Geschmeidige Faszien: Dehnen und vitalisieren mit Faszien-Yoga

Johanna Piglas ist als Yogaausbilderin, Teamleiterin und Expertin für Group Fitness mit dem Hauptschwerpunkt Yoga in und um München tätig.

Jeder Tag ist anders. Deswegen erleben wir auch Yoga jeden Tag neu. Ein wichtiger Gedanke im Yoga ist die Verbundenheit: Yoga ist alles und alles ist eins – Yin und Yang, Kraft und Meditation. Meine Co-Autorin Tasja Walther und ich fügen eine weitere Verbindung hinzu: „East meets west“. Im Faszien-Yoga verbinden wir die westliche Faszienforschung mit der östlichen Welt der Yogatradition, was uns zu einem neuen Verständnis der Körperwahrnehmung geführt hat. Wir dürfen jegliche Dogmen ablegen und einfach verspielt sein, Bewegungen zulassen und experimentieren.

So wie Yin und Yang ineinander verwoben sind, stehen alle unsere Körperteile in einem sinnlichen Zusammenspiel. Möglich wird dies durch das Fasziennetzwerk. Spinnt man den Gedanken weiter, haben wir nur eine Faszie, die sich durch den ganzen Körper zieht. Faszien, unser Bindegewebe, sind das „Organ“, das Bewegung auf den Körper überträgt und uns zu einem strukturellen Ganzen macht.

Geschmeidigkeit durch Yin-Yoga

Der führende Faszienforscher Dr. Robert Schleip erklärt sich die besondere Wirkung des Yoga so: Im Yoga gehören Körper, Geist und Seele zusammen. Das langsame, lang gehaltene und schmelzende Dehnen des Fasziengewebes beim Yoga wirkt physiologisch. Stress wird reduziert, da Blutdruck und Puls gesenkt werden. Das gedehnte Fasziengewebe sendet Signale, die zur Entspannung führen.
Yin-Yoga ist eine Form des Yoga, die ohne jegliche muskuläre Anspannung auskommt. Hier erleben die Übenden langkettige, schmelzende Dehnungen, die Verklebungen lösen und die Geschmeidigkeit wiederherstellen. Gerade wer sich steif und unbeweglich fühlt und zum Beispiel unter Rückenschmerzen leidet, wird diese Art von Faszientraining als wahre Wohltat empfinden. Das Gewebe wird schon nach einigen Übungsstunden weicher, und eine Regeneration der Faszie ist nach etwa sechs Monaten bis einem Jahr spürbar.

Faszienketten entlang der Meridiane

Im Yin-Yoga wird auch das Chi, die Lebensenergie aus der traditionellen chinesischen Medizin, in Fluss gebracht. Das Chi fließt entlang der Meridiane. Auch die Faszienforschung identifiziert Leitbahnen oder Spannungslinien im Fasziennetzwerk. Der Verlauf dieser Faszienketten stimmt zu rund 80 Prozent mit den Meridianen überein. So decken sich der Blasenmeridian und die Oberflächliche Rückenlinie weitgehend. Auch hier treffen beide Welten aufeinander. Bevor wir Faszien-Yoga praktizieren, sollten die Faszienketten bekannt sein und berücksichtigt werden. Nur so kann ein harmonisches Zusammenspiel entstehen sowie auf Defizite im Körper Einfluss genommen werden.

Stabilität im Power Yoga

Das Yang-orientierte Power-Yoga dagegen wirkt stabilisierend. Die Faszien werden gekräftigt und widerstandsfähig gemacht. Langsame und schnelle Bewegungen, mit und ohne elastische Federungen durchgeführt, geben Impulse. Die Faszienketten werden aufgespannt und profitieren von den fließenden Bewegungen. Durch Variationen klassischer Asanas werden die Faszien noch intensiver angesprochen.

Sthira Sukham Asanam – Stabil und leicht zugleich

Wir tragen etwa 18 bis 23 Kilogramm Faszien in unserem Körper. Eine clevere Bauweise macht eine hohe Funktionalität aus und verbindet alles miteinander. Gesunde Faszien sind fest und elastisch zugleich, biegsam wie Bambus und reißfest wie ein Zugseil aus Seide. So werden sie ganz unterschiedlichen Funktionen gerecht. Bewegungswissenschaftlich ausgedrückt erfolgt Faszientraining im Rahmen der Yoga-Praxis als myofasziale Stimulation bis in die Tiefenmuskulatur. Die Übungen intensivieren unsere Sensomotorik und schulen das Körperbewusstsein in Achtsamkeit und Wahrnehmung. Stabil und leicht zugleich das Faszien-Yoga in unseren Haltungen erleben. Sthira und Sukha ergänzen sich damit wie unser Yin und Yang.

Faszien-Yoga ist für alle Zielgruppen geeignet und lässt einen großen Spielraum für alle Bedürfnisse. Wichtige Asanas und ihre Varianten mit dem PLUS Faszientraining werden beschrieben und auf DVD gezeigt. Die Variationen sind unterschiedlich schwer durchzuführen und brauchen vereinzelt Hilfsmittel wie eine Faszienrolle. Wir zeigen, auf welche Faszienketten die einzelnen Asanas einwirken. Jede einzelne Asana wird so zum Erlebnis des eigenen inneren Universums.

Es gilt das gesprochene Wort.
München, 13. Oktober 2016

 

  • Im Faszien-Yoga verbinden wir die westliche Faszienforschung mit der östlichen Welt der Yogatradition, was uns zu einem neuen Verständnis der Körperwahrnehmung geführt hat.

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Dehnen, entspannen, vitalisieren: Mit Yin- und Power-Yoga

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