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    Das Atemmuskeltraining ist fester Bestandteil der ambulanten Rehabilitation für COPD-Patienten am St. Remigius Krankenhaus. © St. Remigius Krankenhaus Opladen

     

Volkskrankheit COPD: Reha kann Atemnotanfälle verhindern

fzm, Stuttgart, März 2017 – Die Zahl schwerer Krankheitsschübe mit Husten, Auswurf, Luftnot oder Brustenge, unter der viele Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) leiden, kann durch eine ambulante Reha-Behandlung deutlich gesenkt werden. Das belegt eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2017).

Die COPD ist in Deutschland eine der häufigsten chronischen Erkrankungen. Betroffen sind meist aktive oder ehemalige Raucher. Sie erkranken zunächst an einer chronischen Bronchitis („Raucherhusten“). Im weiteren Krankheitsverlauf kommt es aufgrund der geschädigten Lungenbläschen zu einer Überblähung des Atemorgans. Insbesondere im fortgeschrittenen Stadium verschlechtert sich der Gesundheitszustand der Patienten häufig innerhalb eines kurzen Zeitraumes. Diese, auch als Exazerbationen bezeichnete Krankheitsschübe haben häufig Krankenhausaufenthalte zur Folge und schränken die Lebensqualität der Betroffenen immer weiter einschränken.

Ob Exazerbationen durch Reha-Maßnahmen verhindert werden können, ist umstritten. Die Erfahrungen, die am St. Remigius Krankenhaus Opladen seit 2013 mit einem ambulanten Reha-Programm für COPD-Patienten gemacht wurden, sind jedoch positiv, wie Dr. Marc Spielmanns und Dr. Andrea Meier in der „DMW“ berichten.

Die Patienten werden nach einer Exazerbation zur Rehabilitation überwiesen. Bereits 14 Tage nach dem Überwinden der Atemkrise und einer Eingangsdiagnostik beginnen sie mehrmals wöchentlich unter Aufsicht auf einem Laufband oder Fahrradergometer zu trainieren. Zum Programm gehört auch ein Krafttraining mit Schwerpunkt auf den Atemmuskeln. Ergänzt wird das körperliche Training durch eine psychologische Betreuung und eine Ernährungsberatung. Darüber hinaus lernen die Patienten in einer speziellen Krankheitsschulung besser mit ihrer COPD und den dadurch bedingten Einschränkungen umzugehen. Ferner können die Patienten eine Atemphysiotherapie, ein Koordinationstraining und eine Ergotherapie in Anspruch nehmen. Gleichzeitig überprüfen Ärzte die aktuell verordneten Medikamente und passen die Arzneimittel gegebenenfalls an. Bei Bedarf erhalten die Patienten eine sozialmedizinische Beratung, die sowohl ihre Arbeitssituation und ihr soziales Umfeld beleuchtet. Des Weiteren können sie an einem Nikotin-Entwöhnungsprogramm teilnehmen. Inhalationen, Elektrotherapie und Wärmetherapie gehören ebenfalls zum Reha-Angebot.

In ihrer Studie haben Dr. Spielmanns und Dr. Meier die Reha-Erfahrungen von 30 COPD-Patienten mit einer Kontrollgruppe von 32 Patienten verglichen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht an der Reha teilnehmen konnten. Ergebnis: Bei den Reha-Patienten ging die Zahl der Exazerbationen von durchschnittlich 2,67 pro Jahr vor der Reha auf 0,57 pro Jahr danach zurück. In der Kontrollgruppe besserte sich der Krankheitsverlauf nicht.

Damit ist für die Studienautoren ein wichtiges Ziel der Reha erreicht. In der Nachhaltigkeit der Therapiemaßnahmen sehen die Mediziner jedoch noch Verbesserungspotenzial: Da die gesteigerte Leistungsfähigkeit, die die Patienten am Ende der Reha erreicht hatten, nach einem Jahr nicht mehr nachweisbar war, könnte ein strukturiertes „Erhaltungsprogramm“ nach der Reha sinnvoll sein, regen die Mediziner Spielmanns und Meier an.

M. Spielmanns et al.:
Eine pneumologische Rehabilitation nach akuter Exazerbation der COPD senkt die Rate erneuter Exazerbationen
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2017; 142 (2); e10–e19