• Per Botoxinjektionen gegen die Borderline-Störung?

     

Per Botoxinjektionen gegen die Borderline-Störung?

„Botox könnte das bisher einzige zugelassene Medikament gegen Persönlichkeitsstörungen werden. Es hat zudem den Vorteil, dass seine Wirkung monatelang anhält“, so Professor Dr.
Tillmann Krüger von der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der MHH in einer Pressemitteilung. Zusammen mit Privatdozent Dr. Marc Axel Wollmer, Asklepios Klinik Nord-Ochsenzoll, will er im Rahmen einer umfassenden Studie die therapeutische Bedeutung des Botulinumtoxins bei der Borderline-Störung genauer unter die Lupe nehmen.

Wie die Wissenschaftler mitteilen, leiden in Deutschland aktuellen Schätzungen zufolge etwa fünf Prozent der Bevölkerung an einer Borderline-Störung. Rund 70 Prozent von ihnen können mittels einer Psychotherapie erfolgreich behandelt werden, was jedoch voraussetzt, dass sie sich auf diese Therapie einlassen.

In einer Voruntersuchung haben die Wissenschaftler sechs Borderline-Patientinnen, deren Krankheitssymptome sich zuvor durch Psychotherapie, Antidepressiva und Antipsychotika nicht gebessert hatten, einmalig Botox in die mittlere untere Stirn gespritzt – mit Erfolg: Die Krankheitssymptome reduzierten sich deutlich. Impulsivität, Stimmungsschwankungen und Niedergeschlagenheit nahmen ab und das Sozialverhalten verbesserte sich. „Botox dämpft negative Emotionen und wirkt dadurch stabilisierend“, erläutert Professor Krüger. Es lähmt die Muskeln zwischen den Augenbrauen, ein Bereich, in dem wir negative Stimmungen wie Sorgen und Ängste ausdrücken, erkennbar an den sogenannten Zornesfalten.

Botox verhindert laut Wollmer, dass diese negativen Emotionen ausgedrückt werden können. „Das führt dazu, dass sich die Intensität dieser Emotionen reduziert, denn der Gesichtsausdruck und das psychische Befinden sind eng verbunden: Mimik drückt Gefühle aus, wirkt aber gemäß der sogenannten Facial-Feedback-Hypothese auch auf unsere Stimmung zurück“, erläutert der Mediziner.

„Botulinumtoxin hat, in niedriger Dosierung örtlich gespritzt, kaum Nebenwirkungen“, ergänzt Professor Krüger. Es funktioniere auch bei jüngeren Personen ohne Gesichtsfalten. Die Forscher sind überzeugt, dass sich die Erfolge auch auf andere Persönlichkeits- und Impulskontrollstörungen übertragen lassen.

Um ihre ersten Ergebnisse wissenschaftlich zu überprüfen, haben sie nun eine größere klinische Studie initiiert und suchen noch Frauen mit der Borderline-Störung, die zwischen 18 und 40 Jahre alt sind und derzeit keine spezifische Psychotherapie wie zum Beispiel die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) erhalten. Die Studie wird über einen Zeitraum von zwölf Wochen durchgeführt. In der Vergleichsgruppe erfolgt eine Behandlung mit Akupunktur, die ebenfalls im Bereich des Kopfes durchgeführt wird. Neben der Behandlung und der Erfassung der klinischen Veränderungen wird zudem zu zwei Zeitpunkten eine Kernspintomografie des Kopfes durchgeführt, die Rückschlüsse zur Verarbeitung von emotionalen Reizen im Gehirn zulässt.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung Medizinische Hochschule Hannover, Stefan Zorn, 2.9.2016

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