Studie: Übergewicht kann schon im Kindergarten vorgebeugt werden

Stuttgart, Januar 2009 – Immer mehr Kinder sind schon im Vorschulalter viel zu dick. Ein lebenslanges Übergewicht ist dann vorprogrammiert. Doch ein spezielles Schulungsprogramm kann dieses Schicksal oft noch abwenden, wie eine Studie in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) zeigt.

"Leichter, aktiver, gesünder" heißt die Schulung, die eine Reihe von Forscher speziell zur Vorbeugung von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen entwickelt hat. Sie setzt bewusst auf niederschwellige Angebote zu Ernährung und Bewegung, erläutert Annette Keller, Sozialarbeiterin an der Universitätskinderklinik Leipzig, die zusammen mit Kollegen die Schulung bei den Vorschulkindern in einer Studie erprobt hat. Die Kinder waren zwischen vier und fünf alt, aber dennoch bereits zu dick. Alarm geschlagen hatte das Kompetenznetzwerk CresNet, an das Kinderärzte aus ganz Deutschland die Größen und Gewichtsdaten ihrer Patienten melden können. Für die Studie wurden Kinder ausgewählt, die für Alter und Körpergröße zu viel wogen und deren Gewicht in letzter Zeit deutlich zugenommen hatte.

Im ersten Schritt wurden Eltern und Kinder gebeten, über fünf Tage ein Ess-Tagebuch zu führen. Ein Ernährungswissenschaftler wertete die Eintragungen mit einem speziellen Computerprogramm aus und gab dann konkrete Ernährungs-Tipps, welche Lebensmittel sie weggelassen oder welche sie anstelle essen sollten. Die Kinderärzte besprachen anschließend zusammen mit Eltern und Kindern, wie die Essgewohnheiten umgestellt werden könnten.

Die Analyse späterer Ess-Tagebücher zeigte: Im Vorschulalter können vorbeugende Maßnahmen noch greifen - wenn eine Bereitschaft der Eltern für die Schulung vorhanden ist, was nicht selbstverständlich ist. Unter den 185 Kindern, denen die Schulung angeboten wurde, nahmen nur 59 das Angebot an. Von ihnen hielten dann 49 bis zum Ende durch. Die Anstrengungen sollten belohnt werden. Die meisten Kinder konnten während dieser Zeit ihr Körpergewicht halten oder leicht reduzieren, berichten die Autoren. Die Kinder nicht motivierter Eltern nahmen weiter zu, ebenso die Kinder in der Kontrollgruppe, denen in dem wissenschaftlichen Experiment die Teilnahme an der Schulung nicht angeboten worden war.

Den motivierten Kindern gelang es über ein Jahr die Zufuhr der Kalorien deutlich zu senken. Zu Beginn der Studie hatten sie 118 Prozent des Bedarfs zu sich genommen. Am Ende waren es nur noch 91 Prozent. Erreicht wurde dies vor allem durch die Senkung der Fettzufuhr. Sie fiel von 138 auf 97 Prozent des Bedarfs, so Annette Keller. Auch die Kohlenhydratzufuhr wurde gesenkt. Sie hatte schon zu Beginn unterhalb der Bedarfsgrenze von 100 Prozent gelegen und konnte weiter gesenkt werden. Auffallend hoch war die Aufnahme von Eiweiß. Zu Beginn hatten die Kinder 364 Prozent des täglichen Bedarfs zu sich genommen. Am Ende waren es noch 274 Prozent.

Die hauptsächliche Eiweißquelle waren Fleischprodukte. Ein Trend zur steigenden Eiweißzufuhr bei Kindern ist auch anderen Forschern aufgefallen, erläutert die Forschungsgruppe um Annette Keller. Er sieht einen Zusammenhang mit dem hohen Glutamatgehalt von Fleischwaren. Die Aminosäure Glutamat ist dort natürlicherweise enthalten, wird aber vielfach noch als Geschmacksverstärker hinzugefügt. Glutamat verleiht dem Fleisch die "herzhafte" Geschmacksnote "umami". Bei den Kindern kann sie einen Heißhunger auslösen, der sie verleitet, viel mehr zu essen, als sie benötigen.

A. Keller et al.:
Gezielte primäre Adipositasprävention bei Kindern.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (1/2): S. 13-18

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