Studie: Landärzte sind überraschend zufrieden

fzm, Stuttgart, Januar 2016 – Wenn ein Arzt gerne in seinem Beruf arbeitet, profitieren davon auch seine Patienten. „Es ist bekannt, dass zufriedene Ärzte produktiver und effizienter arbeiten, weniger Fehlzeiten haben und länger im Beruf bleiben“, sagt Dr. Christin Löffler vom Institut für Allgemeinmedizin der Universität Rostock. Gerade in vom Ärztemangel bedrohten ländlichen Gebieten sei es daher dringend nötig, die Zufriedenheit der Hausärzte im Blick zu behalten. In einer Befragungsstudie haben Löffler und ihre Kollegen nun untersucht, wie es um die berufliche Zufriedenheit von Hausärzten im ländlich geprägten Mecklenburg-Vorpommern bestellt ist und welche Faktoren hierfür besonders wichtig sind. Ihre Ergebnisse stellen sie in der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ vor (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2015).

Die Rostocker Wissenschaftler hatten für ihre Studie sämtliche zum Befragungszeitpunkt in Mecklenburg-Vorpommern praktizierenden Hausärzte angeschrieben. Von 1133 Fragebögen erhielten sie etwas mehr als die Hälfte zurück. Von den 568 Teilnehmern gab knapp ein Viertel an, sehr zufrieden mit ihrem Beruf zu sein. Weitere 49 Prozent bezeichneten sich immerhin noch als „eher zufrieden“. „Diese hohen Zufriedenheitswerte haben uns überrascht“, sagt Christin Löffler − denn in der medialen Wahrnehmung gilt die hausärztliche Tätigkeit insbesondere im ländlichen Raum als eher undankbar. Dabei fühlten sich der Studie zufolge vor allem Frauen wohl. Auch waren jüngere Ärzte im Durchschnitt zufriedener als ihre Kollegen, die das 50. Lebensjahr bereits überschritten hatten.

Zur hohen Zufriedenheit der befragten Ärzte trugen hauptsächlich ein als gut empfundenes Arzt-Patienten-Verhältnis, eine faire Vergütung und die Vielfalt der allgemeinmedizinischen Behandlungsaufgaben bei. Kaum Einfluss hatte dagegen der Urbanisierungsgrad − auch Ärzte in strukturschwachen Regionen klagten nur selten über einen Mangel an kulturellen Angeboten.

Die geringsten Zufriedenheitswerte fanden sich in den Kategorien „Arbeitsbelastung“ und „administrative Verpflichtungen“. Über die Fülle der administrativen Aufgaben äußerten 52 Prozent starke bis sehr starke Unzufriedenheit. Als Belastung wurde auch die hohe Zahl der zu betreuenden Patienten empfunden: 57 Prozent der befragten Ärzte gaben an, diese sei in den letzten Jahren stark gestiegen. 74 Prozent wünschten sich in diesem Zusammenhang auch mehr Zeit für die Betreuung des einzelnen Patienten.
Löffler und ihre Kollegen analysierten auch, wie stark die einzelnen Faktoren zur Gesamtzufriedenheit beitragen. Dabei zeigte sich, dass gerade der administrative Aufwand zwar als stark negativ empfunden wurde, auf die Berufszufriedenheit insgesamt jedoch nur einen geringen Einfluss hatte. Viel bedeutsamer waren in diesem Zusammenhang etwa das Arzt-Patienten-Verhältnis, die Vergütung oder die Patientenversorgung. „Es scheint daher besonders wichtig, diese erwiesenermaßen positiven Faktoren zu stärken“, sagt Christin Löffler.

Aus der Studie wird zudem deutlich, dass Hausärzte besonders die Vielfalt der hausärztlichen Behandlungsaufgaben und die langfristige Beziehung zu ihren Patienten schätzen. Die positive Sicht auf den Landarztberuf sollte nach Ansicht von Löffler sowohl in der öffentlichen Darstellung, als auch in der universitären Ausbildung stärker zum Tragen kommen. Womöglich könnten sich dann auch wieder mehr Medizinstudenten vorstellen, später einmal eine Hausarztpraxis auf dem Land zu übernehmen.

C. Löffler et al.:
Was macht Ärzte glücklich? Berufszufriedenheit von Hausärzten in Mecklenburg-Vorpommern – eine repräsentative Querschnittsstudie
Das Gesundheitswesen 2015; 77 (12); S. 927−931