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    Muskelverletzungen im Profisport sind häufig und eine schnelle Regeneration wichtig. © sportgraphic/Fotolia.com

     

Wirkmechanismen von Actovegin® geklärt: Kälberblutfiltrat beschleunigt die Heilung von Muskelfaserrissen

fzm, Stuttgart, Oktober 2017 – Ursprünglich wurde das Präparat Actovegin® für die Behandlung von Schlaganfall- und Demenzpatienten entwickelt. In den letzten Jahren sorgte es jedoch abseits seines ursprünglichen Einsatzgebiets für Aufsehen: Sportmediziner wie der Mannschaftsarzt der Fußballnationalmannschaft Dr. med. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt sind seit Langem der Überzeugung, dass Actovegin® die Heilung von Muskelfaserrissen beschleunigt und injizieren das Mittel Patienten in den verletzten Muskel. Eine Studie im „International Journal of Sports Medicine“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2017) zeigt jetzt, wie das Medikament die Regeneration des Muskels beschleunigt. Gleichzeitig entkräftet die Studie Vermutungen, das Mittel könne zum Doping eingesetzt werden.

Ein Team um Universitäts-Professor Dr. Dr. Franz-Xaver Reichl von der LMU Ludwig-Maximilians-Universität München hat die genaue Zusammensetzung des aus Kälberblut filtrierten Präparats untersucht: Aufgefallen ist den Wissenschaftlern die hohe Konzentration an Aminosäuren wie Cystathionin, O-Phosphoserin, Asparaginsäure und Glutaminsäure. Sie liegt um ein 14-Faches höher als in menschlichem Blut. Aminosäuren sind Bausteine für Proteine. Professor Reichl nimmt daher an, dass sie nach der Injektion von Actovegin® in den Muskel als Baumaterial für das Muskeleiweiß Myosin dienen. Die notwendige Energie für die Reparatur liefert das Präparat durch einen hohen Glukose-Anteil gleich mit.

Auch die Hormone Testosteron und Cortisol, die beim illegalen Doping eingesetzt werden, konnten die Forscher nachweisen. Allerdings liegen sie bei Actovegin® in einer sehr geringen Menge vor. Die Konzentration liegt unter der, die ohnehin im menschlichen Körper vorhanden ist. Eine Leistung fördernde Wirkung durch die Injektion in den Muskel könne daher ausgeschlossen werden, erklärt Professor Reichl. Auch hätten Untersuchungen der World Anti-Doping Agency (WADA) ergeben, dass Actovegin® nicht zum Doping geeignet sei.

Professor Reichl und Kollegen haben die Wirkung des Kälberblutextrakts auch an sogenannten C2C12-Myoblasten untersucht. Das sind Vorläufer- oder Stammzellen, die im Muskel enthalten sind. Sie dienen als Reserve, aus denen sich der Muskel nach einer Verletzung regenerieren kann. Die Forscher beobachteten, dass Actovegin® das Wachstum und die Vermehrung der Vorläuferzellen in den Zellkulturen stimulierte. Sie fusionierten zu Muskelfasern und bildeten vermehrt das Protein Myosin, das den Motor der Muskulatur bildet. Diese Ergebnisse liefern laut Professor Reichl eine plausible Erklärung für die günstige Wirkung des Präparats nach einer Injektion in den Muskel.

F.-X. Reichl et al.:
Comprehensive Analytics of Actovegin® and Its Effect on Muscle Cells
International Journal of Sports Medicine 2017; 38 (11); S. 809–818

 

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