• Antipsychotika – Ranglisten zeigen klinisch relevante Unterschiede

    Welche Antipsychotika bei der Behandlung von Schizophrenie bevorzug eingesetzt werden sollten ist bislang umstritten.

     

Antipsychotika – Ranglisten zeigen klinisch relevante Unterschiede

Welche Antipsychotika bei der Behandlung von Schizophrenie bevorzug eingesetzt werden sollten ist bislang umstritten. S. Leucht et al. haben nun 15 Antipsychotika bezüglich der Wirksamkeit, des Risikos für einen Therapieabbruch und ihrer Hauptnebenwirkungen verglichen.

Lancet 2013; 382: 951–962

 

Bei der Studie handelt es sich um eine Netzwerk-Metaanalyse. Das Besondere an dieser Methode: es werden nicht nur wie sonst bei Metaanalysen üblich, die direkten Vergleiche von Medikamenten berücksichtigt, die bereits in randomisierten Studien gegeneinander angetreten sind, sondern es werden auch indirekte Vergleiche berücksichtigt. So können Aussagen über Vergleiche von Medikamenten getroffen werden, die bislang nicht in Studien berücksichtigt wurden.

Üblicherweise werden bei diesen Studien 2 Ranglisten erstellt: eine für die Wirksamkeit und eine für die Verträglichkeit. Als Maß für die Verträglichkeit werden dabei bspw. das Absetzen bzw. Umstellen der Medikation gewertet. Das hat den Nachteil, dass auch Umstellungen wegen unzureichender Wirksamkeit in die „Verträglichkeitsrangliste“ eingehen. Deshalb haben S. Leucht et al. für die Verträglichkeit neben einer allgemeinen Rangliste 5 weitere Ranglisten aufgestellt und zwar jeweils eine für die wichtigsten Nebenwirkungen (z. B. Gewichtszunahme oder extrapyramidalmotorische Nebenwirkungen).

 

Atypika sind nicht wirksamer

Verglichen wurden die Typika Chlorpromazin und Haloperidol mit 13 verschiedenen Atypika. Auf diese Weise erhielten die Autoren zahlreiche klinisch relevante Ergebnisse. Bezogen auf die Wirksamkeit schnitt Clozapin erwartungsgemäß am besten ab (Effektstärke 0,88; Platz 1), dicht gefolgt von Amisulprid (Effektstärke 0,66; Platz 2). Die Effektstärke von Haloperidol (0,45; Platz 7) war vergleichbar mit der von Quetiapin (0,44; Platz 8) und Aripiprazol (0,43; Platz 9). Nur kleine Effektstärken hatten Ziprasidon (0,39; Platz 11) und Chlorpromazin (0,38; Platz 12). Der Ranglistenplatz von Chlorpromazin wurde jedoch deutlich höher (Platz 6), wenn nur Studien mit Dosierungen über 500 mg / Tag berücksichtigt wurden.

Wie zu erwarten war, führten Olanzapin und Clozapin zu den stärksten Gewichtszunahmen (Effektstärke 0,74 und 0,65; Platz 1 und 2). Aber auch unter Chlorpromazin wurden deutliche Gewichtszunahmen beobachtet (Effektstärke 0,55; Platz 5). Diese waren größer als die unter Quetiapin und Risperidon (Effektstärke 0,43 und 0,42; Platz 7 und 8). Bei den extrapyramidalmotorischen Nebenwirkungen führt Haloperidol die Rangliste an (Odds Ratio [OR] 4,76; Platz 1). Risperidon und Chlorpromazin führten allerdings etwa gleich häufig zu extrapyramidalmotorischen Nebenwirkungen (OR 2,09 und 2,65; Platz 5 und 3).

 

Fazit

Die einfache Zweiteilung in „Typika“ und „Atypika“ ist nach Meinung der Autoren überholt. Atypische Antipsychotika als Gruppe sind nicht wirksamer als ihre Vorgänger und auch in den Nebenwirkungen gibt es erhebliche Überschneidungen. Die Studie ermöglicht Rangreihen für die Wirksamkeit und 6 wichtige Nebenwirkungen zu bilden. Solche Rangreihen sollen Ärzten helfen, die Wahl der Antipsychotika auf den Patienten individuell anzupassen, so die Autoren.

Aus der Zeitschrift Fortschritte Neurologie Psychiatrie 2014; 82(01): 3