• Berufliche Chancen verbessern

    Menschen mit einer schweren psychischen Erkrankung sind häufiger arbeitslos und auch häufiger frühberentet als der Durchschnitt der Bevölkerung.

     

Berufliche Chancen für Menschen mit psychischer Erkrankung verbessern

Menschen mit einer schweren psychischen Erkrankung sind deutlich häufiger arbeitslos und auch häufiger frühberentet als der Durchschnitt der Bevölkerung. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Bundesgesundheitssurveys DEGS (Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland). Die beruflichen Chancen für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen zu verbessern, haben deshalb die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und die „Gesundheitsstadt Berlin“ auf einer gemeinsamen Fachtagung gefordert.

 

Psychische Erkrankungen sind nach Angaben der Gesellschaft heutzutage der häufigste gesundheitsbedingte Grund für eine frühzeitige Erwerbs- und Berufsunfähigkeit. In der aktuellen Auswertung wurde deshalb bei 18- bis 65-Jährigen untersucht, inwiefern psychische Erkrankungen mit einem geringeren Berufsstatus (geringfügige Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Frühberentung) assoziiert sind. Zwar stehen demnach viele psychisch Erkrankte im Berufsleben, andererseits ist der Anteil der arbeitslosen und vorzeitig berenteten Menschen bei psychisch Erkrankten überproportional hoch – abhängig vom Schweregrad, der Altersgruppe und dem Geschlecht ist er um den Faktor 2 bis 15 erhöht.

 

Dies steht nach Angaben der DGPPN im Einklang mit Ergebnissen einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Diese zeigte, dass etwa doppelt so viele psychisch Erkrankte Arbeitslosengeld II beziehen wie gleichaltrige Personen ohne psychische Erkrankung. „Die Befunde legen nahe, dass vor allem bei Menschen mit schwerer psychischer Erkrankung besondere Maßnahmen zur (Re-)Integration in das Berufsleben notwendig sind. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass fehlende Erwerbstätigkeit wiederum negative Folgen für die psychische Gesundheit haben kann“, stellt Professor Frank Jacobi von der Psychologischen Hochschule Berlin fest.

 

Die IAB-Studie legt zudem deutliche, regional unterschiedliche Defizite bei der Vermittlung von Arbeitnehmern mit psychischen Erkrankungen offen: Der individuell notwendige Unterstützungsbedarf überfordert die Vermittlungsstellen, welche hierfür fachlich nicht gerüstet sind. Die Kooperationsmöglichkeiten zwischen Arbeitsvermittlung und medizinischen/psychosozialen Unterstützungssystemen bleiben jedoch weitgehend ungenutzt, sozialgesetzliche Möglichkeiten für die berufliche Integration werden oft nicht ergriffen.

 

Professor Steffi G. Riedel-Heller aus dem Vorstand der DGPPN betont: „Es besteht dringender Handlungsbedarf, die berufliche Situation psychisch kranker Menschen zu verbessern. Dabei müssen neue innovative Wege gegangen werden“. Das in anderen Ländern zum Teil praktizierte „Supported Employment“ wäre aus seiner Sicht ein vernünftiger Ansatz. Dabei können offensichtlich auch Menschen mit schweren psychischen Beeinträchtigungen auf dem ersten Arbeitsmarkt integriert werden, wenn sie durch einen Jobcoach begleitet werden. Dieser Jobcoach wird in der Vermittlung eines angemessenen Arbeitsplatzes, der Begleitung der Betroffenen in Krisen und der Kontaktaufnahme mit dem Arbeitgeber wirksam. Diese so genannten Supported Employment Ansätze („first place then train“) haben laut DGPPN in wissenschaftlichen Studien ihre Überlegenheit gegenüber dem traditionellen arbeitsrehabilitativen Konzept („first train then place“) dokumentiert.