol am Tag war um zwei Gramm höher. Dementsprechend gab es in Ostdeutschland auch mehr alkoholbedingte Todesfälle bei beiden Geschlechtern. Als Ursache für dieses Gefälle werden in der Literatur häufig die soziale Situation, wie zum Beispiel die hohe Arbeitslosigkeit und finanzielle Unsicherheit in den ostdeutschen Bundesländern sowie die Folgen der Trinkkultur der DDR aufgeführt. Zieht man neuere Daten heran, gibt es zwischen Frauen aus Ost- und Westdeutschland keinen nennenswerten Unterschied mehr. Bei Männern ist dieser Unterschied nur noch in den Altersgruppen der 40–69-Jährigen deutlich ausgeprägt. Und in den jüngeren Altersgruppen ist der Alkoholkonsum in den alten Bundesländern bereits höher als in den neuen Bundesländern.

Aber auch in Westdeutschland geht die Zahl der Todesfälle zurück – mit der Ausnahme einiger Kreise in Bayern. Dort ist es – allerdings von niedrigen Ausgangswerten ausgehend – zu einem Anstieg der alkoholbedingten Todesfälle bei Frauen gekommen. Die Gründe kann die Untersuchung nicht klären. Sie liefert nach Ansicht von Vogt jedoch wichtige Grundlagen für eine zielgruppenspezifische Prävention, um die Zahl der vermeidbaren Todesfälle durch Alkohol oder Zigaretten zu senken.

V. Vogt et al.: Mit Tabak- und Alkoholkonsum assoziierte Mortalität – Ein Benchmarking regionaler Trends und Niveaus, Das Gesundheitswesen 2016; 78 (6); S.378-386

 

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