• Berufstätigkeit und Rückkehr an den Arbeitsplatz

     

Berufstätigkeit und Rückkehr an den Arbeitsplatz bei stationär-psychiatrisch behandelten Patienten

Diese Studie befasst sich mit der Beschäftigungsquote und dem Wiedereinstieg in den Beruf von stationär-psychiatrisch behandelten Patienten. Dazu wurden eine Stichtagsvollerhebung behandelter Patienten im Großraum München/Augsburg und anschließende Einzelinterview durchgeführt.

In Deutschland stehen psychische Erkrankungen als Ursache für Arbeitsunfähigkeitszeiten mittlerweile an vierter Stelle der häufigsten Diagnosen. Zudem ist die durchschnittliche Krankheitsdauer bei psychischen Erkrankungen doppelt so lang wie bei anderen Erkrankungen. Eine ebenso deutliche Zunahme ist bei den durch psychische Erkrankungen verursachten Erwerbsminderungsrenten zu verzeichnen. Als Gründe für den Anstieg von psychischen Erkrankungen und der dadurch verursachten Arbeitsausfälle werden unter anderem die Enttabuisierung des Themas sowie die steigende psychische Belastung am Arbeitsplatz diskutiert.

Auf der anderen Seite leistet Erwerbstätigkeit einen wichtigen Beitrag zum psychischen Wohlbefinden durch finanzielle Absicherung, Tagesstrukturierung, gesellschaftliche Akzeptanz, Stärkung des Selbstbewusstseins und Möglichkeit für soziale Kontakte. Arbeitslosigkeit dagegen führt häufig zu einer Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands, was die Wichtigkeit der Teilnahme am Arbeitsleben für psychisch erkrankte Menschen unterstreicht.

Schließlich sind Menschen mit psychischen Erkrankungen mit Stigmatisierung und Diskriminierung konfrontiert. Das macht sich auch im Berufsleben bemerkbar und führt bei den Betroffenen zu Problemen im Umgang mit ihrer Erkrankung. Auch auf Arbeitgeberseite ist man durch die Zunahme psychisch erkrankter Mitarbeiter und den dadurch steigenden Kosten vor neue Herausforderungen gestellt. Eine mangelhafte Aufklärung über die Ursachen und Folgen psychischer Erkrankungen führt zu Unsicherheit im Umgang mit betreffenden Mitarbeitern. Hinzu kommt, dass Arbeitgeber vielfach schlecht über mögliche Unterstützungsmaßnahmen informiert sind.

Die erkennbar schwierigen Voraussetzungen für eine berufliche Wiedereingliederung psychisch Erkrankter machen eine gute Zusammenarbeit und Interaktion der beteiligten Akteure (Krankenkassen, Rentenversicherungen, Gesundheitswesen, Betriebe) dringend notwendig. Etablierte Unterstützungsmaßnahmen (betriebliches Eingliederungsmanagement und stufenweise Wiedereingliederung) sollen den Übergang von der stationären oder ambulanten psychiatrischen Behandlung in das Berufsleben erleichtern.

Zu all diesen Aspekten liegen aktuell kaum Daten vor. Entsprechend war Ziel der vorliegenden Arbeit einerseits einen Überblick darüber zu geben, wie viele Patienten, die (teil)stationär psychiatrisch behandelt werden, in einem festen Arbeitsverhältnis stehen. Zum anderen sollte untersucht werden, wie Patienten den Zusammenhang zwischen psychischer Erkrankung und Arbeit sehen, wie diese Patienten bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz unterstützt werden und wie sich der Wiedereinstieg praktisch gestaltet.

Methoden

Studienablauf

Im Rahmen des zweistufigen Studiendesigns wurde zunächst mithilfe eines Screenings erfasst, wie viele der Patienten, die sich an den jeweiligen Erhebungstagen in (teil-)stationärer Behandlung in den teilnehmenden Krankenhäusern befanden, einen laufenden Arbeitsvertrag auf dem ersten Arbeitsmarkt hatten. Dabei wurde eine Vollerhebung aller stationär behandelten Patienten im Großraum München/Augsburg angestrebt.

Im zweiten Schritt wurden alle Patienten mit laufendem Arbeitsvertrag um ihre Teilnahme an einer Interviewbefragung gebeten. In der vorliegenden Untersuchung verwendeten wir folgende Definition für „laufenden Arbeitsvertrag“: Mehr als geringfügige, laufende Beschäftigung (Teil- oder Vollzeit) auf dem ersten Arbeitsmarkt bzw. mehr als geringfügige selbstständige Tätigkeit.


Ein- und Ausschlusskriterien

Die Erhebung der Daten erfolgte in psychiatrischen Kliniken im Großraum München/Augsburg (Isar-Amper-Klinikum-Nord/-Ost/-Süd-West, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Technische Universität München, Klinikum Landsberg am Lech, Danuvius Klinik Pfaffenhofen, Bezirkskrankenhaus Augsburg) auf allen allgemeinpsychiatrischen Stationen und Tagkliniken (nicht erfasst wurden Patienten auf Suchtstationen und in der Gerontopsychiatrie). Im Rahmen des Screenings wurden alle Patienten, die sich am jeweiligen Erhebungstag in einer der Kliniken befanden, erfasst. Dabei wurde aus logistischen Gründen je Klinik ein eigener Stichtag im Zeitraum von März 2014 bis August 2014 festgelegt.

Einschlusskriterien für die Teilnahme an der Interviewuntersuchung waren ein Alter von 18 bis 65 Jahren und ein aktuelles Arbeitsverhältnis auf dem ersten Arbeitsmarkt (mehr als geringfügige Beschäftigung). Ausschlusskriterium waren mangelhafte Sprachkenntnisse.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Berufstätigkeit und Rückkehr an den Arbeitsplatz bei stationär-psychiatrisch behandelten Patienten

Aus der Zeitschrift: Psychiatrische Praxis 04/2018

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