Schwaches Herz: Wach-Station bereitet Patienten auf Herztransplantation vor

Stuttgart, Mai 2013 – Die Universität Heidelberg hat als europaweit erste Klinik eine Spezialstation für Patienten eingerichtet, die an einer schweren Herzschwäche leiden. Die Ärzte betrachten die Herzinsuffizienz-Wachstation in der Fachzeitschrift DMW “Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013) als Modell für eine neue dringend benötigte Versorgungsstruktur.

Die Herzinsuffizienz ist häufig Spätfolge eines Herzinfarktes. Die Herzleistung reicht dabei nicht aus, um bei Belastung oder sogar in Ruhe alle Organe ausreichend mit Blut zu versorgen. Die Zahl der Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz ist in den letzten Jahren gestiegen, da dank des medizinischen Fortschritts immer mehr Menschen einen Herzinfarkt überleben. Sie erleiden oft Jahre später eine Herzinsuffizienz, berichtet Dr. Philip Raake, Oberarzt auf der „HI-Wach-Station“ am Herzzentrum Heidelberg. Dort werden Menschen mit einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz behandelt, die oft auf eine Standardtherapie nicht mehr anspricht.

Das Behandlungskonzept ruht in Heidelberg auf drei Säulen. Zum einen versuchen die Ärzte durch Medikamente die Folgen der Herzschwäche zu lindern. Zu den Symptomen gehören eine extreme körperliche Schwäche sowie Luftnot durch Wassereinlagerungen in der Lunge.
Des Weiteren behandeln die Mediziner gezielt die Begleiterkrankungen: Chronische Lungenerkrankungen können die Behandlung der Herzschwäche ebenso erschweren wie eine eingeschränkte Nierenfunktion, die oft als Folge der Herzschwäche auftritt. Viele Patienten leiden unter Depressionen oder unter Appetitmangel, die an der „HI-Wach-Station“ ebenfalls behandelt werden. Das Team um Dr. Raake arbeitet hier eng mit Lungen- und Nierenfachärzten, Psychosomatikern, Ernährungsmedizinern und Physiotherapeuten zusammen, um den umfangreichen Begleiterscheinungen möglichst kompetent zu begegnen.

Wenn Medikamente und die intensive Betreuung nicht ausreichen, kommen als dritte Säule mechanische Unterstützungssysteme zum Einsatz. Mit der Mini-Herz-Lungenmaschine ECMO (extrakorporale Membranoxygenationssystem) kann das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff versorgt werden. Eine so genannte Impella-Mikroaxialpumpe oder das Tandem Heart, kann die Pumpleistung des Herzens künstlich unterstützen. Diese komplizierten Geräte, die über einen Katheter in die Blutgefäße eingeführt werden, sind allerdings nur eine Zwischenlösung. Der Goldstandard bei der schweren Herzinsuffizienz ist die Herztransplantation, schreibt Dr. Raake. Sie kann bei den Patienten die Herzschwäche besiegen und das Überleben sichern. Die mittlere Überlebensrate nach einer Herztransplantation liege nach Auskunft des Experten heute bei etwa 13 Jahren. Aufgrund des Organmangels können jedoch nur wenige Patienten ein neues Herz erhalten. Ausgewählt werden in der Regel nur Kranke, die sich bereits in einem kritischen Stadium befinden. Die intensive Betreuung und Vorbereitung auf die Transplantation gehört deshalb zu den wichtigen Aufgaben der HI-Wachstation am Heidelberger Universitätsklinikum.

Die Mediziner unterziehen ihr Konzept derzeit einer wissenschaftlichen Begleitstudie. Dr. Raake ist aber davon überzeugt, dass dieses Modell “eine wichtige und unbedingt notwendige Ergänzung in der Behandlung der fortgeschrittenen Herzinsuffizienz ist und sicherlich Modellcharakter für andere große Herzzentren einnehmen wird.“

R. Tschierschke et al.:
Erste „Advanced Heart Failure Unit“ am Herzzentrum der Universitätsklinik Heidelberg. Beispiel einer integrierten Versorgungsstruktur zur optimierten Behandlung der terminalen Herzinsuffizienz
Deutsche Medizinische Wochenschrift 2013; 138 (12); S.603-607

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