Leitlinien helfen, die Qualität von medizinischen Publikationen zu verbessern

fzm – Die Qualität medizinischer Forschungsberichte hat sich im letzten Jahrzehnt in wichtigen Aspekten verbessert. Eine wichtige Rolle haben hierbei vermutlich eine Reihe von Leitlinien gespielt, die Empfehlungen für die Veröffentlichung von Studienergebnissen in medizinischen Fachzeitschriften formulieren. Werden diese Empfehlungen angewandt, lassen sich Studienergebnisse schneller und besser kritisch bewerten, erläutert ein Experte in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009).

Empfehlungen für Publikationen in medizinischen Fachzeitschriften sind nicht neu. Seit langem ist es üblich, dass eine Publikation mit einer Einleitung beginnt. Sie beschreibt Hintergrund und Ziel der Studie. Es folgt ein methodischer Teil, der Einzelheiten zur Durchführung der Studie benennt. Danach werden die Ergebnisse dargestellt, die im letzten Teil, der Diskussion, bewertet werden. Eine ähnliche Einteilung kann sich auch im Abstrakt finden, einer kurzen Zusammenfassung, die in der Regel an den Anfang der Veröffentlichung gestellt wird.

Diese formale Einteilung konnte in der Vergangenheit jedoch nicht verhindern, dass in vielen Publikationen Angaben fehlten, die für eine kritische Bewertung notwendig sind, erklärt Dr. med. Jörg Meerpohl vom Deutschen Cochrane Zentrum am Universitätsklinikum Freiburg. Dort werden medizinische Studien einer kritischen Prüfung unterzogen und in systematische Übersichtsarbeiten / Meta-Analysen zusammengefasst, um auf dem aktuellen Forschungsstand beruhende – also evidenz-basierte – Empfehlungen zu ermöglichen.

Um die Vollständigkeit der Angaben und die "Transparenz" von Berichten von Therapiestudien zu verbessern, hatte sich eine internationale Gruppe von Forschern und Herausgebern von Fachzeitschriften bereits 1996 auf gemeinsame Empfehlungen für randomisierte klinische Studien geeinigt, die im CONSORT-Statement niedergeschrieben wurden. Der Erfolg stellte sich, wie Dr. Meerpohl berichtet, rasch ein: Für wichtige Aspekte verbesserte sich der Informationsgehalt der Publikationen innerhalb von zwei Jahren. Mehr Studien enthielten jetzt die von Methodikern geforderten detaillierten Angaben zu den Teilnahmevoraussetzungen und zum Zuteilungsverfahren zu den Studiengruppen, das entscheidet, ob ein Patient die zu prüfende Therapie oder ein Placebo erhält. Auch zur statistischen Auswertung und zur Darstellung der Ergebnisse wurden im CONSORT-Statement Empfehlungen ausgesprochen. Insgesamt 22 Punkte umfasst die Checkliste des mittlerweile überarbeiteten CONSORT-Statements, das auch die Verwendung eines Flussdiagramms empfiehlt, welches den Ablauf der Studie und die Verteilung der Patienten auf die Studienarme übersichtlich darstellt.

Dank seines Erfolges zog das CONSORT-Statement bald weitere Empfehlungen nach sich. Die STARD-Initiative hat 2003 Empfehlungen für das Berichten von diagnostischen Studien formuliert. Das 2008 veröffentlichte STROBE-Statement stellt dar, welche Angaben epidemiologische Beobachtungs-Studien enthalten sollten, in denen z.B. nach Ursachen und Risikofaktoren für Erkrankungen gesucht wird. Im Sommer 2009 ist als jüngstes Beispiel das PRISMA-Statement (Weiterentwicklung des 1999 publizierten QUOROM-Statements) hinzugekommen, das Empfehlungen für das Berichten von systematischen Übersichtsarbeiten / Meta-Analysen enthält.

Die Freiheit der Forscher sieht Dr. Meerpohl durch die vorhandenen Empfehlungen nicht gravierend eingeschränkt. Die Autoren haben jederzeit die Möglichkeit, im Diskussionsteil darzustellen, warum sie bestimmte Aspekte im Forschungsbericht nicht berücksichtigt haben. Die Transparenz und Vollständigkeit medizinischer Publikationen betrachtet der Cochrane-Mitarbeiter auch als eine ethische Verpflichtung den Patienten gegenüber, die für die Teilnahme an den Studien Risiken und Einschränkungen in Kauf genommen haben.

Doch auch die Leitlinien müssen einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Alle Statements wurden im Internet veröffentlicht. Eine Übersicht bietet die EQUATOR-Webseite. Dort können sich Forscher direkt an die Autoren wenden und Kommentare abgeben. Die Statements selbst sind auch Gegenstand der Forschung. Diese Empfehlungen wurden wissenschaftlich evaluiert, und Dr. Meerpohl hofft, dass empirische Untersuchungen dazu beitragen werden, diese Leitlinien weiterzuentwickeln und zu optimieren.

J. J. Meerpohl et al.:
Leitlinien für Forschungsberichte sind auch für Leser medizinischer Fachartikel hilfreich.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (41): S. 2078-2083

Im Internet:
EQUATOR-Netzwerk: www.equator-network.org
CONSORT: www.consort-statement.org
STARD: www.stard-statement.org
STROBE: www.strobe-statement.org
PRISMA: www.prisma-statement.org

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