• Ambulante Therapie

     

Ambulante Verhaltenstherapie bei Psychosen

Patienten mit Psychosen profitieren von einer ambulanten Verhaltenstherapie. Sie zeigen eine deutliche Besserung der Symptomatik, können ihren Alltag besser bewältigen und sind insgesamt zufriedener mit ihrem Leben, so das Ergebnis einer aktuellen klinischen Studie.

Die medikamentöse Behandlung gilt bei Psychosen in aller Regel als Therapie der Wahl. Die Wirksamkeit ist belegt, allerdings helfen Medikamente nicht jedem Patienten und es gibt zum Teil beeinträchtigende Nebenwirkungen. Viele Patienten wünschen sich zudem eine über die Medikation hinausgehende Therapie. „Studien aus England zeigen, dass die kognitive Verhaltenstherapie unter streng kontrollierten Bedingungen eine wirksame Möglichkeit ist, Psychosen zu behandeln“, sagt Professor Dr. Tania Lincoln, Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Hamburg. „Wir wollten daher wissen, ob sich die positiven Effekte auch zeigen, wenn die Therapie unter Routinebedingungen in der ambulanten Versorgung in Deutschland durchgeführt wird.“

Die Forscher rekrutierten für ihre Studie 80 Patienten, die mit der Diagnose einer Schizophrenie oder einer anderen Psychose eine ambulante Therapie erhielten. Die Patienten wurden randomisiert in eine Gruppe mit sofortigem Therapiebeginn und eine „Wartegruppe“ mit einem Behandlungsbeginn nach vier Monaten. Die Behandlung umfasste im Durchschnitt 25 Sitzungen, wobei die Patienten lernen sollten, wie sie mit belastenden Symptomen umgehen und wie sie ihre wahnhaften Überzeugungen infrage stellen können. Die Betroffenen trainierten ferner, psychotische Episoden frühzeitiger zu erkennen um sie abzumildern oder sogar zu verhindern. In beiden Gruppen wurde die medikamentöse Behandlung fortgeführt.

Vor und nach der Behandlung sowie ein Jahr später bestimmten die Forscher für jeden Patienten die objektive Schwere der Symptome, die Alltagsbewältigung und subjektive Veränderungen. In standardisierten Interviews wurden positive Symptome wie zum Beispiel Wahnvorstellungen sowie negative Symptome wie zum Beispiel eine abgeflachte Stimmung sowie die allgemeine Psychopathologie (Ängstlichkeit, Anspannung) erfragt. Die Interviews wurden auf Video aufgezeichnet. Zwei unabhängige Gutachter beurteilten anhand der Videos die objektive Symptomschwere und die Alltagsbewältigung für jeden Patienten. Die subjektiven Veränderungen wurden durch Fragebögen ermittelt, über die die Patienten zu Veränderungen ihrer Lebenszufriedenheit, Selbstfürsorge und Alltagsbewältigung befragt wurden.

Beim Vergleich der Daten beider Gruppen zeigte sich insgesamt in der Therapiegruppe eine deutlich größere Verbesserung der Symptome als in der Wartegruppe. Mehr als 90 Prozent der Patienten der Therapiegruppe erlebte die Maßnahmen als hilfreich oder sehr hilfreich und verspürte eine subjektive Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens. Die Zufriedenheit der Patienten spiegelte sich auch in der tatsächlich gemessenen Ausprägung der Symptomatik wider. So zeigten Patienten der Therapiegruppe im Vergleich zur Wartegruppe eine deutliche Verbesserung bei der Positivsymptomatik und bei der Depressivität. Außerdem konnten sie ihren Alltag besser bewältigen. Die Behandlungseffekte waren auch nach einem Jahr noch stabil. Lediglich bezüglich der Negativsymptomatik gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die kognitive Verhaltenstherapie bei Psychosen ein effektives Hilfsangebot für Patienten in der ambulanten Versorgung darstellt“, sagt Tania Lincoln. „Unsere Ergebnisse sollten niedergelassene Verhaltenstherapeuten ermuntern, Patienten mit Psychosen in die ambulante Versorgung aufzunehmen und die Patienten sollten diese Therapieform von ihren Behandlern einfordern.“

 

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