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Schematherapie: Ein Ansatz zur Behandlung narzisstischer Persönlichkeitsstörungen

Gängige Therapiemethoden gelten für Patienten mit Persönlichkeitsstörungen gemeinhin als wenig effektiv, woraus im Umgang mit dieser Patientengruppe nicht selten ein latenter therapeutischer Nihilismus resultiert. Fiedler warnt explizit vor dem damit einhergehenden Problem der „selbsterfüllenden Prophezeiung“ des Therapieversagens. Insbesondere trifft dies für die narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) zu.

Lorna Smith Benjamin, ausgewiesene Expertin auf diesem Gebiet, hat sich im Rahmen einer erfrischend formulierten Selbstöffnung folgendermaßen geäußert:

„Die feine Kunst, beim narzisstischen Persönlichkeitsgestörten den Rand des Bewusstseins zu erweitern, ohne die therapeutische Beziehung zu zerstören, ist schwer zu beschreiben. Ich habe viele von Narzissmus Betroffene in die Flucht gejagt und beginne erst in jüngster Zeit, mich einer Beherrschung des Problems anzunähern.“

Der charakteristische interpersonelle Stil dieser Patientengruppe stellt hohe Anforderungen an die therapeutische Beziehungsgestaltung, auch wenn ihr Leidensdruck unübersehbar ist.

Diese Konstellation provoziert nicht selten ungünstige Reaktionen bei Therapeuten, die sich schädlich auf die Behandlung auswirken können. Erschwerend kommt dabei hinzu, dass die Patientengruppe häufig eine untrügliche Intuition für die Verletzlichkeiten ihres Gegenübers aufbringt.

Zitat eines unter NPS leidenden Patienten:

„Wenn es um die Schwächen und Empfindlichkeiten meines Gegenübers geht, bin ich wie ein Trüffelschwein. Ich finde sie alle heraus. Und kann dadurch so furchtbar verletzend werden, dass ich schon viele Menschen schockiert habe.“

So wird des Öfteren übersehen, dass die Patienten hinter ihrer als arrogant wahrgenommenen Fassade meist ein hohes Maß an Verunsicherung verbergen. Der Therapeut sollte dementsprechend in der Lage sein, im Sinne einer wertschätzenden Irritation Mitgefühl und Respekt mit Grenzsetzung und Konfrontation flexibel kombinieren zu können. Dies kommt für gewöhnlich einem komplexen Balanceakt gleich und stellt an den Behandler hohe Ansprüche in Bezug auf Expertise, Reaktionsvermögen, Authentizität und das Bewusstsein eigener Überempfindlichkeiten.

Man sollte auch bedenken, dass die Inzidenz sowohl narzisstischer Persönlichkeitszüge wie auch der NPS in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung dieses Störungsbildes ist es bemerkenswert, dass systematische empirische Studien zur seiner Behandlung noch nicht existieren. Dies ist wahrscheinlich nicht weiter verwunderlich. Forschung mit Patienten zu betreiben, deren Hauptcharakteristikum darin besteht, sich nicht an die Regeln halten zu wollen, ist sicherlich kein leichtes Vorhaben. Den meisten Überlegungen zur Ätiologie und Behandlung dieses Phänomens liegen klinische Beobachtungen, Fallbeschreibungen und Fallanalysen zugrunde. Es existiert keine randomisiert kontrollierte Therapiestudie, die ausschließlich narzisstische Patienten einschloss, meist sind die Patientenstichproben sehr gemischt, und Persönlichkeitsstörungen werden eher im Sinne einer komplizierenden Bedingung betrachtet. Hier besteht ein dringender Handlungsbedarf.

Im vorliegenden Artikel werden die ätiologischen Modelle unterschiedlicher Therapieschulen beschrieben und zeitgemäße Behandlungsansätze, insbesondere solche, die Einfluss auf den schematherapeutischen Ansatz zur Therapie der NPS haben, erwähnt. Der Fokus liegt dabei auf dem Erklärungsansatz der Störung und den daraus abgeleiteten praktischen Interventionsvorschlägen der Schematherapie nach Jeffrey Young.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Schematherapie: Ein Ansatz zur Behandlung narzisstischer Persönlichkeitsstörungen

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie/Psychiatrie 8/2015

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