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    Ein neuronales Hintergrundrauschen wurde beim ADHS schon lange vermutet, bislang aber nie belegt.

     

ADHS durch Hintergrundrauschen in Neuronen?

Bei Menschen mit ADHS scheint das sogenannte Hintergrundrauschen in Neuronen verstärkt zu sein. Diese aktuellen Erkenntnisse bieten möglicherweise neue Möglichkeiten der ADHS-Diagnostik.

Forscher des Universitätsklinikums Freiburg haben wahrscheinlich eine wesentliche Ursache für mangelnde Aufmerksamkeit, hohe Ablenkbarkeit und Hyperaktivität entdeckt. Für das sogenannte Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) könnte von Bedeutung sein, dass Nervenzellen verstärkt reizunabhängig aktiv sind, was als Hintergrundrauschen bezeichnet wird. Denn bei Testpersonen mit ADHS war das Rauschen verstärkt. Damit steht eventuell erstmals ein Test zur Verfügung, mit dem ADHS konkret diagnostiziert werden kann.

Bei der im Fachblatt PLoS ONE veröffentlichten Studie untersuchten Freiburger Forscher je 20 erwachsene Probanden mit und ohne ADHS mit einem Schachbrett-Muster-Elektroretinogramm (ERG). Die Probanden sehen dabei auf einem Bildschirm ein Schachbrettmuster, bei dem sich die hellen und dunklen Bereiche schnell vertauschen. Dabei wird die Aktivität der Ganglienzellen in der Netzhaut gemessen. Der Test wird bereits in vielen Augenkliniken zur Glaukomdiagnostik eingesetzt. Das gängige Verfahren der Muster-ERG ist nach Prof. Dr. Michael Bach, Physiker und Leiter der Sektion Funktionelle Sehforschung der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg, möglicherweise auch geeignet bei der Diagnostik und Therapiekontrolle von ADHS.

Ein neuronales Hintergrundrauschen wurde beim ADHS schon lange vermutet, bislang aber nie belegt. „Die Ergebnisse stützen unsere Annahme, dass das Hintergrundrauschen der pathophysiologische Mechanismus ist, der dem ADHS zugrundeliegt“, so Prof. Dr. Ludger Tebartz van Elst, Leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass das Hintergrundrauschen bei Dopaminmangel in den Gehirnzellen verstärkt ist – ebenfalls ein Befund bei ADHS.

Sollte sich bestätigen, dass die Aktivitätsveränderung für ADHS spezifisch ist, könnten die Erkenntnisse auch für die Diagnostik und Beurteilung des Therapieerfolgs von Bedeutung sein. „Es wäre das erste Mal für ADHS und einer der wenigen Fälle bei psychiatrischen Erkrankungen, in denen durch ein physiologisches Signal eine Erkrankung objektiv gemessen werden könnte“, sagt Dr. Emanuel Bubl, Erstautor der Studie und Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. „Unsere Hoffnung ist, dass wir damit in Zukunft den Therapieerfolg, zum Beispiel von bereits jetzt häufig eingesetzten Arzneimitteln wie Methylphenidat oder von Psychotherapien direkt messen können“, so Bubl. Aus Tierstudien gibt es bereits Hinweise, dass Medikamente wie Methylphenidat ihre Wirkung entfalten, indem sie das Hintergrundrauschen reduzieren.

Christine Vetter

 

 

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