• Ärztlich assistierter Suizid - Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik - Thieme Verlag

     

Ärztlich assistierter Suizid - Umfrage zu § 217 StGB

Die Debatte um Medizin am Lebensende und die Grenzen ärztlichen Handelns ist weiterhin aktuell. Im letzten Jahr sah die Europäische Palliativgesellschaft (EAPC) die Notwendigkeit, zu Euthanasie und ärztlich assistiertem Suizid Stellung zu nehmen und zum Ausdruck zu bringen, dass „Euthanasie kein Teil der Palliativversorgung ist“.

In Deutschland hat der Deutsche Bundestag am 06. November 2015 einen Gesetzesentwurf angenommen, der die geschäftsmäßige Hilfe zum Suizid unter Strafe stellt. Vorstand und Experten der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) hatten bereits zuvor Stellung bezogen und sich klar positioniert: Hilfe beim Sterben: Ja, Hilfe zum Sterben: Nein. Gleichzeitig wurde aber auch Kritik an der neuen gesetzlichen Regelung laut.

Anlässlich dieser aktuellen Entwicklungen wurde auf einem Palliativkongress eine Befragung der Teilnehmer zu dem verabschiedeten Gesetzentwurf durchgeführt. Diese Befragung war Teil einer Reihe von 3 Befragungen zum Themenkomplex Entscheidungen am Lebensende. Die ersten beiden orientierten sich an dem etablierten Fragebogen von Seale und hatten keine einheitliche Ablehnung von lebensbeendenden Methoden gezeigt. Die letzte Befragung von 2013 hatte gezeigt, dass eine deutliche Mehrheit der Befragten bei Wünschen nach Lebensbeendigung sowohl Kollegen konsultieren als auch einen längeren Therapieversuch unternehmen würde. Dies ist insoweit wichtig, als die Frage nach „Sterbehilfe“ allein den Aspekt einer Symptombehandlung außer Acht lässt. Eine Untersuchung von Schildmann et al. hatte aufgezeigt, dass 34 % ein berufsrechtliches Verbot der Assistenz zur Selbsttötung ablehnten. In der Diskussion um eine mögliches Verbot einer geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe ist von Kollegen und Juristen auch betont worden, dass der letztlich verabschiedete Gesetzentwurf insbesondere Palliativmediziner in ihrer Arbeit und ihrem Vertrauensverhältnis zum Patienten betreffen würde. Von juristischer Seite wandte man sich gegen „moralistisch und paternalistisch begründete strafrechtliche Verbote der Suizidbeihilfe“ und sah selbst bei einmaligem Hinweis auf Suizidbeihilfe im Ausland das Risiko der Strafbarkeit für einen Arzt. Daher sollte jetzt untersucht werden, wie Ärzte und Pflegekräfte aus dem Bereich Palliativmedizin zu dem Gesetz (§ 217 StGB) stehen, und ob sie sich davon in ihrer täglichen Arbeit beeinflusst oder sogar behindert fühlen.

§ 217 STGB: GESCHÄFTSMÄSSIGE FÖRDERUNG DER SELBSTTÖTUNG

  • (1) Wer in der Absicht, die Selbsttötung eines anderen zu fördern, diesem hierzu geschäftsmäßig die Gelegenheit gewährt, verschafft oder vermittelt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
  • (2) Als Teilnehmer bleibt straffrei, wer selbst nicht geschäftsmäßig handelt und entweder Angehöriger des in Absatz 1 genannten anderen ist oder diesem nahesteht.
    Die vorliegende Befragung wurde auf einem Palliativkongress im März 2016 durchgeführt. Teilnehmer waren Ärzte, Juristen, Psychologen, Theologen, Ehrenamtliche und Pflegekräfte mit Interesse am Bereich Palliativmedizin. Der Fragebogen wurde zusammen mit dem Evaluationsbogen und den Kongressunterlagen ausgehändigt und sollte bis zum letzten Tag des Kongresses abgegeben werden. Insgesamt 950 Teilnehmer waren registriert, davon 337 Akademiker und 509 Pflegekräfte/Ehrenamtliche. Ausgewertet wurden nur die Fragebogen der deutschen Ärzte und Pflegekräfte.

Der erste Teil des Fragebogens bezog sich auf Angaben zur Person des Befragten: Alter, Geschlecht, Beruf, Zusatzqualifikation und Religiosität. Der zweite Teil des Fragebogens bezog sich inhaltlich auf den neuen § 217 StGB. Der Text des § 217 StGB wurde auf dem Fragebogen hinter den Angaben zur Person mit abgedruckt. Der Fragebogen beschäftigte sich in Form einer Likert-Skala mit den Auswirkungen der Gesetzesänderung auf die Selbstbestimmung des Patienten, die Gewissensfreiheit des Arztes und die Rechtssicherheit. Des Weiteren wurde gefragt, ob die Befragten das neue Gesetz sinnvoll finden, und ob sie in der Ausübung ihres Berufes Suizidbeihilfe leisten wollten. Schließlich wurde gefragt, ob die Befragten das Gesetz bereits vor der Befragung kannten.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Ärztlich assistierter Suizid - Umfrage zu § 217 StGB


Aus der Zeitschrift DMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift 05/2017

 

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