• Therapeutenwechsel_D

     

Auswirkungen eines Therapeutenwechsels in der laufenden Behandlung

Therapeutenwechsel (z. B. durch Jobwechsel oder Elternzeit des Therapeuten) sind ein häufiges Phänomen in der klinischen Praxis. Die Konsequenzen eines solchen Wechsels auf den Patienten sind jedoch bisher kaum erforscht. Ziel dieser Studie war es, die Auswirkungen eines Therapeutenwechsels, in der ambulanten Psychotherapie zu untersuchen. Sitzungsweise erhobene Daten zur therapeutischen Allianz und zur Symptombelastung wurden hierzu ausgewertet.

Die therapeutische Allianz ist ein wichtiger Faktor in der Psychotherapie, der sowohl den Therapieprozess als auch dessen Ergebnis beeinflusst. Ein Wechsel des Therapeuten innerhalb einer Behandlung hat daher möglicherweise einen Einfluss auf die Arbeitsbeziehung. Eine Interpretation als „Verlust“ des ursprünglich behandelnden Therapeuten, hat unter Umständen sogar negative Auswirkungen auf die Symptombelastung der Patienten zur Folge. Das Ziel dieser Studie war es daher, den Einfluss von Patiententransfers auf die Allianz und die Symptome in den Sitzungen nach dem Transfer in kognitiv-behavioraler Therapie zu untersuchen.

Methode
Die von Patient und Therapeut bewertete therapeutische Allianz und die vom Patienten berichtete Symptombelastung wurde von Sitzung zu Sitzung mit psychometrischen Fragebögen erhoben. Die Differenzen im Niveau der Allianz und der Symptombelastung vor (d. h. mit dem abgebenden Therapeuten) und nach (d. h. mit dem neuen aufnehmenden Therapeuten) der Übergangssitzung gingen in die Analyse mit ein. Mittels hierarchischen Wachstumsmodellen wurde die Entwicklung der Allianz und der Symptombelastung nach dem Wechsel analysiert. Verschiedene Prädiktoren wurden in Hinblick auf ihren Einfluss auf diese Entwicklung untersucht.

Ergebnisse
Unmittelbar nach dem Transfer konnte ein signifikanter Abfall der Allianz beobachtet werden: Die Allianz wurde bei dem aufnehmenden Therapeuten also schlechter bewertet als beim Vorherigen. Allerdings konnte das gleiche Allianzniveau wie beim abgebenden Therapeuten nach etwa 3 Sitzungen wiederhergestellt werden. Schätzten die Therapeuten die Allianz ein, dauerte es rund 5 Sitzungen, bis das vorherige Niveau erreicht war. Patienten zeigten inter-individuelle Unterschiede in der Entwicklung der Allianz nach dem Wechsel. In Bezug auf die Symptombelastung schien ein Therapeutenwechsel keinen negativen Einfluss zu haben.

FAZIT: Wenn Patienten einem Therapeutenwechsel zustimmen, so scheint dies im Durchschnitt keine negativen Auswirkungen auf die Behandlung zu haben. Ein Therapeutenwechsel ist daher per se nichts Negatives und kann unter Umständen sogar positive Impulse für die Weiterbehandlung bieten. Allerdings scheint es einigen Patienten besser zu gelingen, mit dem neuen Therapeuten wieder eine gute Arbeitsbeziehung aufzubauen als anderen. Zukünftige Forschung sollte daran anknüpfen, um besser zu verstehen, welche Faktoren für einen erfolgreichen Patiententransfer essenziell sind. So können Patienten besser darauf vorbereitet werden und negative Auswirkungen auf das Therapieergebnis oder ein Therapieabbruch vermieden werden. 

Zimmermann D. et al.

Aus der Zeitschrift PiD - Psychotherapie im Dialog - Narzissmus

 

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