• Suizidalität

    Weltweit nehmen sich jedes Jahr mehr als 800.000 Menschen das Leben.

     

Alle 40 Sekunden ereignet sich ein Suizid

Anlässlich des Welt-Suizid-Präventionstages am 10. September 2014 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den ersten umfassenden Suizid-Bericht vorgestellt. Demnach nehmen sich weltweit jedes Jahr mehr als 800.000 Menschen das Leben – dies entspricht einem Suizid alle 40 Sekunden.

 

In Deutschland haben sich die Suizidraten laut WHO-Bericht seit den 80er Jahren zwar nahezu halbiert, seit 2008 nimmt die Suizidhäufigkeit jedoch wieder zu. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung fordert die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) größere gesellschaftliche Anstrengungen, um die ursächlichen Mechanismen besser zu verstehen und die Prävention von Suiziden zu verbessern.

Mit hierzu beitragen soll der Welt-Suizid-Präventionstag, der seit 2003 alljährlich am 10. September begangen wird. Der Aktionstag soll die Bevölkerung dafür sensibilisieren, dass der Freitod ein enormes Problem in unserer modernen Welt darstellt. Die nunmehr im WHO-Bericht dargelegte Zahl von 800.000 Suiziden pro Jahr zeigt dabei nur die Spitze eines Eisbergs. Denn auf jeden vollendeten Suizid kommen 20 Suizidversuche, heißt es in einer Erklärung der DGPPN.

Etwa drei von vier Fällen ereignen sich in ärmeren Staaten. In Deutschland liegen die Suizidraten knapp unter dem weltweiten Durchschnitt. Generell bestehen dabei in den westlichen Ländern deutliche Unterschiede bei der Suizidhäufigkeit, was laut DGPPN auf soziokulturelle Einflussfaktoren schließen lässt. So können beispielsweise der Alkoholkonsum, die übliche soziale und zwischenmenschliche Unterstützung und auch die Qualität der medizinischen Versorgung eine Rolle spielen. Denn solche Faktoren haben Einfluss auf die Art und Weise, wie Menschen mit Lebenskrisen, Schicksalsschlägen und Krankheiten umgehen.

Damit steht außer Frage, dass eine Suizidprävention möglich ist. „Bis zu 90 Prozent der Suizidopfer sind psychisch krank und leiden an gut behandelbaren psychischen Erkrankungen wie Depression und Alkoholabhängigkeit. Der Prävention kommt deshalb allerhöchste Priorität zu“, erklärt dazu Professor Dr. Wolfgang Maier, Präsident der DGPPN. Allerdings bedauert die Fachgesellschaft nach wie vor bestehende Defizite bei der Erforschung der Suizidalität, ein Phänomen, dass seine Ursachen zum einen in der gesellschaftlichen Stigmatisierung des Themas und zum anderen in der multifaktoriellen Ätiologie haben dürfte: So können gesundheitliche, ökonomische, kulturelle, soziale und moralische Einflüsse zum Tragen kommen. „Um die der Suizidalität zugrundeliegenden Mechanismen besser zu verstehen, muss die Suizidforschung intensiviert werden. Dabei kann es hilfreich sein, Suizidalität als eigenständige Störung zu definieren“, so Maier.

Der Mediziner fordert darüber hinaus Awareness-Programme zur Suizidproblematik in der Öffentlichkeit. „Dann könnten Warnsignale früher erkannt und Berührungsängste mit diesen sensiblen Themen reduziert werden“, betont der DGPPN-Präsident. Aus Sicht der Fachgesellschaft sollten Politik, Gesundheitsbehörden, Wissenschaft und die Gesundheitsberufe in dieser Hinsicht noch enger als bisher kooperieren. Maier: „Die Prävention von Suiziden ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und lässt sich nur durch höchste gemeinsame Anstrengungen lösen.“

Titel zum Thema

Psychotherapie im Dialog - Suizid
Maria Borcsa, Bettina WilmsPsychotherapie im Dialog - Suizid

EUR [D] 39,00Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.