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Frauen mit alkoholbezogenen Störungen und Traumaerfahrungen

Posttraumatische Störungen gehören zu den häufigsten Komorbiditäten bei Patientinnen mit substanzbezogenen Störungen. In den letzten Jahren wurden evidenzbasierte Therapieansätze zur Behandlung dieser Komorbidität auch im deutschsprachigen Raum verfügbar gemacht. Bei „Sicherheit finden“ handelt es sich um ein stabilisierendes Therapieprogramm, das an unterschiedliche therapeutische Settings adaptiert werden kann. Im Folgenden werden wesentliche Therapieprinzipien des Programms dargestellt und anhand eines Fallbeispiels illustriert.

Frauen mit alkoholbezogenen Störungen haben auffallend häufig Biografien, die von traumatischen Erfahrungen, wie sexueller, körperlicher und emotionaler Gewalt oder Vernachlässigung geprägt sind. Alle, die an ihrer Beratung und Therapie beteiligt sind, erfahren das in ihrer täglichen Arbeit. Die Häufigkeit einer komorbiden Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) wird bei Personen mit alkoholbezogenen Störungen von den meisten Studien mit 15–30% angegeben, wobei Frauen höhere Raten aufweisen als Männer. Da es sich zumeist um wiederholte Traumatisierungen durch nahe Bezugspersonen handelt, liegen neben Symptomen der PTBS oft weitere Folgen komplexer traumatischer Erfahrungen vor. Dies kann Probleme mit der Affekt- und Impulsregulation betreffen, negative kognitive Schemata oder eine unzureichende Selbstfürsorge, etwa Probleme damit sich regelmäßig zu ernähren oder medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn dies notwendig ist. Dieses Spektrum von Symptomen trägt dazu bei, dass eine langfristige Stabilisierung der alkoholbezogenen Störung nur schwer möglich ist, wenn nicht auch die Traumafolgen spezifisch berücksichtigt werden. So lassen sich bei vielen Betroffenen Zusammenhänge zwischen den Folgen traumatischer Erfahrungen und dem (fortgesetzten) Konsum nachvollziehen. Alkohol und andere Substanzen stellen dann oft eine Bewältigungs- oder sogar Überlebensstrategie dar. Dennoch erhalten Betroffene oft nicht die notwendige Unterstützung, um der Spirale aus Trauma und Sucht zu entkommen und den Substanzkonsum durch bessere Bewältigungsstrategien zu ersetzen. Aufgrund fehlender Weiterbildung zu Traumatisierungen und Traumafolgen sowie dem Mangel an evidenzbasierten Therapieansätzen, herrschte in weiten Teilen des Hilfesystem lange Unsicherheit zum Umgang mit der „Doppeldiagnose“ von Sucht und Traumafolgen. Dies hat sich in jüngerer Zeit geändert, was auch in der S3-Leitlinie zur Behandlung alkoholbezogener Störungen zum Ausdruck kommt. Inzwischen liegen Untersuchungen vor, die belegen, dass sowohl eine traumafokussierte Therapie der PTBS („Expositionstherapie“) als auch die stabilisierende Behandlung komplexer Traumafolgen bei Klientinnen und Klienten mit alkoholbezogenen Störungen sicher und effektiv angewendet werden können. Liegen komplexe Traumafolgen vor, ist jedoch grundsätzlich ein Einstieg über stabilisierende Ansätze notwendig, um Verbesserungen in grundlegenden Lebensbereichen zu erzielen, Therapiemotivation aufzubauen und somit ein Fundament für weitere therapeutische Schritte zu legen. Ein stabilisierender Ansatz, dessen Wirksamkeit in empirischen Studien belegt werden konnte, ist das Therapieprogramm „Sicherheit finden“.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Integrative Behandlung von Frauen mit alkoholbezogenen Störungen und Traumaerfahrungen

Aus der Zeitschrift Suchttherapie 3/2015

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