• Achtsamkeit

     

Achtsamkeitsbasierte Therapie

Jon Kabat-Zinn, der als einer der Ersten das Achtsamkeitsprinzip in den klinischen Kontext integrierte, definiert Achtsamkeit als die absichtsvolle, bewusste und nicht wertende Lenkung der Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Augenblick. Nach seinem Verständnis handelt es sich um eine Fähigkeit, die grundsätzlich jedem Menschen innewohnt. Welches medizinische und psychotherapeutische Potenzial allerdings damit verbunden ist, hat sich erst durch die Entwicklung achtsamkeitsbasierter Therapieverfahren und die gerade in jüngster Zeit schnell wachsende Forschung in diesem Bereich gezeigt.

Das Achtsamkeitsprinzip

Historischer Hintergrund

In allen Kulturen – auch in der westlich-christlichen – finden sich Praktiken zur Förderung einer achtsamen Haltung. Als wesentliches Element östlicher Meditationswege wurden diese Praktiken jedoch v. a. im Rahmen der jahrtausendealten buddhistischen Tradition kultiviert. In den hier vorgestellten achtsamkeitsbasierten Verfahren werden Meditationsformen eingesetzt, die mit nur geringen Veränderungen aus dieser Meditationstradition übernommen wurden. Dennoch ist das Achtsamkeitsprinzip an keinen bestimmten spirituellen oder kulturellen Kontext gebunden, weshalb Achtsamkeitsübungen auch unabhängig von religiösen Orientierungen und weltanschaulichen Haltungen praktizierbar sind.

Achtsamkeitsbasierte Verfahren übernehmen Teile überlieferter östlicher Meditationsformen.

Manche Autoren diskutieren jedoch, inwieweit die religiös-spirituelle Dimension der Meditation, die in den ursprünglichen buddhistischen Ansätzen zentral ist, ebenfalls in den therapeutischen Kontext integriert werden kann und soll und inwieweit ein Verzicht auf solche Aspekte das Potenzial achtsamkeitsbasierter Ansätze einschränkt. Heidenreich und Michalak weisen in diesem Zusammenhang zudem darauf hin, dass die religiös-spirituelle Dimension nicht notwendigerweise auf buddhistische/östliche Spiritualität beschränkt werden muss, sondern auch christliche/westliche Zugangswege beinhalten kann.

ACHTSAMKEIT

Eine häufig zitierte Definition stammt von Jon Kabat-Zinn, dem Begründer der achtsamkeitsbasierten Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction, MBSR). Er charakterisiert Achtsamkeit als

  • absichtsvolle,
  • nicht wertende
  • Lenkung der Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Augenblick.
Es ist eine alltägliche Erfahrung, dass wir uns während einer Tätigkeit gedanklich mit etwas anderem beschäftigen. Kabat-Zinn spricht in diesem Zusammenhang vom „Autopilotenmodus“. Eine zentrale Annahme achtsamkeitsbasierter Ansätze ist, dass dieser Autopilotenmodus flexibles und situativ angemessenes Handeln erschwert, da er automatisierte und starre Verarbeitungs- und Reaktionsmuster begünstigt (z. B. Rumination).

Ziel der Achtsamkeitspraxis ist es, das Bewusstsein wieder in den gegenwärtigen Augenblick zu holen und mit der aktuellen Tätigkeit in Übereinstimmung zu bringen – also beispielsweise beim Essen den Vorgang des Essens tatsächlich wahrzunehmen anstatt gleichzeitig fernzusehen, zu lesen oder gedanklich bei den Erledigungen des nächsten Tages zu sein. Absichtsvoll ist diese Aufmerksamkeitslenkung, weil sie mit dem bewussten Ziel verbunden ist, Achtsamkeit möglichst in allen Lebenssituationen aufrechtzuerhalten – und nicht wertend, weil die auftretenden Bewusstseinsinhalte nicht als positiv oder negativ, angenehm oder unangenehm kategorisiert werden, sondern einfach bewusst wahrgenommen werden sollen. Diese nicht wertende Haltung bezieht sich dabei auch auf die Tendenz des Bewertens an sich (d. h. auch der unvermeidliche Akt des Bewertens soll nicht bewertet werden).

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Achtsamkeitsbasierte Therapie

Aus der Zeitschrift PSYCH up2date 4/2012

 

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