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    Wundmanagement gehört zum Tagesgeschäft von Tierärzten. Doch nicht jede Wunde heilt komplikationslos. © bmf-foto.de bei Fotolia

     

Moderne Wundtherapie bei Hund und Katze: Schluss mit der „Antibiotika-Gießkanne“

Baden-Baden, Oktober 2016 – Ein Großteil aller Wunden von Hund und Katze lassen sich unkompliziert, häufig auch ohne den Einsatz von Antibiotika, schließen. Eine gründliche Reinigung der Wunde, anschließende Desinfektion mit einem schonenden Antiseptikum sowie die Auflage einer passenden heilungsfördernden Wundabdeckung reichen meist aus, sagt Dr. med. vet. Mirja Nolff von der Chirurgischen Tierklinik der LMU München im Vorfeld der Baden-Badener Fortbildungstage (BBF) für Kleintierärzte. Welches Vorgehen bei welcher Art von Wunde am besten hilft und wie Tierärzte bei der Wundversorgung ihren Verbrauch an Antibiotika senken können, erfahren Teilnehmer auf den BBF vom 16. bis 18. Februar 2017.

Unfälle, Bissverletzungen, Quetschungen: in den meisten Kleintierpraxen stehen Wunden täglich auf dem Programm. Auch wenn der überwiegende Teil von ihnen komplikationslos heilt, können selbst bei kleinen Wunden Infektionen und Wundheilungsstörungen auftreten – und schnell zu langwierigen Problemen führen. Häufig sind monatelange Behandlungen in der Tierarztpraxis oder -klinik nötig und ziehen erhebliche Kosten nach sich.

„Keine Wunde ist wie die andere“, weiß Wundexpertin Mirja Nolff. „Die Behandlung muss deshalb individuell angepasst werden; je nach Lage – etwa an einem Gelenk oder der Pfote –, dem Ausmaß des Gewebeschadens und dem Verschmutzungsgrad sowie dem Alter und Allgemeinzustand des Patienten“ Immer jedoch beginne die Behandlung mit einer sorgfältigen Reinigung der Wunde von Dreck, Haaren, Fremdkörpern und abgestorbenem Gewebe. Hier komme auch oft das Skalpell zum Einsatz. Im nächsten Schritt gelte es, die verbliebenen Keime weitestmöglich abzutöten. Hier stehen heute wirksame und dabei zellschonende Antiseptika zur Verfügung: „Das beliebte Blauspray sowie Wasserstoffperoxid sind jedoch out“, betont Nolff, die Resident des European College of Veterinary Surgeons (ECVS) ist. „Sie sind toxisch und schaden den Zellen, die ja für Heilung sorgen sollen.“ Mit einem modernen Hautdesinfiziens werde die Wundheilung dagegen nicht beeinträchtigt. Und noch wichtiger: „Man kann damit viel Antibiose sparen“, ist sich Nolff sicher.

Den Einsatz von Antibiotika sieht die Kleintierchirurgin jedoch in besonderen Fällen gerechtfertigt. Etwa dann, wenn die Wunde infiziert ist und der Patient dabei fieberhaft und abgeschlagen ist. Auch Tiere, die an einer anderen schweren Allgemeinerkrankung oder einer Blutvergiftung leiden, benötigen von vornherein ein Antibiotikum, so die Expertin.

Sei die Gabe eines Antibiotikums unerlässlich, gelte es, den Wirkstoff so gezielt wie möglich einzusetzen. Deshalb sollte vorher immer ein Keimabstrich gemacht werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 50 Euro – viel Geld für manchen Tierbesitzer. Doch Nolff sieht alle in der Pflicht: „Antibiotika-Resistenzen sind ein Thema, das uns in den nächsten Jahrzehnten weiter beschäftigen wird. Nicht nur Human- und Tiermedizin, auch jeder Patient und Tierbesitzer tragen deshalb Verantwortung für einen bedachten Umgang damit.“ Und sie ergänzt: „Wir müssen wieder dahin kommen, dass wir Antibiotika nur bei Bedarf und auf das Keimspektrum abgestimmt einsetzen – und nicht aus Pragmatismus in diese Schublade greifen. Wunden, die wir nicht mit Antibiotika behandeln müssen, brauchen eben auch keines.“

Bei den Vorträgen mit Mirja Nolff im Rahmen der BBF erhalten Tierärzte einen fundierten Einblick in modernes Wundmanagement und die entsprechende Studienlage dazu: Auf welche Schritte kommt es an? Wie vermeidet man Störungen der Wundheilung? Welche wirksamen und schonenden Antiseptika stehen zur Verfügung? Welche Wundauflage ist wo am besten geeignet? Was muss man beim Einsatz von Antibiotika beachten? Und nicht zuletzt: Was Vakuumtherapie heute leisten kann.

Mehr über Wundmanagement erfahren Interessierte jetzt schon im Kongressvideo (Dauer: 1:59 Min.) mit Mirja Nolff unter https://www.youtube.com/watch?v=mP1ZH6JFwIs&feature=youtu.be

Die BBF Baden-Badener Fortbildungstage (www.bbf-kleintierkongress.de) finden vom 16. bis 18. Februar 2017 in Baden-Baden statt. Seit 29 Jahren treffen sich rund 1000 Tierärzte in der Kurstadt Baden-Baden, um sich fortzubilden, sich auf der Industrieausstellung oder beim Baden-Badener Tierärzteabend auszutauschen und die Stadt zu genießen.

Terminhinweise:

Vorträge zum Thema Wundmanagement auf den BBF 2017 mit Dr. med. vet. Mirja Nolff
Ort: Kongresshaus Baden-Baden
Adresse: Augustaplatz 10, 76530 Baden-Baden

Offene Wunden – Keineswegs eine tägliche Routine
Donnerstag, 16.2.2017
9.00–18.00 Uhr

Offene Wunden – Wundbeurteilung und „Erste Hilfe“
Freitag, 17.2.2017
14.00 –14.30 Uhr

Moderne Wundtherapie - Evidenz und Mythos
15.00 –15.30 Uhr

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