Studie: Befunde von Ultraschall- untersuchungen bleiben oft unbeachtet

Stuttgart, Februar 2009 – Ultraschalluntersuchungen der Bauchorgane gehören in jeder Klinik zur Routine. Mit modernen Geräten können die Ärzte eine Vielzahl von Erkrankungen erkennen. Doch nicht immer ziehen die weiter behandelnden Ärzte Konsequenzen aus den Befunden, wie eine Studie in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) zeigt.

Am Universitätsklinikum Regensburg werden Ultraschalluntersuchungen an einem speziellen Zentrum durchgeführt. Den Ärzten stehen dort Hochleistungsgeräte zur Verfügung, mit denen sie bei jeder Untersuchung der Bauchorgane im Durchschnitt mehr als zwei krankhafte Veränderungen entdecken, berichtet Dr. med. Doris Schacherer. Die Leiterin des Regensburger Ultraschallzentrums und Kollegen haben in einer Studie untersucht, welche Konsequenzen die Ärzte aus den Ergebnissen ziehen.

In den allermeisten Fällen reagierten die Ärzte gar nicht auf die Befunde der Ultraschall-Ärzte – und dies völlig zu Recht, erläutert Dr. Schacherer. Bei Ultraschalluntersuchungen würden nämlich häufig krankhafte Veränderungen entdeckt, die keine Beschwerden auslösen und deshalb auch nicht behandelt werden müssen. Dazu gehören etwa Flüssigkeitsansammlungen in den Nieren oder eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse, in der Fachsprache benigne Prostatahyperplasie genannt. Der Anteil dieser "Zufallsbefunde" betrug in der Studie fast 70 Prozent. Für die Ultraschallexpertin stellt sich die Frage, ob sie diese Veränderungen in ihrem schriftlichen Befundbericht an ihre Kollegen überhaupt noch erwähnen sollte. In den anderen 30 Prozent fanden die Ultraschall-Ärzte Hinweise auf behandlungsbedürftige Erkrankungen.

Auch diese Erkrankungen wurden von den Ärzten nicht immer beachtet. Manchmal verzichteten sie bewusst auf weitere Untersuchungen oder eine Behandlung, weil andere Probleme des Patienten im Vordergrund standen. Es gab aber auch Fälle, in denen Dr. Schacherer erwartet hätte, dass die Ärzte reagieren und weitere Untersuchungen in der Klinik durchführen oder den Hausarzt im Entlassungsbrief dazu auffordern. Die Studie zeigt, so die Autorin, dass 6,2 Prozent aller krankhaften Befunde im Ultraschall keine notwendigen Konsequenzen nach sich zogen. Unter den Patienten, die von Hautärzten, Kieferchirurgen oder Strahlentherapeuten zum Ultraschall geschickt wurden (was allerdings selten vorkommt), lag der Anteil sogar bei 40 Prozent. Eine Erklärung könnte es sein, dass die dort tätigen Ärzte die Patienten zur Klärung ganz bestimmter Fragestellungen entsenden. Zusätzliche Befunde, die nicht in ihren Fachbereich fallen, übersehen sie dann leicht. Aber auch Chirurgen und Internisten, die eigentlich selbst mit Ultraschalluntersuchungen vertraut sind, zogen manchmal nicht die notwendigen Konsequenzen aus den Untersuchungsergebnissen. Dr. Schacherer regt an, dass die Ultraschall-Ärzte in ihren Berichten die krankhaften Veränderungen stärker als bisher bewerten und auch Vorschläge für das weitere Vorgehen machen. Wir haben bereits mit einer veränderten Struktur in unseren Befundberichten reagiert, schreibt die Medizinerin. Vermeiden wolle man in Zukunft auch einige unter Ultraschall-Ärzten übliche Abkürzungen wie "NN-RF" für Nebennierenraumforderung, weil sie von anderen Ärzten unter Umständen nicht verstanden würden.

D. Schacherer et al.:
Diagnostische und therapeutische Konsequenz von Ultraschallbefunden.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (9): S. 393-398

Call to Action Icon
FZMedNews Bestellen Sie hier!