Vibrationen für mehr Kraft

Stuttgart, November 2012 – Geräte zur Kraftsteigerung per Ganzkörpervibration haben Konjunktur. Denn die versprochenen Trainingseffekte klingen in der Tat verlockend: Einfach draufstellen, Vibrationen aktivieren, und schon werden die Muskeln stimuliert. Ganz so einfach ist das jedoch nicht, wie die forschenden Physiotherapeuten Slavko Rogan und Roger Hilfiker in der Fachzeitschrift „physiopraxis“ darlegen (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2012). Denn nur wer weiß, welche Muskelgruppen er mit welchem Ziel trainieren möchte, kann den richtigen Gerätetyp und die perfekte Trainingsfrequenz ermitteln. Dann jedoch kann die Ganzkörpervibration (GKV) das Krafttraining durchaus unterstützen.

Für das GKV-Training werden unterschiedliche Gerätetypen angeboten. Während die einen aus einer einzelnen Stand- oder Sitzplatte bestehen, die in sinusförmige Schwingungen versetzt wird, haben andere zwei getrennte Standplatten, die dreidimensional und ungeordnet schwingen. „Letztere wurden bisher vor allem zum Gleichgewichts- und Inkontinenztraining eingesetzt, sowie für die Behandlung muskuloskeletaler Beschwerden“, sagen Slavko Rogan, der an der Fachhochschule Bern unterrichtet, und Roger Hilfiker, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Zur Steigerung der Muskelkraft eignen sich dagegen vor allem Geräte mit sinusförmigem Vibrationsmuster, wie die Literaturrecherche der beiden Schweizer Therapeuten ergeben hat. Viel Spielraum gibt es dann noch bei der Feineinstellung des Trainingsgeräts. „Mit welcher Vibrationsfrequenz, mit welcher Amplitude, wie häufig und wie lange trainiert werden sollte, hängt stark davon ab, welche Kraftkomponente verbessert werden soll“, betonen Rogan und Hilfiker. Zur Steigerung der Maximalkraft etwa sollten höhere Frequenzen gewählt werden als zur Steigerung der Schnellkraft oder der Muskelleistung.

Weitere Variationsmöglichkeiten ergeben sich durch die Körperhaltung des Trainierenden. Je nach Position werden unterschiedliche Muskelgruppen besonders stark angesprochen. Außerdem kann etwa die Beinhaltung Einfluss darauf nehmen, in welchem Ausmaß die Vibrationen an den Kopf weitergereicht werden: Je mehr sich die Beugung im Kniegelenk dem rechten Winkel nähert, desto eher kann die – möglicherweise unangenehme – Vibration im Kopfbereich vermindert werden. Auch im Vorfußstand ohne Fersenkontakt wird der Kopf eher geschont.

„Insgesamt waren die Trainingsparameter in den einzelnen Studien sehr unterschiedlich“, betonen Rogan und Hilfiker. Die beiden Therapeuten führen das darauf zurück, dass noch immer weitgehend unbekannt ist, wie die Vibrationen im Körper wirken, und welche Prozesse sie dort anstoßen. Es wird jedoch angenommen, dass durch die Vibrationen mehr Muskelfasern aktiviert werden als durch konventionelles Training. Darüber hinaus werden die Fasern mit einer höheren Frequenz und stark synchron mit umliegenden Fasern angesprochen. „Durch die hohe Wiederholungszahl der Reize ist es möglich, die Muskelkraft innerhalb kürzerer Trainingszeiten zu steigern“, resümieren die beiden Forscher.

Doch auch wer mit einem GKV-Gerät trainiert benötigt etwas Geduld, bis seine Kraft messbar zunimmt. In der Gesamtschau der Studien zeigte sich, dass Kurzzeiteffekte damit eher nicht zu erzielen sind. Langzeiteffekte – etwa ab einer Trainingsdauer von drei Monaten – sind dagegen durchaus belegt.

S. Rogan und R. Hilfiker:
Kraft mit Hertz – Muskelkraftsteigerung durch Ganzkörpervibration
physiopraxis 2012; 11 (10): S. 40-43

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