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    Bewegungsprogramme können ergänzend oder alternativ zur medikamentösen Therapie in den Alltag und den Behandlungsplan von Kindern mit ADHS integriert werden. (Foto: © Sergey Novikov - Fotolia.com)

     

ADHS: Sport fördert die Kognition

Sportliche Aktivität kann die kognitiven Fähigkeiten – insbesondere die Aufmerksamkeit und die Gedächtnisleistung – von Kindern mit ADHS verbessern. Die Sportart scheint dabei keine Rolle zu spielen. Dies haben Sportwissenschaftlerinnen der Universität Regensburg in Kooperation mit einer Regensburger Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie nachgewiesen. Nach Ansicht der Forscher sind folglich Bewegungsprogramme bei der Therapie des ADHS sinnvoll.

Bei Kindern mit ADHS sind neben den Hauptsymptomen der Krankheit wie Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität oft auch gravierende Defizite im Bereich der motorischen und kognitiven Fähigkeiten zu beobachten. In früheren Untersuchungen konnten Forscherteams der Universität Regensburg bereits einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Fähigkeiten aufzeigen. Die Diplom-Sportwissenschaftlerin Susanne Ziereis und Professor Dr. Petra Jansen vom Institut für Sportwissenschaft haben daher untersucht, inwieweit Bewegungseinheiten einen positiven Einfluss auf Kinder mit ADHS haben können. Denn der Einfluss von Sport auf die Entwicklung von ADHS wurde nach Angaben der Wissenschaftlerinnen bislang kaum erforscht. Die Ergebnisse der Studie werden in der Fachzeitschrift „Research in Developmental Disabilities“ veröffentlicht.

Konkret prüften Ziereis und Jansen in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Praxis Manfred Wurstner in Regensburg, inwieweit unterschiedliche Sport-Trainingsprogramme die kognitiven Fähigkeiten von Kindern mit ADHS beeinflussen. 43 Kinder im Alter von
7 bis 12 Jahren (32 Jungen und 11 Mädchen) nahmen an der Studie teil. Sie wurden in drei Gruppen eingeteilt, zwei Interventionsgruppen und eine Kontrollgruppe.

Beide Interventionsgruppen nahmen an einem zwölfwöchigen, jedoch in beiden Gruppen unterschiedlichen motorischen Trainingsprogramm teil. Ein Trainingsprogramm beinhaltete beispielsweise spezielle Übungen zur Handgeschicklichkeit, der Ballfertigkeit und der Balance. Im zweiten Programm lag der Schwerpunkt auf Sportarten, bei denen eben diese Fähigkeiten nicht oder kaum gefordert waren. Vor und nach der ersten Trainingseinheit sowie im Anschluss an die gesamte Trainingsphase wurden die kognitive und motorische Leistungsfähigkeit der Kinder erfasst.

Die Ergebnisse der Studie waren eindeutig: Kinder, die an einem der beiden Trainingsprogramme teilnahmen, zeigten eine signifikante Leistungssteigerung im Bereich der kognitiven Funktionen. Demgegenüber stagnierten die entsprechenden Leistungen bei der Kontrollgruppe. Die Regensburger Wissenschaftlerinnen folgerten daraus, dass sportliche Aktivität im Allgemeinen zu einer Verbesserung der Aufmerksamkeit und der Gedächtnisleistung von Kindern mit ADHS beitragen kann.

Entsprechend dieser Beobachtungen sind gezielte Bewegungsprogramme laut Ziereis und Jansen eine geeignete Methode zur Reduktion bestehender kognitiver Defizite. Die Bewegungsprogramme können ergänzend oder alternativ zur medikamentösen Therapie in den Alltag und den Behandlungsplan von Kindern mit ADHS integriert werden.

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