Wissenschaftliche Primärdaten ab sofort über Verlagsangebote recherchierbar

Stuttgart, August 2013 – DataCite und die internationale Vereinigung der wissenschaftlich-technisch-medizinischen Fachverlage (STM) haben Empfehlungen erarbeitet, wie Primärdaten aus wissenschaftlichen Forschungen künftig besser verfügbar gemacht werden können. Vorläufer in der Chemie waren zwei Chemie-Zeitschriften von Thieme: Synthesis und Synlett. Seit drei Jahren können dort Autoren ihre Primärdaten über die Thieme E-Journals-Plattform publizieren und für andere Wissenschaftler recherchierbar machen. Wie eine wissenschaftliche Publikation sind sie mit einem Digital Object Identifier (DOI) versehen.

In den Naturwissenschaften werden täglich eine große Menge Primärdaten generiert. Sie entstehen in der Chemie beispielsweise bei der Charakterisierung neuer Substanzen oder bei Computersimulationen und liegen vollständig in digitaler Form vor. Die meisten dieser Daten können nur für die eigenen Forschungsaktivitäten genutzt werden, da sie bislang kaum jemandem systematisch zugänglich zu machen waren. Das soll sich jetzt ändern: Dafür hat die Vertretung der internationalen Wissenschaftsverlage STM mit 15 großen wissenschaftlichen Bibliotheken und Informationszentren, die sich 2009 zu DataCite zusammengeschlossen haben, Empfehlungen erarbeitet. Sie regeln, wie Primärdaten künftig über Verlagspublikationen der Wissenschaftsgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden können.

In den Print- und Online-Publikationen der beteiligten Wissenschaftszeitschriften wird jeweils bei einer Publikation unter Angabe des DOI auf die dazugehörigen Primärdaten verwiesen – und umgekehrt. So werden nicht nur die Forschungsergebnisse publik gemacht, sondern auch die Daten, auf denen diese Ergebnisse fußen. Das ist vor allem in den Naturwissenschaften hilfreich. „Der Zugang zu den Primärdaten ermöglicht Forschern an Universitäten den Zugriff auf wissenschaftliche Ressourcen, die sie unmittelbar im Labor für ihre eigenen Forschungsaktivitäten nutzen können“, erläutert Guido F. Herrmann, Verlagsleiter von Thieme Chemistry. „Das schafft Synergien in der Wissenschaft und fördert so den Fortschritt.“

Thieme hat zu Beginn der Kooperation gemeinsam mit Experten der Technischen Informationsbibliothek (TIB) und von DataCite Prozesse und Formate definiert. Durch diese Strukturierung und zentrale Archivierung entstand ein Service für die Autoren und Nutzer von Synthesis und Synlett, der wertvolles Wissen nutzbar macht. „Ohne diesen Service von DataCite sind Primärdaten für die Wissenschaft nicht systematisch nutzbar und können keinen Mehrwert für andere Wissenschaftler haben“, betont Uwe Rosemann, Direktor der TIB. „Das Beispiel Synthesis und Synlett hat gezeigt, wie professionelle Angebote von Bibliotheken und Verlagen die Arbeit in der Wissenschaft unterstützen können“, so Rosemann weiter.

Wichtig ist, dass Autoren dieses Angebot der Verlage intensiv nutzen. Sie unterstützen damit nicht nur die wissenschaftliche Gemeinschaft, sondern profitieren auch selbst: „Veröffentlichen Wissenschaftler diese Primärdaten gemeinsam mit einer wissenschaftlichen Publikation, sind die Daten dauerhaft archiviert, abrufbar, von anderen zu recherchieren, zu verlinken und vor allem zu zitieren. Das ist ein weiterer Baustein mit dem wissenschaftliche Autoren Aufmerksamkeit für ihre Forschungsaktivitäten wecken können,“ erklärt Professor Philip Kocienski von der University of Leeds (UK), der in der Vergangenheit immer wieder seine Primärdaten bei Publikationen in den Zeitschriften Synthesis und Synlett mit veröffentlicht hat.

Über TIB

Als Deutsche Zentrale Fachbibliothek für Technik sowie Architektur, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik stellt sich die TIB bereits seit Jahrzehnten erfolgreich ihrer Aufgabe als innovativer und kompetenter Informationsversorger. Auf der Basis ihrer exzellenten Bestände präsentiert sich die TIB heute als eine der weltweit größten Spezialbibliotheken und leistungsfähigsten Dokumentlieferanten ihrer Fachgebiete. Die TIB realisiert als Teil der nationalen Forschungsinfrastruktur Projekte zum Nutzen von Wissenschaft und Wirtschaft. Vorreiter ist sie insbesondere in den Bereichen Volltextversorgung und Informationsmanagement. Seit 2005 ist die TIB die weltweit erste DOI-Registrierungsagentur für Forschungsdatensätze und Gründungsmitglied von DataCite.

Über Thieme

Die Thieme Verlagsgruppe gehört zu den großen deutschen Medienunternehmen im Bereich der Fachinformation. Die über 950 Mitarbeiter der Verlagsgruppe sind an sieben Standorten beschäftigt. Gegründet wurde das Familienunternehmen 1886. Der Name Thieme steht für hohe Qualität und umfassende Angebote im Bereich des medizinischen und wissenschaftlichen Publizierens. Thieme veröffentlicht rund 140 Zeitschriften und circa 500 Neuerscheinungen pro Jahr. Der Verlag hat außerdem ein wachsendes Angebot an internetbasierten Produkten im Bereich Medizin und Wissenschaft im Programm. Bekannte Onlineprodukte sind unter anderem die Thieme eJournals und die Thieme ElectronicBook Library. Diese Angebote können über www.thieme-connect.de abgerufen werden, Thiemes Plattform für elektronische Produkte.