• Fussballverletzung © Paco Ayala, Adobe Stock

    Verletzungen, wie Prellungen und Verstauchungen, sind im Fußball sind keine Seltenheit. © Paco Ayala/Adobe.Stock.com

     

Viele Verletzungen im Teamsport sind vermeidbar

fzm, Stuttgart, Mai 2018 – Wenn Mitte Juni die Fußballweltmeisterschaft beginnt, sind Groß und Klein wieder im Fußballfieber – vor dem Fernseher und auf dem Platz. Experten raten aktiven Spielern, ihre Schienbeinschoner zu tragen und sich gut Aufzuwärmen. Nach einer Analyse in der Fachzeitschrift „Sportverletzung Sportschaden“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2018) verletzen sich vor allem Fußballer und Handballer in Wettkämpfen – Prellungen und Verstauchungen sind keine Seltenheit. Viele davon wären durch bessere Schutzkleidung, veränderte Spielregeln oder entsprechende Aufwärmübungen vermeidbar, so die Autoren der Studie.

Privatdozent Dr. Werner Krutsch, Leiter der Sporttraumatologie am Universitätsklinikum Regensburg, hat gemeinsam mit Kollegen analysiert, zu welchen Verletzungen es in den sechs beliebtesten Teamsportarten kommt. Dafür haben die Wissenschaftler die Daten von 89.235 Patienten ausgewertet, die im Verlauf von 15 Jahren am Level-I-Notfalltraumazentrum der Universität Regensburg behandelt wurden.

11.361 Patienten kamen aufgrund einer Sportverletzung in die Klinik. Das sind fast 13 Prozent. 34 Prozent dieser Fälle gingen auf die Ausübung einer Teamsportart zurück. Die meisten der Betroffenen (71,4 Prozent) hatten sich beim Fußball verletzt und mussten zu zwei Dritteln wegen Beinverletzungen behandelt werden. Bei 27,2 Prozent verursachten Verstauchungen, bei 22,4 Prozent Prellungen die Beschwerden. Nicht selten mussten aber auch Knochenbrüche (19,5 Prozent) oder Sehnenrisse (16,9 Prozent) behandelt werden. Ein ähnliches Verletzungsmuster fand Dr. Krutsch bei Handballern. In beiden Sportarten traten die Verletzungen meist im Wettkampf auf. Dies gilt auch für Eishockey und American Football: Hier treten die Verletzungen jedoch eher an den Armen auf. Trotz dass die Spieler in beiden Sportarten Helme tragen, sind Kopfverletzungen keine Seltenheit, einschließlich Gehirnerschütterungen.

Auch beim Handball kann es leicht zu Gehirnerschütterungen kommen. Fast jeder 20. Handballer musste deswegen behandelt werden. Der Anteil war in dieser Studie ebenso häufig wie beim American Football. Kritisch zu bewerten sind, laut Dr. Krutsch, auch nicht erkannte Kopfverletzungen und Dauerschläge auf den Kopf. Diese kämen im Handball wie auch im American Football oder Eishockey nicht selten vor, denn Sportler gingen bei kleineren Schlägen nicht immer in die Klinik.

Die Sportverbände sollten deshalb über eine Anpassung der Spielregeln nachdenken, um derartigen Verletzungen vorzubeugen, empfiehlt der Sporttraumatologe. Darüber hinaus könne spezielle Schutzkleidung in allen untersuchten Mannschaftssportarten helfen, das Verletzungsrisiko zu senken. Die im Eishockey und American Football übliche Ausrüstung könne nach Meinung des Experten noch verbessert werden. Auch beim Fußball sollten die Spieler Protektoren, wie Schienbeinschützer, konsequent tragen, erklärt Dr. Krutsch. Zwar fehlten bislang wissenschaftliche Untersuchungen dazu, ob Knochenbrüche durch Schienbeinschoner vermieden werden könnten. Feststehe jedoch, dass die sehr häufigen schmerzhaften Prellungen durch das Tragen der Beinschienen reduziert werden könnten. Des Weiteren regt er an, dass die Schiedsrichter bei der Auslegung des Regelwerks stets die Verletzungsgefährdung der Spieler im Blick haben sollten.

Am einfachsten ließen sich viele Verletzungen jedoch durch Aufwärmübungen und ein spezielles Training verhindern. Die Konzepte lägen seit längerem vor, sie werden nach Einschätzung des Sportmediziners jedoch viel zu selten umgesetzt. Ohne eine Veränderung müssten die Unfallchirurgen auch in Zukunft viele Patienten mit oft vermeidbaren Sportverletzungen behandeln.

W. Krutsch et al.:
11.361 sports injuries in a 15-year survey of a Level I emergency trauma department reveal different severe injury types in the 6 most common team sports.
Sportverletzung Sportschaden 2018; eFirst am 7.5.2018 erschienen

 

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