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    Vorsicht bei Nebenwirkungen von Fluorchinolon-Antibiotika © Zerbor, adobestock.com

     

Vorsicht bei der Verschreibung von Fluorchinolon-Antibiotika

fzm, Stuttgart/New York, November 2019 – US-Amerikanische Experten fordern eine umsichtige Verordnung von Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone. Mögliche Nebenwirkungen seien insbesondere für Patienten mit Aortenerkrankungen gefährlich. Zu diesem Schluss kommen Dr. John Elefteriades und seine Mitautoren des Aortic Institute der Yale University, USA, in ihrem Review von rund 60 Forschungsarbeiten, das kürzlich in AORTA (Thieme, New York. 2019) veröffentlicht wurde.

Obwohl allgemein gut verträglich, wurden Fluorchinolone bereits mit Störungen des Zuckerstoffwechsels, Herzrhythmusstörungen, Netzhautablösung und Kollagenabbau in Sehnen in Verbindung gebracht. Letzteres kann zum Beispiel zu einem spontanen Abriss der Achillessehne führen. Auch die Wände der Hauptschlagader bestehen größtenteils aus Kollagen. Daher sind negative Auswirkungen von Fluorchinolonen auf die Stabilität des Gefäßes naheliegend. Dr. John Elefteriades und seine Mitautoren haben dahingehend mehrere Studien ausgewertet. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Einnahme von Fluorchinolon-Antibiotika die Entstehung von Ausbuchtungen der Hauptschlagader im Bereich des Brustkorbs, sogenannten thorakalen Aortenaneurysmen, fördert. Sie beschreiben auch ein erhöhtes Risiko einer akuten Aortendissektion, bei der die Wandschichten der Aorta einreißen.

Einige der von den Autoren herangezogenen Studien belegen, dass ein spontaner Riss der Achillessehne nach der Einnahme eines Fluorchinolon-Antibiotikums mit einer erhöhten Aktivität bestimmter Enzyme einhergeht. Dabei handelt es sich um die Gruppe der Matrix-Metalloproteasen (MMP), die den Kollagenabbau in Sehnen und anderen Geweben fördern. Die Autoren stellen fest, dass genau diese übermäßige MMP-Aktivität auch die Stabilität der Aorta stören kann, was zu einer fortschreitenden Erweiterung des Gefäßes führt. Wenn ein erhöhter Blutdruck hinzukommt, wird die Aortenwand über ihre Grenzen hinaus belastet und reißt ein. Ärzte sprechen dann von einer akuten Aortendissektion.

Die European Medicines Agency (EMA) hat am 1. Oktober 2018 eine Empfehlung ausgesprochen, dass die Produktinformationen zu Fluorchinolon-Antibiotika Details über das erhöhte Risiko von Aortenaneurysmen und Dissektionen enthalten sollen.[1] Bestimmten Wirkstoffen hat die EMA auf Grund schwerwiegender und anhaltender Nebenwirkungen mittlerweile die Zulassung entzogen oder ihre Anwendung stark eingeschränkt.[2] Am 20. Dezember 2018 gab auch die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) eine formelle Warnung über das erhöhte Risiko von Aortenrissen bei bestimmten Patienten heraus, die Fluorchinolonantibiotika einnehmen.[3] In ihrer kürzlich veröffentlichten Studie empfehlen Dr. John Elefteriades und seine Mitautoren ebenfalls, bei der Verschreibung von Fluorchinolonantibiotika an Patienten mit Aortenerkrankungen extrem vorsichtig zu sein.

Davide Carino et al.:
Fluoroquinolones and Aortic Diseases: Is there a connection
AORTA 2019; 7 (2); 35-41

[1] European Medicines Agency: Pharmacovigilance Risk Assessment Committee. Recommendation on Signals. 2018 zum Text

[2] European Medicines Agency: Disabling and potentially permanent side effects lead to suspension or restrictions of quinolone and fluoroquinolone antibiotics; zum Text

[3] U.S. Food and Drug Administration: FDA warns about increased risk of ruptures or tears in the aorta blood vessel with fluoroquinolone antibiotics in certain patients; zum Text

 

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