• Es gibt Suizidwünsche, die sich nicht dadurch aus der Welt schaffen lassen, dass sie pathologisiert werden

    Ärztlich assistierter Suizid

     

Es gibt Suizidwünsche, die sich nicht dadurch aus der Welt schaffen lassen, dass sie pathologisiert werden

Michael de Ridder im Gespräch mit Bettina Wilms und Maria Borcsa

PID: Wie sind Sie dazu gekommen, sich mit der Frage des ärztlich assistierten Suizids zu beschäftigen?

 

 Michael de Ridder: Ich bin seit mehr als 30 Jahren im ärztlichen Beruf tätig und befasse mich seit mehr als zehn Jahren mit den Problemen der Medizin am Lebensende. An den Anfang stellen möchte ich zweierlei. Zum einen, dass die Debatte um die ärztliche Suizidassistenz in der Diskussion um die Lebensendemedizin für mich eine nachgeordnete Rolle spielt. Wichtiger ist das Zulassen des natürlichen Sterbens, darüber später mehr. Zum anderen, dass ich sozusagen mit Haut und Haaren Palliativmediziner bin. Das heißt, ich würde alles dafür tun, jeden einzelnen Patienten, mit dem ich es zu tun habe, den Wert und die Reichweite der klassischen palliativmedizinischen Möglichkeiten zu eröffnen und sie ihm nahezulegen, weil ich glaube, dass es der Palliativmedizin und ihren Angeboten in nahezu allen Fällen gelingt, einem aussichtslos leidenden Patienten gerecht zu werden bzw. ihn umfassend und weitestgehend von seinen Qualen zu befreien, bis hin zur legalen palliativen Sedierung, das heiß unter Umgehung ärztlicher Hilfeleistung zum Sterben.

 

Und wenn man die etwa 400 terminal kranken Menschen betrachtet, die jährlich von der Bundesrepublik in die Schweiz fahren, um sich dort zu suizidieren, nach Beratung bei Exit oder bei Dignitas, dann würde ich sagen, von diesen 400 könnten wenigstens zwei Drittel auf die Reise in die Schweiz verzichten, weil es hier in Deutschland die legalen und natürlich auch ethisch korrekten Möglichkeiten gibt, friedlich zu sterben und nicht aussichtslos leiden zu müssen.

 

M. de Ridder, B. Wilms, M. Borcs

 

Aus der Zeitschrift PID 2/2012 · 13. Jahrgang

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