Unterschätztes Risiko Unter- und Mangelernährung

Stuttgart, März 2011 - Übergewicht als negative Folge unserer Wohlstandsgesellschaft wird öffentlich stark diskutiert. Unterernährung spielt in den Medien hingegen kaum eine Rolle. Das neue Fachbuch „Unter- und Mangelernährung“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2011) zeigt, wie besorgniserregend der Ernährungszustand insbesondere von kranken und alten Menschen in Deutschland ist und welche Gesundheitsrisiken und Kosten damit verbunden sind. Vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Gesellschaft, drängt der Herausgeber, Professor Dr. Christian Löser, auf eine bessere ernährungsmedizinische Versorgung.

Rund ein Viertel aller stationär aufgenommenen Patienten sind unter- oder mangelernährt. Nahezu 75 Prozent aller Menschen nehmen während des Klinikaufenthaltes stark ab. In Alten- und Pflegeheimen ist die Situation noch kritischer: Während bei alleinlebenden, gesunden Senioren im häuslichen Bereich der Ernährungszustand bei nur zehn Prozent bedenklich ist, steigt das Risiko für Mangelernährung in Pflegeeinrichtungen auf 50 bis 80 Prozent an.

Im Krankenhaus führen beispielsweise Schmerzen, Kau- und Schluckstörungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten zu einer verminderten Nahrungsaufnahme. Aber auch eine gestörte Nährstoffverwertung kann eine Mangelernährung verursachen. Die Folgen: Die Unterversorgung mit Nährstoffen sowie der Gewichtsverlust schwächen das Immunsystem der Betroffenen. Die Anfälligkeit für Infektionen steigt. Dadurch sinkt der Therapieerfolg und der Genesungsprozess verlangsamt sich. Das macht oft einen längeren Krankenhausaufenthalt notwendig. Eine Belastung für die Betroffenen und das Gesundheitssystem. „Schon heute belaufen sich die unmittelbaren jährlichen Kosten für diese Patienten auf rund neun Milliarden Euro“, weiß Professor Dr. Christian Löser. Durch mangelnde Aufmerksamkeit des ärztlichen oder pflegerischen Personals bleibt eine drohende oder manifeste Mangelernährung oft unerkannt und so unbehandelt. Die genaue Bestimmung des Ernährungszustandes, interdisziplinär arbeitende Ernährungsteams und die Einbindung von ernährungsmedizinischen Maßnahmen in den Therapieplan könnten das Risiko Mangelernährung deutlich senken. „Aktuelle Studien belegen, dass die gezielte zusätzliche Gabe von Trink- und Zusatznahrung den Genesungsprozess nachweislich unterstützt“, erklärt Löser.

Professor Dr. Christian Löser hat mit weiteren Experten aus verschiedenen Fachbereichen der Medizin, der Ernährungs- und Pflegewissenschaft Grundlagen, Therapiekonzepte und zahlreiche Fallbeispiele zusammengetragen. Juristische und ethische Aspekte werden intensiv diskutiert. Das Buch richtet sich an Ärzte, Pflegepersonal und Ernährungswissenschaftler, aber auch an Verwaltungsdirektoren von Kliniken und Gesundheitspolitiker.

Herausgeber

Professor Dr. med. Christian Löser ist unter anderem Facharzt für Innere Medizin und Ernährungsmedizin. Als Vorsitzender verschiedener Konsensuskonferenzen ist er verantwortlich für die Erstellung nationaler und internationaler Leitlinien auf dem Gebiet der Gastroenterologie, der Ernährungsmedizin und der Ethik in der Medizin.

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