Unklares Fieber: Krankheitsherde an gesteigertem Energieverbrauch erkennen

fzm – Anhaltendes Fieber strapaziert nicht nur den Körper, es ist oft auch ein erster Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung. Wenn die Suche nach dem Krankheitsherd erfolglos bleibt, kann ein neues Verfahren helfen, das ein Experte in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) vorstellt.

Wenn die Körpertemperatur länger als zwei bis drei Wochen auf 38,2 Grad Celsius oder höher angestiegen ist, muss der Arzt nach der Ursache fahnden. Ihm stehen dazu eine Reihe von Labortests und Untersuchungen zur Verfügung. Erst wenn alle Routinechecks ohne Ergebnis bleiben, kommt eine Untersuchung infrage, die Nuklearmediziner wie Privatdozent Dr. Stefan Gratz, Stuttgart anbieten. Der Arzt spritzt den Patienten radioaktiv markierte Zuckermoleküle in die Vene. Ihre Verteilung im Körper kann danach mit einem Positronen-Emissions-Tomografen (PET) sichtbar gemacht werden.

Das Gerät ähnelt äußerlich der Röhre eines Computer- oder Kernspintomografen, mit deren Bildern die Aufnahmen der PET später häufig kombiniert werden. Auf diese Weise kann Dr. Gratz erkennen, in welchen Organen sich die Zuckermoleküle anreichern. Oft sind es Krankheitsherde, denn die dort versammelten Entzündungszellen haben einen erhöhten Energiebedarf, den sie durch Zucker decken. Etwa eine Stunde nach der Injektion haben auch die markierten Zuckermoleküle ihr Ziel erreicht, erläutert Dr. Gratz: Und da die Zuckeraufnahme in anderen Zellen gering ist, seien die Bilder häufig von brillanter Qualität.

Im Unterschied zur Computer- oder Kernspintomografie zeigt die PET die Ursache des Fiebers auch dann an, wenn es noch nicht zu einer krankhaften Schädigung der Organe gekommen ist. Am besten gelinge dies, wenn die Entzündungen durch Krankheitserreger verursacht werden, erläutert Dr. Gratz: Abszesse, eine Tuberkulose, ein schwerer Darminfekt oder eine infizierte Gefäßprothese werden zu über 90 Prozent entdeckt. Schwieriger sei der Nachweis von nicht-infektiösen Entzündungen. Dazu zählen beispielsweise die Autoimmunerkrankungen, bei denen die Abwehrzellen körpereigenes Gewebe angreifen. Dr. Gratz gibt die "Trefferquote" hier mit 15 bis 30 Prozent an.

Neben Entzündungen können auch Krebserkrankungen Fieber auslösen. Vor allem bei älteren Menschen ist ein unklares Fieber nicht selten das erste Zeichen für ein Tumorleiden. Da die Krebszellen einen hohen Energiebedarf haben, den sie durch Zucker decken, speichern sie auch die radioaktiv markierten Zuckermoleküle. Bislang wird der PET vor allem zur Verlaufskontrolle bekannter Tumorleiden eingesetzt. Dr. Gratz ist jedoch überzeugt, dass die PET insbesondere bei älteren Patienten mit Fieber auch die Suche nach unerkannten Krebserkrankungen erleichtern kann.

S. Gratz et al.:
Diagnostik bei Fieber unklarer Genese (FUO): Positronen-Emissions-Tomographie / Computertomographie (PET-CT).
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (42): S. 2120-2124

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