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    Bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) wird ein einzelnes Spermium unter dem Mikroskop in eine Eizelle injiziert. (Bild: © digitalbalance / Fotolia.com)

     

Autismus – Mentale Retardierung durch In-vitro-Fertilisation?

Zahlreiche Paare kommen durch In-vitro-Fertilisation (IVF) doch noch zu ihrem Wunschkind. Doch wie steht es um die neurologische Entwicklung dieser Kinder? Der Frage, ob die IVF eventuell das Risiko für Autismus oder mentale Retardierung erhöht, sind S. Sandin et al. nun nachgegangen.

JAMA 2013; 310: 75–84

 

S. Sandin et al. untersuchten, wie sich Kinder in Schweden, die zwischen 1982 und 2007 nach einer IVF geboren wurden, in den ersten Lebensjahren entwickelten. Die Autoren entnahmen die Daten dem schwedischen Gesundheitsregister. Sie untersuchten dabei die Kindesentwicklung nach verschiedenen Formen der IVF. Bei männlicher Infertilität wird in der Regel eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) vorgenommen. Dabei können die Spermien chirurgisch entnommen werden (testikuläre Spermienextraktion, TESE) oder sie stammen aus einem Ejakulat. Des Weiteren können die Embryonen entweder frisch oder als gefrorene Embryonen transferiert werden. Die verschiedenen Methoden hängen dabei mit unterschiedlichen Risiken für die neurologische Entwicklung des Kindes zusammen.

 

Risiko für mentale Retardierung

Von über 2,5 Mio. Kindern, die in Schweden zwischen 1982 und 2007 zur Welt kamen, wurden 30 959 (1,2 %) mittels IVF gezeugt. Die Follow-up-Zeit betrug im Mittel 10 Jahre. Insgesamt litten 6959 Kinder an Autismus; 15 830 Kinder waren mental retardiert. Als mentale Retardierung galt hierbei ein Intelligenzquotient von unter 70 bei fehlenden Anpassungsleistungen. 103 (1,5 %) der autistischen Kinder und 180 (1,1 %) der mental retardierten wurden mittels IVF gezeugt. Das relative Risiko für eine autistische Störung nach IVF lag im Vergleich zur spontanen Konzeption bei 1,14 (95 %-Konfidenzintervall [KI] = 0,94–1,39). Das entspricht einer Inzidenzrate von 19 vs. 15,6 Fällen pro 100 000 Personenjahren.

Das relative Risiko (RR) für eine mentale Retardierung lag bei der IVF im Gegensatz zur natürlichen Befruchtung bei 1,18 (95 %-KI = 1,01–1,36; 46,3 vs. 39,8 Fälle pro 100 000 Personenjahre). Für Einlinge war hier das Risiko für einen Autismus oder eine mentale Retardierung nicht erhöht. Allerdings war das Risiko von Einlingen für eine mentale Retardierung dann deutlich erhöht, wenn die Befruchtung mittels ICSI und Transfer des gefrorenen Embryos zustande kam (RR = 2,36 für gefrorene Embryonen, RR = 1,60 für frische Embryonen).

 

Fazit

Das Risiko für einen Autismus des Kindes wird durch die IVF nicht erhöht. Verglichen mit der spontanen Konzeption besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für eine mentale Retardierung, besonders nach ICSI und Transfer eines gefrorenen Embryos, so die Autoren.

 

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 2013; 81(12): 673