• Wenig erfahrene Ärzte leiden vermehrt unter Stress - Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik - Thieme Verlag

     

Wenig erfahrene Ärzte leiden vermehrt unter Stress

Vor allem wenig erfahrene Ärzte leiden unter einer erheblichen Stressbelastung. Hauptursache sind zu viel Bürokratie und Dokumentationspflichten, so das Ergebnis einer von den Asklepios-Kliniken initiierten Online-Umfrage.

Jeder vierte Arzt empfindet das Stresslevel während eines durchschnittlichen Arbeitstages als „hoch“, nur 8 Prozent geben es als „moderat“ an und zwei Drittel als „mittelhoch“. Das zeigt die Studie „Stress und Resilienz“, die im Auftrag der Asklepios-Kliniken von DocCheck durchgeführt wurde. Dabei wurden 162 Ärzte aus Krankenhäusern unterschiedlicher Trägerschaft und Praxen in ganz Deutschland online nach ihrem Stresserleben im Tagesalltag befragt. Die Umfrage ergab weiter, dass mit 28 Prozent ein höherer Anteil der Ärzte im Krankenhaus einen hohen Stresslevel empfindet als in der Praxis (22 Prozent). Auch wird die Stressbelastung in der Klinik mit 43 Prozent deutlich häufiger als negativ erlebt als in einer Praxis (32 Prozent).

Rund ein Drittel der befragten Ärzte leidet aufgrund von negativem Stress „regelmäßig“ oder „häufig“ unter körperlichen Symptomen wie Kopf- oder Rückenschmerzen, Migräne, Schlafstörungen, Ohrgeräuschen/Hörsturz, Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Problemen oder Hauterkrankungen. Mit 22 Prozent gibt etwa jeder fünfte Arzt an, regelmäßig oder häufig psychische Beschwerden wie Niedergeschlagenheit, Konzentrationsprobleme, Nervosität und Unruhe, Ängste und Panikattacken aufgrund von negativem Stress zu verspüren. Dabei sind die Assistenzärzte mit 47 Prozent bei körperlichen und 32 Prozent bei psychischen Beschwerden besonders stresssensibel. Wird ein hohes Stresslevel erlebt, bei dem zudem der negative Stress überwiegt, kommt es besonders häufig zu Beschwerden.

Hauptursache von Stress sind der Studie zufolge „zu viel Bürokratie“ sowie „Dokumentationspflichten“, „Arbeitsverdichtung“ und „zu wenig Zeit pro Patient“ gefolgt von „keine Zeit für Pausen“ und „Druck zur Wirtschaftlichkeit“. Am wenigsten beeinträchtigend sind demnach „häufige Wechsel bei den Kollegen“, „Personalmangel“ und „Druck durch Vorgesetzte, Therapien durchzuführen“.

Unterschiede zeigen sich zudem entsprechend der Erfahrung der befragten Ärzte. So reagieren speziell noch wenig erfahrene Mediziner mit einem erhöhten Stresserleben auf die Dokumentationspflichten (58 Prozent). Bei leitenden Ärzten sinkt der Anteil auf 46 Prozent, ebenso wie bei Praxisinhabern. Anders jedoch bei angestellten Ärzten in der Praxis: Nur 28 Prozent von ihnen gaben bürokratische Hindernisse als Stressursache an, hingegen fühlen sich 44 Prozent durch zu wenig Zeit pro Patient besonders belastet.
Dabei empfinden insbesondere junge Ärzte in der Klinik das Stresslevel als hoch und den Stress als negativ. Nach den Dokumentationspflichten kommen die mit Zeitmangel verbundenen Faktoren besonders zum Tragen: Arbeitsverdichtung, zu wenig Zeit pro Patient und keine Zeit für Pausen. Daher wünschen sich vor allem Ärzte mit einem hohen Stresslevel und überwiegend negativem Stress am meisten mehr Zeitreserven als Puffer für Unvorhergesehenes und Notfälle. An zweiter Stelle wurden in der Erhebung als Wunsch mehr Familienfreundlichkeit genannt, gefolgt von mehr Möglichkeiten, Aufgaben zu delegieren und mehr kollegialer Supervision und Beratung. Mit 86 Prozent ist zudem die Mehrheit der Befragten der Meinung, dass mehr Entscheidungsspielräume den negativen Stress vermindern könnten und 80 Prozent sehen Weiterbildungen als Entlastung an, da sie sich vom zusätzlich erworbenen Wissen versprechen, sicherer und effektiver arbeiten zu können.

„Die Ergebnisse der Umfrage machen nachdenklich und zeigen, wie sehr und warum gerade junge Ärzte und Berufsanfänger in deutschen Kliniken unter Druck stehen“, sagt Dr. Thomas Wolfram, Konzerngeschäftsführer der Asklepios Kliniken. „Bürokratie und zunehmender Dokumentierungszwang lassen den Kollegen immer weniger Zeit zu ihrer eigentlichen Arbeit, also dem Dienst am Patienten“, so Wolfram weiter.

Weitere Resultate der Online-Befragung: Während der Arbeit helfen der Hälfte der Ärzte kurze Gespräche mit Kollegen, 43 Prozent greifen zu Süßigkeiten oder Snacks und 39 Prozent lesen oder surfen im Internet. Mit jeweils sechs Prozent greift nur eine Minderheit im Extremfall zu einem Medikament oder macht eine Zigarettenpause. Gut jeder zweite Klinikarzt berichtet über mindestens ein Angebot zur Entspannung und Stressverarbeitung. So gibt es bei 14 Prozent der Befragten eine Kooperation mit einem Sportverein oder einem Sportstudio oder Kurse zur Entspannung, jeweils 12 Prozent werden Fitnesskurse oder Betriebssport angeboten. Knapp jeder zweite Arzt nutzt eines dieser Angebote. Auch Asklepios hält Sport-, Bewegungs- und Entspannungsangebote für seine Mitarbeiter bereit.


Quelle: Pressemitteilung der Asklepios-Kliniken Hamburg GmbH, 13. Juli 2017

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