Welche Kinderbetreuung passt zu welcher Familie

Aylin Lenbet ist Psychologin und lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Berlin-Kreuzberg.

Des einen Freud ist des anderen Leid

Es gibt gute und schlechte Betreuungseinrichtungen – aber auch unter den guten gibt es solche, die den persönlichen Anforderungen mehr oder weniger gerecht werden.

Das eine Kind genießt es, mit anderen Kindern zusammen zu sein, das andere würde am liebsten die ganze Zeit auf dem Schoß eines Erwachsenen sitzen und betüttelt werden. Die einen Eltern sind froh, wenn sich das von ihnen erwartete Engagement darauf begrenzt, an den Elternabenden teilzunehmen, die anderen wollen die Kita mitgestalten und sind auch bereit, umfangreiche Elterndienste zu übernehmen. Einer Kita-Empfehlung sollte man also auf keinen Fall blind vertrauen!

Den Unterschied machen zum Beispiel:

  • die Philosophien und pädagogischen Konzepte der Einrichtungen
  • das erwartete Engagement der Eltern
  • die Größe und Ausstattung der Räumlichkeiten
  • organisatorische Abläufe und Gegebenheiten (z. B. Betreuungszeiten und der Betreuungsschlüssel)
  • das Essen
  • die Entfernung zum Wohnort
  • der Preis

Und nicht zu vergessen, das Kriterium mit dem wahrscheinlich höchsten Einfluss auf die Kita-Zufriedenheit der Eltern und der Kinder: die Persönlichkeiten, die in der Kita arbeiten.

Eltern müssen sich daher die Frage stellen: Was sind eigentlich unsere persönlichen Anforderung an eine Kita-Betreuung? Und vor allem: Welche Art von Betreuung braucht unser Kind, damit es sich außer Haus wohlfühlt?

Eine Kita, die etwas bringt

Neben den persönlichen Präferenzen und Bedürfnissen gibt es allerdings drei Grundvoraussetzungen, die die Kita der Wahl auf jeden Fall bieten sollte. Zumindest dann, wenn sie nicht nur der sicheren Aufbewahrung dienen, sondern das eigene Kind auch in seiner Entwicklung fördern soll:
Erzieher, die echte Kinderversteher sind

Egal, in welche Kita man sein Kind steckt – die Erzieher müssen gut sein. Das ist das A und O. Selbstverständlich ist auch der Betreuungsschlüssel wichtig. Wo kein Erzieher, da kein Halt und keine Orientierung. Doch was nützt eine Eins-zu-eins-Betreuung, wenn der Betreuende nicht einfühlsam ist? Wenn er nicht die Bedürfnisse des Kindes erkennt oder sie immer wieder falsch deutet. Ein kleines Kind braucht rund um die Uhr eine Bezugsperson in unmittelbarer Nähe, die es versteht und der es vertraut. Nur dann kann es sich entspannt seinem Spiel und somit seiner Entwicklung widmen. Viele Eltern unterschreiben allerdings den Betreuungsvertrag, ohne die zukünftigen Erzieher ihres Kindes persönlich kennengelernt zu haben.

Freiraum, der Entwicklung möglich macht

Die meisten Eltern suchen nach einer Kita, die möglichst viel bietet. Ein großes und ansprechendes Außengelände, lichtdurchflutete, großzügige Räume, schönes Spielzeug und ein reichhaltiges Beschäftigungs- und Lernangebote, wie zum Beispiel Musik, Turnen, Werken oder auch Yoga und Englisch.

Das alles kommt allerdings nur dann den Kindern zugute, wenn sie neben den angeleiteten Aktivitäten noch ausreichend Zeit zum freien Spiel finden und dabei das Raum- und Materialangebot frei nutzen können. Denn das freie Spiel, also das Spielen ohne Vorgaben und aus eigenem Antrieb, ist die wichtigste Lern- und Beschäftigungsform für Kita-Kinder. Im freien Spiel entwickeln sie ihre motorische Geschicklichkeit, erarbeiten sich ein Verständnis über physikalische Gesetzmäßigkeiten und bauen soziale und kognitive Kompetenzen auf. Stimmen die Rahmenbedingungen – ist also ausreichend Raum mit vielfältigem Spielmaterial vorhanden und gibt es empathische Erzieher, die die Kinder bei Bedarf unterstützen – lernen Kinder im freien Spiel all die Dinge, die Kinder in der Kita lernen sollten.

Auch zu viele Regeln im (Kita-)Alltag sind für die kindliche Entwicklung eher kontraproduktiv. Sie berauben die Kinder ihrer eigenen Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten und behindern das Nachdenken über das eigene Verhalten. Kinder sollten auch in der Kita erleben dürfen, dass es sich lohnt, sich einzumischen, und dass man durch Dialog gemeinsame Lösungen findet.

Zeit, um entspannt anzukommen

Damit sich eine stabile und tragfähige Beziehung zwischen Kind und Erzieher entwickeln kann, braucht es Zeit. Und es braucht die Eltern, die ihr Kind in den ersten Tagen oder auch Wochen in der Kita begleiten und damit Sicherheit geben. Spart man an der Zeit oder lässt die Eltern außen vor, überlässt man das Kind sich selbst und überfordert es in hohem Maße. Denn ohne Vertrauen in die Menschen und die Umwelt, die das Kind umgeben, fühlt es sich verlassen und ist hochgradig gestresst. Stress wiederum behindert die körperliche und geistige Entwicklung und macht unglücklich. Wie lange eine Eingewöhnung konkret dauert, ist wiederum typ- und altersabhängig.

Es gilt das gesprochene Wort.
Berlin, 7. Juli 2015

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