CRM Centrum für Reisemedizin warnt vor Versorgungsengpässen bei Impfstoffen

Düsseldorf, Mai 2014 – Mit Beginn der Grippeimpfzeit im Herbst droht in vielen Bundesländern erneut eine Unterversorgung mit Influenzaimpfstoffen. Grund hierfür ist die weiterhin bestehende Ausschreibungspolitik der Gesetzlichen Krankenkassen, die sich vertraglich auf einen einzigen Impfstoffhersteller festlegen. Hat dieser Lieferschwierigkeiten, kommt es zu Versorgungsengpässen. „Die derzeitige Ausschreibungspolitik behindert eine angemessene medizinische Versorgung der Bevölkerung und muss beendet werden“, fordert Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. Auch andere wichtige Impfstoffe sind regelmäßig nicht lieferbar. Krankenkassen, Hersteller und Politik seien gefordert, das Problem der Unterversorgung mit Impfstoffen aktiv anzugehen, so das CRM Centrum für Reisemedizin.

Exklusivverträge für die Bereitstellung von Grippeimpfstoff mit einem einzelnen Hersteller führten bei Lieferschwierigkeiten nicht nur regelmäßig zu Versorgungsengpässen in einzelnen Bundesländern, so Jelinek. Sie verhinderten auch, dass Patienten individuell mit dem für sie am besten geeigneten Influenzaimpfstoff versorgt werden könnten. Grippeimpfstoff ist nämlich nicht gleich Grippeimpfstoff. Er unterscheidet sich in seiner Zusammensetzung: Für Senioren gibt es beispielsweise eine Vakzine mit Wirkverstärker, der die Immunantwort unterstützt. Menschen, die an einer Hühnereiweißallergie leiden, sollten einen Impfstoff erhalten, der nicht in Hühnerembryos, sondern in Zellkulturen produziert wurde. „Solche Aspekte werden bei der aktuellen Ausschreibungspolitik nicht berücksichtigt – mit der Folge, dass Patienten, die einen Impfstoff benötigen, den ihre Kasse nicht abdeckt, diesen aus eigener Tasche bezahlen müssen“, sagt der Experte.

Aber auch bei anderen Vakzinen – Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sowie Tollwut, Gelbfieber, Typhus oder Cholera – kommt es seit einigen Jahren immer wieder zu Lieferengpässen. Ein Grund ist die langwierige und komplizierte Herstellung von Vakzinen. Bei der Produktion der Antigene können schon geringfügige Verunreinigungen oder Schwankungen der Umgebungsbedingungen, etwa der Temperatur, zum Verlust einer gesamten Charge führen. Für viele Impfstoffe gibt es nur noch ein oder zwei Hersteller, sodass sich Probleme bei der Produktion sofort auf dem gesamtem Markt bemerkbar machen. „Hinzu kommt, dass die Impfstoffvermarktung in Deutschland für die Industrie wenig lukrativ ist– hier müssten sicherlich bessere Anreize für die Entwicklung neuer und die Weiterentwicklung aktueller Vakzinen geschaffen werden“, so Jelinek.

Krankenkassen, Impfstoffhersteller und Politik seien gefordert, ihre Verantwortung für die Prävention und Gesundheit der Bevölkerung wahrzunehmen und gemeinsam an einer Lösung des Problems zu arbeiten. „Impfungen sind die wichtigste und wirksamste Form zur Verhinderung von Infektionskrankheiten“, betont Jelinek. „Die Erfolge, die im Kampf gegen impfpräventable Krankheiten in den vergangenen Jahrzehnten erzielt worden sind, geraten in Gefahr, wenn die Versorgung der Bevölkerung durch die aktuellen Entwicklungen nicht gewährleistet ist.“